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Ungebrauchte Briefmarken: Wert

Postfrische Briefmarke Rückseite Postfrische Briefmarke Vorderseite

Wert von Briefmarken: die Erhaltung ist wichtig!

Ungebraucht oder gestempelt?

Teil 1 Ungebraucht

Ausschlaggebend für den Wert und die Bewertung von philatelistischem Material wie Briefmarken, Ganzsachen und Ganzstücke, Postkarten und anderes ist die Erhaltung der Sammelgegenstände.

Verschiedene Meinungen

Zu diesem Thema existieren viele unterschiedliche und teilweise kontroverse Ansichten, welche oft „verkaufsfördernd geformt“ sind. Besonders in Bezug auf ungebrauchte Marken mit Falz gibt es oftmals Unsicherheiten. So kursiert insbesondere bei verschiedenen Online-Plattformen der Begriff „postfrisch mit Falz“, welcher schlichtweg falsch und meist absichtlich irreführend ist, da eine Briefmarke entweder „postfrisch“ ist oder einen Falz hat. Die Bezeichnung „postfrisch mit Falz“ ist genauso absurd wie „Käse ohne Milch“.



Gebraucht und Ungebraucht

Grundsätzlich gibt es zwei Erhaltungen bei Briefmarken: gebraucht und ungebraucht. Gebrauchte Marken sind entwertet, also mit Stempel, Federzug, auch, wenn auch sehr selten mit Lochung, ungebrauchte Briefmarken sind eben noch nicht „benutzt“ worden, sie tragen daher keinen Poststempel oder ein anderes Entwertungsmerkmal.

Die Erhaltung ungebrauchter Briefmarken kann man prinzipiell in drei Stufen einteilen:

  • postfrisch: ohne jeden Makel, mit vollständig und unbeschädigt vorhandenen Originalgummi, das Zeichen für postfrische Briefmarken ist **. Briefmarken, welche von der Post bereits ohne Gummi herausgegeben wurden, können ebenfalls als „postfrisch“ bezeichnet werden.

  • mit Gummi: wie der Name schon sagt, Briefmarken mit Originalgummi. Jedoch nicht -wie bei postfrischen Briefmarken- vollständig und unbeschädigt, sondern meist mit Falzresten oder Falzspuren oder anderen Beschädigungen der Gummierung. Die Bezeichnung „ungebraucht mit Gummi“ ist auch gebräuchlich und legitim für Briefmarken, welche nicht ganz die Anforderungen für die Bezeichnung „postfrisch“ erfüllen. Das Zeichen in den Katalogen hierfür ist *.

  • ohne Gummi: schnell und einfach: unbenutzte Briefmarken ohne Gummi oder Teilgummi. Diese Erhaltung ist bei klassischen Briefmarken, also bei den Briefmarkenausgaben vor etwa 1870 sehr häufig anzutreffen, diese Marken sind sehr wohl sammelwürdig. Bei modernen Marken, und dies ist das andere Extrem, sind Briefmarken ohne Gummi schlichtweg nicht akzeptabel, selbst Briefmarken mit Falz werden bei den Briefmarkenausgaben der letzten fünf Jahrzehnte-von wenigen Ausnahmen abgesehen-, von den meisten Philatelisten abgelehnt. Die Marken tragen in der Literatur das Zeichen (*).
Falze für Briefmarken


Postfrisch, ungebraucht mit Gummi, Briefmarken ohne Gummi-was ist wann akzeptabel?

Welche Erhaltung bei welcher Briefmarke nun akzeptabel ist, lässt sich prinzipiell nicht pauschal beantworten und ist immer vom Alter der Marke, den Umständen der Produktion, der Seltenheit und Beliebtheit und anderen Umständen abhängig. Generell kann man aber feststellen, dass je älter und/oder seltener eine Briefmarke ist, desto mehr werden schon einmal Abstriche in Kauf genommen. Beispiele:

  • der Deutschen Staaten, Altdeutschland: hier ist die standardmäßige Erhaltung „ungebraucht mit Gummi“ bis „ungebraucht ohne Gummi“. Diese Erhaltung ist bei diesen Marken absolut aktzeptabel und meist die Normalform. Wirklich echte postfrische Briefmarken aus dieser Zeit findet man sehr selten, und wenn, sollte man auf eine Prüfung bestehen, da viele „postfrische“ Marken nachgummiert sind.

  • Briefmarken aus der Zeit des Deutschen Kaiserreich, etwa 1870-1914/18: hier ist der normale Erhaltungszustand „ungebraucht mit Gummi“, da so gut wie alle Briefmarkensammler dieser Zeit die Marken mit den damals sogenannten „Klebefälzen“ auf Papierseiten befestigt hatten. Für die preisliche Bewertung in den Katalogen bei den Marken dieser Zeit ist „ungebraucht mit Originalgummi“, also für Briefmarken mit Falz oder Falzresten und Teilgummi, die Standard-Erhaltung. Postfrische Marken aus der Kaiserzeit werden meist höher bewertet.

  • Briefmarken aus der Zeit der Weimarer Republik, ca. 1914/18-1932: hier „mischen“ sich schon die Formen der akzeptablen Erhaltungen bei ungebrauchten Briefmarken. Bei Briefmarken geringeren Wertes werden oft nur postfrische Marken bevorzugt, bei Marken mit höherem Wert, also bei solchen mit dem Katalogwert ab ca. 30 €, nehmen Briefmarkensammler auch schon einmal Briefmarken mit Falz oder Falzspuren bzw. Falzresten in Kauf. Ungebrauchte Marken ohne Gummi werden hier schon meist nicht mehr akzeptiert. Das Gleiche gilt für die Briefmarkenausgaben aus der Zeit des „Dritten Reich“, ca. 1932-1945.

  • Freimarkenausgaben aus der Nachkriegszeit: Bei den recht seltenen Lokalausgaben von 1945 und den damit einhergehenden Schwierigkeiten bei der Produktion der Marken durch mangelhaftes Material, beschädigte Druckmaschinen und andere, der damaligen Zeit zu schuldenden Umstände, sind Philatelisten schon einmal eher bereit, hinsichtlich der Erhaltung ungebrauchter Briefmarken besondere Maßstäbe anzusetzten, das heißt, Gummibüge, leichte produktionsbedingte Gummischäden und ähnliches sind bei den Marken der direkten Nachkriegszeit der Normalzustand. Auch Falzmarken werden von den Philatelisten bei den Lokalausgaben nach 1945 -schon aufgrund der Seltenheit der meisten Marken- eher akzeptiert als bei den Briefmarkenausgaben der Nazizeit. Bei der Wertermittlung postfrischer bzw. ungebrauchter Briefmarken aus diesem Sammelgebiet empfiehlt es sich umso mehr, nicht nur im Spezialkatalog zu recherchieren, sondern auch in den Handbüchern der ARGE, welche sich mit der Thematik auseinandersetzt.

  • Bei den Briefmarken der Alliierten Besetzung, ca. 1945/46-1947 ist die gängigste von den Philatelisten akzeptierte Erhaltung bei unverwendeten Briefmarken „postfrisch“. Nur bei den selteneren Stücken sind die Sammler bereit, Abstriche in Bezug auf Falzmarken zu machen. In den gängigen Briefmarkenkatalogen werden oft Bewertungen sowohl für postfrische Marken als auch für ungebrauchte Marken mit Originalgummi angegeben.

  • Briefmarken aus der Zeit Bund, Berlin, DDR: Standard-Erhaltungen bei Briefmarken aus dieser Zeit ist „postfrisch“, Briefmarken mit Falz werden kaum akzeptiert, Marken ohne Gummi generell nicht: Briefmarken aus dieser Zeit und von diesen Sammelgebieten, welche nicht postfrisch sind, dürfen fast schon als unverkäuflich bezeichnet werden
Philatlelie Klebefälze

Selbstklebende Briefmarken

Seit einigen Jahren stellen die Postanstalten immer mehr selbstklebende Briefmarken her. Wie sich hier die Bewertungsansätze für postfrische Marken darstellen, ist unterschiedlich und bleibt abzuwarten. Generell kann man aber sagen, dass es naturgemäß bei selbstklebenden Briefmarken keine Marken geben kann, welche als „ungebraucht mit Falz“ zu bezeichnen sind. Postfrische Marken sind demnach auf dem Träger befindlich: so wie „frisch von der Post“ verausgabt.

Rat und Hilfe bei anderen Philatelisten holen!

All dies oben gesagte gilt analog zu den Briefmarkenausgaben anderer Sammelgebiete, selbstverständlich sind Ausnahmen die Regel. Also: am besten ist es, immer Fachliteratur wie Kataloge und Handbücher zu Rate zu ziehen, den Kontakt zu anderen Sammlern zu suchen, beispielsweise in Briefmarkenvereinen, oder den Händlern des Vertrauens zu fragen. Bei den Antworten der Händler sollte man aber unbedingt „zwischen den Zeilen lesen“ (oder hören), da ein Händler eben vom Handeltreiben lebt.


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