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Tre Skilling Banco, der Farbfehldruck aus Schweden

Die „Tre Skilling Banco“

Eine Briefmarke, die es gar nicht geben dürfte

Um den Titel „Teuerste Briefmarke der Welt“ oder „Seltenste Briefmarke der Welt“ streiten sich zwei Briefmarken seit jeher: die „British Guiana One Cent“ und eben die schwedische „Gula treskillingen“, auch „Tre Skilling Banco“ genannt. Die seltene schwedische Briefmarke ist ein sogenannter Farbfehldruck, von welchem eine unbekannte Anzahl von 3 Skilling Marken in der Farbe der gelben 8 Skilling Marken gedruckt wurden. Die eigentliche Farbe des 3 Skilling Wertes war grün. Der Fehldruck blieb bis nach der Herausgabe der Briefmarken unbemerkt. Der Entwurf und der Druck wurde von Graf P. A. Sparre ausgeführt, im Buchdruck.

Die Briefmarke stammt aus der ersten schwedischen Briefmarkenserie von 1855 mit den Werten 3, 4, 6, 8 und 24 Skilling, die Marken zeigen das schwedische Reichswappen, umgeben von der Inschrift „Frimärke“, den Nennwert und den Landesnahmen.

Für das Entstehen der seltenen Briefmarke gibt es drei Theorien:

  1. Der Drucker hat, nach dem Druck der gelben 8 Skilling Marke die Druckplatte, aber die Farbe nicht gewechselt und dies nicht sofort bemerkt, oder
  2. Der Drucker hat beim Zurichten der Maschine für die eigentlich grüne 3 Skilling Marke noch die gelbe Farbe der 8 Skilling Marke benutzt, der so entstandene Zurichtbogen ist unbemerkt durch die Kontrolle und in den Verkauf geraten.
  3. Möglich ist jedoch auch, dass beim Druck das Klischee der 8 Skilling Marke beschädigt wurde und ausgewechselt werden musste, versehentlich aber in das der 3 Skilling Marke. Die Druckstöcke für die „3“ und die „8“ sehen sich immerhin sehr ähnlich.

Es gibt noch eine vierte Möglichkeit, berichtet von einem Nachkommen eines Zeitzeugen, leider ebenso wenig bewiesen wie die anderen Therorien, hier im Original-Wortlaut:

"...die Lokale Version sagt dass jede einzelne Marke ihre eigene Druckstempel hatte und mehrer davon kamen in einen Rahmen um ein Bogen zu drucken. Als 8-Skillings gedruckt werden sollte ist ein 3-Skilling Druckstempel im Rahmen geblieben..."

In jedem Fall muss der Fehler schnell bemerkt worden und korrigiert worden sein, immerhin ist nur ein Exemplar der seltenen „3 Skilling Banco“ bekannt geworden.

Erst im Jahre 1885 wurde der Fehldruck entdeckt, vom Stockholmer Gymnasiasten Georg Wilhelm Backman, auf dem Dachboden seiner Großmutter in der Korrespondenz seines verstorbenen Großvaters. Andere Quellen sprechen vom Entdeckungsjahr 1886, dies ist jedoch nicht belegt.



Der Schüler verkaufte die Marke für sieben schwedische Kronen an den Händler Heinrich Lichtenstein. Eine andere, authentische Quelle aus Georg Wilhelms Backmans Heimatort spricht von einem viel geringeren Preis. Auf den Händler ist der junge Mann durch eine Zeitungsanzeige Lichtensteins aufmerksam geworden. In dieser versprach Lichtenstein, jede der alten schwedischen Skillingmarken für 7 Kronen anzukaufen. Es ist möglich, dass die Behauptung, sieben schwedische Kronen gezahlt zu haben, vom Händler Lichtenstein selbst stammt, um sich vom möglichen Verdacht der Übervorteilung eines Schulkindes freizusprechen. Sieben Kronen waren seinerzeit viel Geld und nicht nur für einen Schüler ein kleines Vermögen. Die Wahrheit lässt sich kaum ermitteln. Die nächsten Besitzer waren:

  • 1926 Baron Philipp la Renotière von Ferrary (Kaufpreis: 4000 Gulden)
  • 1926 C. P. Tamm (Kaufpreis: 36.000 französische Franc)
  • 1928 Dr. J. Ramberg (Kaufpreis: 48.000 französische Franc)
  • 1937 König Karol I. von Rumänien (geschätzter Kaufpreis 120.000 Schweizer Franken, andere Quellen: 5000 Britische Pfund)
  • 1950 René Berlingin (unbekannte Summe)
  • 1984 David Feldmann (977.500 Schweizer Franken)
  • 1996 Unbekannter Käufer (2.500.000 Schweizer Franken)
  • 2010 Unbekannter Käufer (unbekannter Preis, Auktion Feldmann in Genf)
  • 2013 Gustaf Douglas (unbekannter Preis)

In Hinsicht auf die Versteigerung der „British Guiana One Cent“ darf man auf das nächste Auftauchen der „Tre Skilling Banco“ bei einer Auktion gespannt sein.



Bilder: Wikipedia