Briefmarken Altdeutschland: Die Ausgaben Helgolands

Sicherlich ist jedes einzelne Sammelgebiet Altdeutschlands einzigartig. Kaum eine Markenausgabe gleicht der anderen, die Vielfalt der Briefmarken-Gestaltungen ist nahezu einzigartig in der Welt der Philatelie. Aber doch ist Helgoland noch etwas „einzigartiger“ als alle anderen deutschen Staaten.

Helgoland ist nämlich kein deutscher Staat. Genau genommen gehörte die Insel Helgoland seiner Zeit nicht einmal zu Deutschland, sondern war eine britische Kolonie. Warum die Insel trotzdem in die Liste altdeutscher Sammelgebiete eingereiht wurde, bleibt allerdings ohne Erklärung. Möglicher Weise, weil Helgoland später zum Deutschen Reich gehörte. Eine genauere Antwort vermag auch die Fachliteratur nicht zu geben.

Viele Philatelisten fasziniert das Sammelgebiet ebenso im gleichen Maße, wie es sie abschreckt. Der Grund dafür ist leicht auszumachen: Es gibt von den Helgoländer Marken eine Unzahl Neudrucke, und leider eben auch viele davon falsch gestempelt, so viele, dass man die Briefmarken Helgolands grundsätzlich ausschließlich geprüft erwerben sollte, ausdrücklich auch die billigeren Werte. Vielen Sammlern ist das Risiko einfach zu hoch, ein „faules Ei“ zu erwischen. Auch, weil Manchem die Unterscheidung zwischen Originalen und Neudrucken schwerfällt.

Helgoland – die Ausgaben

Helgoland hat insgesamt zwanzig Briefmarken herausgegeben, einige Marken haben zahlreiche Farbvarianten und Kopftypen. Hier soll auf die detaillierte Darstellung aller Farbtypen verzichtet werden, diese können in den entsprechenden Spezialkatalogen genauer nachgezeichnet werden.

1967, Marken durchstochen

  • ½ Schilling                         blaugrün/karmin             
  • 1 Schilling                          blaugrün/trübkarmin
  • 2 Schilling                          rosa/dunkelgrün
  • 6 Schilling                          graugrün/rosakarmin

1869/71, Marken gezähnt

  • ½ Schilling                         grün/karmin (viele Töne)
  • 1 Schilling                          karmin/grün (viele Töne)

Beide Nominalen kommen auf zwei Papiertypen vor: auf gewöhnlichem Papier und auf Papier mit Webmuster. Die Markenfarben auf beiden Papiertypen weisen zahlreiche Tönungen auf.

1873, innere Ecke weiß

  • ¼ Schilling                          karmin/grün (Töne)
  • ¾ Schilling                         hellgrün/rosa (Töne)
  • 1 ½ Schilling                      hellgrün/karmin (Töne)

1875, Währung Mark/Pfennig

  • 1 Pfennig                           lilakarmin/grün (Töne)
  • 2 Pfennig                           grün/lilakarmin
  • 5 Pfennig                           lilakarmin/grün (Töne)
  • 10 Pfennig                         grün/karmin (Töne)
  • 25 Pfennig                         lilakarmin/grün
  • 50 Pfennig                         grün/karmin

Besonders zahlreich sind bei dieser Ausgabe die Farbvarianten beim 10-Pfennig-Wert. Der Michel-Spezial unterscheidet nicht weniger als fünf Tönungen.

1876

Im Jahr 1876 gab es nur zwei Marken. Die 3 Pfennig in dunkelgrün/gelb (Töne) und die 20 Pfennig in lilakarmin-weinrot/graugrün-gelb (viele Töne). Auch bei dieser Ausgabe sticht eine Marke mit besonders vielen Farbvarianten heraus: der 20-Pfennig-Wert. Acht Farbvarianten werden unterschieden.

1879

Im Jahr 1879 gab es ebenfalls nur 2 Werte: 1 Mark und 5 Mark, beide in blaugrün/rosa/schwarz (Töne). Der 1-Mark-Wert kommt in drei Farbvarianten vor.

Die Erhaltung der Helgoland-Marken

Von den Helgoland-Marken gibt es keine Unperforierten. Die gezähnten und durchstochenen Marken sind üblicherweise in einer ordentlichen Erhaltung anzutreffen. Die Briefmarken Helgolands sind in der Regel sauber gezähnt bzw. durchstochen.

Wie bei fast allen altdeutschen Markenländern sind postfrische Marken recht selten, so auch bei Helgoland. Wirklich postfrische Briefmarken von der Insel erzielen dem entsprechend hohe Preise. Ungebrauchte Briefmarken mit Originalgummi und Falzspur beziehungsweise Falzrest sind häufig anzutreffen und bei nicht verwendeten Briefmarken üblich.

Noch einmal: Fälschungen und Neudrucke

Leider gibt es -nicht zuletzt wegen der reichlich und in guter Qualität vorhandenen Neudrucke- zahlreiche Stempelfälschungen bei Helgoland-Briefmarken. Leider auch bei den billigeren Werten, auf keinen Fall sollte man daher Ungeprüfte erwerben. Im verstärktem Maße gilt dies für die Teuren. Hier sollte man unbedingt mindestens auf einen Kurzbefund mit Foto bestehen, auf dem die geprüfte Marke abgebildet ist, eine bloße Prüfsingnatur sollte bei teuren Exemplaren mißtrauisch machen, denn: wer Stempel fälscht, fälscht auch Prüfzeichen!

Ganzfälschungen von Helgoland-Marken sind selten anzutreffen. Der Mehrfarben-Prägedruck ist sehr aufwändig, Neudrucke dagegen leicht verfügbar.

Wie oben bereits erwähnt, schrecken viele Sammler vor Helgoland zurück, eben wegen der Unsicherheiten durch die zahlreich vorhandenen Neudrucke. Es gibt jedoch treffsichere Unterscheidungsmerkmale: die Gummierung der Originale ist gelblich, etwas rau und brüchig, die der Neudrucke eher gelblich weiß bis weiß, bis hin zu ganz glatter und weißer Gummierung bei den Leipziger Neudrucken, bei diesen wurde der Gummi maschinell aufgetragen.

Die Perforation kann ebenfalls Hinweise geben: Der Durchstich der Neudrucke ist sehr scharf, der der Originale eher breit. Ebenso kann man bei Randstücken beobachten, dass der Durchstich bei Originalen über die Marke hinaus auf den Rand ragt, bei den Neudrucken ist dies nicht der Fall.

Die Originale sind 13 ½ zu 14 ¼ gezähnt, die Berliner und Leipziger Neudrucke allerdings auch. Die Hamburger Neudrucke haben allerdings 14:14 und sind so sofort auszumachen. Die Leipziger Neudrucke kann man jedoch an die eher stumpfen Zähne erkennen, auch an den kleinen Zähnungslöchern. Im genauen Gegensatzt dazu haben die Berliner Neudrucke eher spitze Zähne mit größeren Zähnungslöchern.

Unterschiede zwischen den Originalen und den Neudrucken gibt es auch beim verwendenden Papier. Das der Neudrucke wirkt durchscheinender als das der Originale. Von der Rückseite betrachtet, kann man bei den Neudrucken die Markeninschriften erkennen, bei den Originalen sollte dies nicht gelingen. Zudem ist das Papier der Hamburger und Leipziger Neudrucke stark geglättet. Beim Neudruck des 3-Pfennig-Wertes von 1878 verläuft die Papiermaschung diagonal, dieser Neudruck ist so recht leicht auszumachen.

Nicht zuletzt können die Farben der Helgoland-Marken Hinweise geben, ob es sich um Originale oder Neudrucke handelt. Allerdings bleibt die genaue Bestimmung dem versierten Helgoland-Kenner mit entsprechend umfangreichem Vergleichsmaterial vorbehalten. Wie aus der obigen Aufstellung ersichtlich, existieren bei einigen Marken recht viele Auflagen, welche sich an den Farben manifestieren. Der Spezialist verfügt daher über Vergleichstücke und kann mit ihnen die genaue Farbvariante bestimmen – und eben auch die Neudrucke.

Kopftypen bei den Marken Helgolands

Die Marken Helgolands tragen, geprägt im Oval, den Kopf der Königin Viktoria im Medaillon. Genau drei Typen dieser Zeichnung, in den Katalogen Kopftypen genannt, kommen auf den Helgoländer Marken vor:

Typ I: Nackenlocke mit Knoten, vorderes Ende der Büste spitz nach unten gebogen, das hintere Ende abgerundet.

Typ II: Nackenlocke bildet einen Haken, vorderes Ende der Büste Stumpf und etwas nach oben gewölbt, das hintere Ende der Büste endet im spitzen Winkel.

Typ III: Nackenlocke sehr klein, ein „Haarlöckchen“, Büste wie bei Typ II. Es gibt noch weiter Unterscheidungsmerkmale der drei Formen, diese oben erwähnten sollen aber zur Bestimmung ausreichen. Folgenden Kopftypen kann man den Originalen zuordnen (Nummern nach Michel):

  • Typ I:                   1, 2-4, 8-10
  • Typ II:                  1, 6, 11-16
  • Typ III:                 7

Eine Helgoland-Sammlung aufbauen

„Was dem eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall“. Wenn man die zahlreichen Neudrucke Helgolands in die Ländersammlung mit einbezieht, kann aus einer Helgoland-Sammlung ein reizvolles und umfangreiches Objekt werden. Auf keinem Fall sollte man die Neudrucke Helgolands verteufeln oder gar Angst vor diesen haben. Allerdings ist schon ein „gerüttelt Maß“ Sachverstand für den Aufbau einer qualifizierten Helgoland-Sammlung nötig und als Anfänger sollte man vielleicht nicht mit Helgoland beginnen. Auch hier ergeht nochmals der dringende Hinweis, ausschließlich geprüfte Briefmarken zu erwerben, so sind Sie immer auf der sicheren Seite.

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