Briefmarken Altdeutschland: Die Ausgaben des Königreich Bayern zur Kreuzerzeit

Der erste deutsche Staat, welcher eigene Briefmarken herausgegeben hat, war das Königreich Bayern mit seinem berühmten Schwarzen Einser. Herausgegeben am 1. November 1849 ist die seltene Briefmarke eine der Begehrtesten unter Deutschland-Sammlern. Wir haben dem Schwarzen Einser einen kompletten, eigenen Artikel gewidmet.

Die Erhaltung

Den geschnittenen Briefmarken Bayerns begegnet man oft vollrandig, oft sind noch die Schnittmarkierungen gut zu erkennen. Insgesamt kann man sagen, dass die Bayern-Marken der Kreuzerzeit in durchweg guter Qualität zu bekommen sind. Einschränkend muss allerdings angemerkt werden, dass insbesondere das Papier der „Quadratmarken“ Bayerns zu Brüchen neigen kann, entsprechende Vorsicht beim Umgang mit diesen sehr alten Briefmarken ist also angebracht.

Bayern 18 Kreuzer gestempelt
Bayern ziegelrote 18 Kreuzer-Marke geschnitten

Auch die gezähnten Bayernmarken sind meist in guter bis sehr guter Qualität erhalten, die Marken sind in der Regel sauber gezähnt, so sollte es kein Problem sein, eine Bayernsammlung mit sauber und einwandfrei erhaltenen Exemplaren zu bestücken.

Bayern 12 Kreuzer lila gezähnt

Der Seidenfaden

Bei der Ausgabe von 1867 wurde handgeschöpftes Papier verwendet, in welches ein Seidenfaden eingelassen wurde. Dieser Seidenfaden diente als Sicherheitsmerkmal und sollte insbesondere vor Fälschungen zum Schaden der Post dienen. Für Spezialisten sind insbesondere „Abnormitäten“ bezüglich des Seidenfadens interessant, von Abarten im philatelistischen Sinne kann man allerdings nicht sprechen, wenn man Marken ohne, mit stark versetztem oder gar mit doppeltem Seidenfaden betrachtet. Diese Besonderheiten beruhen lediglich auf Zufälligkeiten. So kann es vorgekommen sein, dass der Seidenfaden zu flach auf der Papiermasse auflag und einfach abgefallen ist. Solche Marken tragen dann keinen Seidenfaden, wo eigentlich einer sein sollte, allerdings kann man häufig noch die Einprägung des Fadens erkennen. Gelegentlich anzutreffen sind auch Briefmarken, bei denen der Seidenfaden stark versetzt ist. Selten findet man Bayern-Marken mit zwei Seidenfäden nahe den Rändern der Marke. In diesem Fall handelt es sich um zwei stark versetzte Seidenfäden.

Der Begriff „bayernbrüchig“ und die Bedeutung

Zwischen den Druckstöcken der Bayern-Briefmarken befanden sich Bleche, welche man zwischen den gedruckten Marken als Trennlinien erkennen kann. Diese ragten in der Regel über die Markenklischees heraus und übten so auf das Markenpapier einen höheren Druck aus als die eigentliche Druckform. Die Folge davon ist, dass die Marke an diesen Stellen eher zu Brüchen neigt. Diese spezielle Eigenschaft der bayrischen Briefmarken nennt man „Bayernbrüchigkeit“. Entsprechende Vorsicht beim Umgang mit den Briefmarken ist daher angebracht. Vollkommen unbeschädigte Marken werden meist höher bewertet.

Fälschungen

Fälschungen sind bei den Briefmarken Altdeutschlands sind leider immer ein großes Thema, auch bei den Briefmarkenausgaben des Königreich Bayern. Insbesondere bei dem Schwarzen Einser sollte man besondere Vorsicht beim Erwerb der seltenen Briefmarke walten lassen: grundsätzlich ist der Kauf dieser teuren Briefmarken nur mit aktuellem Fotoattest eines anerkannten Prüfers zu empfehlen.

Der Schwarze Einser - Bayern 1 Kreuzer
Die erste Briefmarke Deutschlands. Der Schwarze Einser

Besonders die berühmten Fälscher Sperati und Fournier haben sich an der schwarzen 1-Kreuzer-Marke versucht, mit mehr oder weniger „gut gelungenen“ Nachahmungen. Während die Sperati-Fälschungen recht selten (und von Spezialisten gesucht und gut bezahlt werden) sind, kann man die einfacheren Falsifikate von Fournier häufiger antreffen, aber auch diese werden gesammelt.

Die Briefmarken der ersten bayrischen Ausgabe sind in ungebrauchter Erhaltung wesentlich seltener als in gebrauchter und werden daher auch höher gehandelt. Wie immer, ruft dies wieder Fälscher auf den Plan: oftmals findet man Marken mit entferntem Federstrich, einer damals üblichen Entwertung, welche als „ungebraucht“ angeboten werden. Und wie immer gilt hier die dringende Empfehlung, seltene und somit preisintensivere Briefmarken nur aktuell geprüft, niemals ohne Obligo, zu erwerben. Schnäppchen bei seltenen Briefmarken in guter Erhaltung gibt es in der Regel nie!

Eine Bayern-Sammlung aufbauen

Eine Bayernsammlung hat einen besonderen Reiz, wenn man die „Quadratmarken“ mit den häufig verwendeten Mühlradstempeln betrachtet. Von der seltenen „Nummer 1“ einmal abgesehen, sollte es den meisten passionierten Altdeutschland-Philatelisten möglich sein, eine Bayern-Ländersammlung mit Stücken guter Qualität aufzubauen. Die Beschaffung des Schwarzen Einsers erfordert unter Umständen allerding etwas mehr finanzielles Engagement und generelle Kontinuität im Willen, das Ziel des Aufbaus einer vollständigen Bayernsammlung zu erreichen. Nicht umsonst ist die Philatelie eine Passion, welche oft Opfer erfordert, aber am Ende belohnt.

Philatelisten, welche die hohen Ausgaben für seltene Bayern-Marken scheuen, können ihre Liebe zu den Bayern-Briefmarken in Form einer Mühlradstempel-Sammlung ausleben. Einige diese Nummernstempel sind allerdings auch selten und werden oft sehr gut bezahlt, eine solche Sammlung kann allerdings auch ohne Vollständigkeitsanspruch einen gewaltigen Umfang annehmen.

Die Ausgaben der Kreuzermarken

1849, Große Wertziffer, ohne Seidenfaden

  • 1 Kreuzer schwarz
  • 3 Kreuzer blau
  • 1 Kreuzer rosa
  • 6 Kreuzer braun
  • 9 Kreuzer grün
  • 12 Kreuzer rot
  • 18 Kreuzer gelb

Vom schwarzen 1-Kreuzer-Wert gibt es zwei verschiedene Farbvarianten: grauschwarz und tiefschwarz. Beide Varianten gibt es von 2 Platten, die sich im Druckbild fein unterscheiden.

Von der 6-Kreuzer braun gibt zwei Typen, welche sich durch den Kreis mit der Wertziffer unterscheiden: bei Typ I. ist der Kreis um die Wertziffer unterbrochen, bei Typ II. ist dieser geschlossen.

Bei der 9-Kreuzer grün unterscheidet man fünf Farbvarianten und jeweils 3 verschiedene Typen

1862, wie oben, geänderte Farben

  • 1 Kreuzer gelb
  • 3 Kreuzer rosa
  • 6 Kreuzer blau
  • 9 Kreuzer graubraun
  • 12 Kreuzer grün
  • 18 Kreuzer rot

Bei der 6-Kreuzer-Marke unterscheidet man zwei Farbvarianten: dunkelgrauultramarin und dunkelblau.

Bei der 18-Kreuzer-Marke unterscheidet man zwei Farben, zinnober und blaßrot.

1862, Wappenzeichnung, mit Seidenfaden, geschnitten

  • 1 Kreuzer grün
  • 3 Kreuzer rosa
  • 6 Kreuzer blau
  • 9 Kreuzer braun
  • 12 Kreuzer lila
  • 18 Kreuzer ziegelrot
  • 6 Kreuzer braun
  • 7 Kreuzer blau

Von der 1-Kreuzer-Marke gibt es drei Farben: hell bis dunkelgrün, opalgrün und blaugrün.

1870/73, Wappenzeichnung, Wasserzeichen: gekreuzte Linien, gezähnt

  • 1 Kreuzer grün
  • 3 Kreuzer rosa
  • 6 Kreuzer braun
  • 7 Kreuzer blau
  • 12 Kreuzer lila
  • 18 Kreuzer ziegelrot
  • 9 Kreuzer braun
  • 10 Kreuzer gelb

1874/75, wie oben, Wappenzeichnung

  • 1 Mark violett ungezähnt
  • 1 Mark violett geschnitten

1875, wie oben, Wappenzeichnung, Wasserzeichen weite Wellenlinien

  • 1 Kreuzer grün
  • 3 Kreuzer rosa
  • 7 Kreuzer blau
  • 10 Kreuzer gelb
  • 18 Kreuzer ziegelrot

Fazit

Wer sich mit dem Sammelgebiet Bayern befasst, wird viel Freude an den wirklich ästhetisch gestalteten Briefmarken finden, welche sprichwörtliche für den Begriff „deutsche Klassik“ sind.

Auch für den weniger betuchten Sammler findet sich hier ein Betätigungsfeld, da die bayrischen Briefmarken der Kreuzerzeit nicht überwiegend hochpreisig sind, von Ausnahmen abgesehen. Wie oben bereits erwähnt, lohnt sich der Aufbau eine Sammlung nach Nummernstempel. Alles in Allem ist das Sammelgebiet „Bayern zur Kreuzerzeit“ für eine breite Masse an Philatelisten interessant.

Bayern Ganzsachenumschlag 3 Kreuzer

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