Die Qualität der Markengummierung hat sich im Lauf der Zeit ganz extrem verändert. Die ersten Rezepturen basierten mehr oder weniger stark auf Knochenleim. Später kamen andere Komponenten hinzu, vor allem das aus Zucker gewonnene Dextrin. Ab 1916 gab es praktisch nur noch Gummierungen auf Dextrinbasis, die in wenig abgewandelten Formen bis weit in die 1960er Jahre für deutsche Marken charakteristisch sind. Danach beginnt ein Wandel zu Industriegummierungen verschiedener Art.
Voraussetzung für Vollwertigkeit ist auch hier eine gute bis sehr gute Erhaltung der Gummierung. Dass man hier eine von Hand aufgetragene Knochenleim-Mischung anders betrachten muss, als eine moderne maschinelle Dextrin-Gummierung, sollte wohl selbstverständlich sein.

Qualität der Gummierung

Allgemeine Gummierungscharakteristika für die Briefmarken der jeweils angegebenen Zeiträume

Ab 1849
In der Frühphase gibt es von Gebiet zu Gebiet und Ausgabe zu Ausgabe sehr starke Verschiedenheiten mit jeweils daraus resultierenden eigenen Qualitätskriterien. Postfrische Marken kommen nur ganz vereinzelt vor.

Ab 1870
Frühe Gummierungen mit immer noch vielen Unregelmäßigkeiten. Die Gummierung ist noch spröde und brüchig. Die Absplitterung kleiner Gummiteilchen ist z.B. bei den Brustschildausgaben des Deutschen Reiches, recht häufig zu beobachten. Postfrische Marken sind zumeist extrem selten.

Ab 1890
Anfänge „moderner“ Gummierungen. Guter Herstellungsstandard mit geringen Unregelmäßigkeiten. Wirklich postfrische Stücke sind sehr selten, Falzentfernungen häufig.

Ab 1916
Ab 1916 gab es praktisch nur noch Gummierungen auf Dextrin-Basis, die in wenig abgewandelten Formen bis weit in die 1960er Jahre für deutsche Marken charakteristisch sind. Charakteristisch ist auch die glänzende Oberfläche, die sehr empfänglich für Gummiabdrücke ist. Solche beeinträchtigen bei älteren Stücken bis in die Frühzeit der Bundesrepublik den Wert einer Marke normalerweise nicht. Völlig makellose und entsprechend attestierte Stücke gehören in die Kategorie „Luxus“ und sind als Ausnahme-Erhaltung anzusehen. Deutliche und ins Auge fallende Fingerabdrücke sind aber eine Qualitätsminderung und können bei entsprechender Ausprägung dazu führen, dass eine Marke der Kategorie „ungebraucht mit Falz“ zugeordnet werden muss.

Ab 1955
Bedingt durch die perfektionierte Herstellung und immer bessere Aufbewahrungsmöglichkeiten sind hier entsprechend hohe Anforderungen zu stellen. Postfrisch sollte hier Voraussetzung sein und Fingerabdrücke oder Ähnliches ein No-Go.

Ab 1980
Das Gleiche gilt sinngemäß auch für die modernen Industriegummierungen, die sich im Erscheinungsbild aber teilweise stark unterscheiden. Sie können glänzend, seidig, matt, sogar teilweise nahezu unsichtbar sein.

 

Die „klassischen“ Qualitätskategorien

Im Briefmarkenhandel vergangener Zeiten haben sich gewisse Bezeichnungen für die unterschiedlichen Qualitätskategorien etabliert, die auch heute noch oft gebraucht werden und zu hören sind. Es ist anzumerken, dass diese Begriffe nicht standardisiert sind. Dadurch ergeben sich je nach Anbieter gewisse Unterschiede im Sprachgebrauch, oder in der Zuordnung bestimmter Stücke zu einer bestimmten Kategorie. Trotzdem ist es nützlich sich damit auseinanderzusetzen. Es gibt nun einmal nicht nur „einwandfrei“ und „kaputt“, sondern noch jede Menge dazwischen, darunter und darüber. Man kann so sein eigenes System der Zuordnung zu den Qualitätskategorien entwickeln und trainieren. So lernt man auch einzuschätzen, wie ein potentieller Anbieter Qualitäten zuordnet und bekommt so eine gute Orientierungsmöglichkeit, um Angebote entsprechend einzuordnen und ihre Preiswürdigkeit zu beurteilen.

Liebhaberstück
Ein absolutes Ausnahme-Exemplar, wie man unter 1000 vielleicht eine findet. Stücke dieser Kategorie verdienen sehr hohe Preisaufschläge. Nicht selten beträgt der Handelswert ein Mehrfaches der Katalognotierung.

Luxus
Perfekt erhaltenes, außergewöhnlich schönes Ausnahme-Exemplar. Stücke dieser Kategorie verdienen hohe bis sehr hohe Preisaufschläge.

Kabinett
Deutlich überdurchschnittliche und besonders schöne Erhaltung, die Preisaufschläge verdient.

Pracht
Handelsüblich gute Durchschnittserhaltung. Diese Qualität ist in der Regel im Sinne der Michelkatalogisierung als vollwertig zu sehen.

Fein, Feinst
Gute und ansprechende Erhaltung mit kleinen, unauffälligen und nicht störenden Fehlern, oder geringen Verbesserungen. Stücke dieser Kategorie werden mit ca. 40-50 % Abschlag auf den Normalpreis gehandelt.

Mängel, kleine Mängel
Sammelwürdiges Stück in ansprechender Gesamterhaltung, jedoch mit deutlich erkennbaren Fehlern oder stärkeren Reparaturen. Bei Stücken dieser Kategorie wird ein angemessener Handelspreis etwa 75-80 % unter dem Normalpreis gehandelt.

 

Papierqualität

Insgesamt kann man sagen: Je älter ein Stück ist, desto mehr werden kleine Unebenheiten als normal und zeitgegeben akzeptiert. Dies gilt sinngemäß auch für kleine Papierunebenheiten wie geringe Knitter, Eckzahnbüge oder raue Stellen, solange die Papierstruktur intakt ist.
Ganz anders ist das natürlich bei den modernen Marken der letzten 50 bis 60 Jahre. Diese stehen im Zeichen von perfektionierten Herstellungsverfahren, hochwertigsten Industriepapieren und erstklassigen Unterbringungsmöglichkeiten. Hier ist ein entsprechend hoher Qualitätsstandard vorauszusetzen.

Falls Sie die anderen Artikel zur „Qualität von Briefmarken“ noch nicht kennen, holen Sie dies hier nach:
Teil 1: Qualität & mögliche Fehler
Teil 2: Zähnungscharakteristikaverschiedener Zeitperioden

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