Sie lesen hier einen Gastartikel von „Horst von Zachen“, welcher an uns gesandt wurde. Wir haben ihn ungekürzt veröffentlicht.

Briefmarken sammeln als Breitensport

Die Jungen hatten ein Briefmarkenalbum. Die Mädels hatten ein Poesiealbum. So war in meiner Schülerzeit die Interessenslage verteilt. Damals sammelte so ziemlich jeder meiner Klassenkameraden Briefmarken, oder machte Sport. Aber die meisten sammelten Briefmarken. In den Pausen wurde getauscht. Briefmarken sammeln war das normalste Hobby der Welt in meiner Schulzeit. So wie heute vielleicht Konsolenspiele oder Komasaufen. Nur eben mental förderlicher als die beiden letztgenannten „Freizeitbeschäftigungen“.

Sicherlich schlief das Hobby bei den Jugendlichen mit Eintritt der Pubertät ein. So auch bei mir. Aber bei vielen blieb das Briefmarkensammeln ein lebenslanges Interessengebiet. In meiner Jugendzeit waren auch viele Erwachsene Philatelisten. Es ist also sicherlich keine Einbildung zu meinen, dass das Hobby Philatelie in der letzten Generation weiter verbreitet war, vor allem als bei den jungen Leuten von heute.

Werden denn keine Briefmarken mehr gesammelt?

Doch. Die Philatelisten von heute stellen eine Auslese – eine Elite – der Briefmarkensammler dar. Dies kann man ohne Übertreibung so bezeichnen. Nur die „ganz Standhaften“ und hochmotivierten Sammler sind ihrem Hobby treu geblieben. Darwin würde etwas von „natürlicher Auslese“ sagen. Die Jugend von heute würde sich flapsig mit „…nur die Harten komm in den Garten“ dazu äußern. Ich bitte, die etwas ungewohnte Form der Zitate zu entschuldigen, aber wir wollen doch authentisch bleiben…

Briefmarken sammeln: keine Zukunft?

Naja, ganz so schlimm wird’s schon nicht werden. Es ist nun mal so, dass jedes Hobby seine Zeit hat. Die Philatelie ist immer noch ein Hobby mit Breitenwirkung. Nun war es ja auch so zu den Zeiten, als das Briefmarkensammeln ein „Massensport“ war. Viele Menschen haben eben Briefmarken gesammelt. Auch welche die eigentlich gar kein philatelistisches Interesse hatten. Einfach nur, weil es eine „Modeerscheinung“ seiner Zeit war. Dies hat allerdings den Philateliemarkt etwas verzerrt. Wenn man mal an die Preise denkt. Was man für Bund/Berlin/DDR – Sammlungen noch vor etwa 25-30 Jahren gezahlt hat.

Briefmarken sammeln fördern

Mehr als 970 Briefmarkenvereine gibt es in Deutschland mit Mitgliedern hervorragendster Ausprägung hinsichtlich ihrer Sammelthematiken. Für die Gewinnung junger Leute für die Philatelie ist es unabdingbar, besonders das Medium zu bedienen, das von der „Jugend von heute“ am meisten frequentiert wird. Das Internet. Leider haben viele Briefmarkenvereine mit philatelistisch qualifizierten Briefmarkensammlern bis heute nicht einmal eine E-Mail-Adresse. Geschweige denn, eine eigene Webseite.

Briefmarken sammeln und Internet: ein Widerspruch?

Ich kann mir gut vorstellen, dass dem klassischen Briefmarkensammler Email und Webseiten suspekt sind. Gräbt doch die briefmarkenlose elektronische Post den Briefmarken vermeintlich „das Wasser ab“. Viele Philatelisten, und da spreche ich aus Erfahrung, halten die Verbreitung der elektronischen Massenmedien für den Grund des Niedergangs ihres Hobbys. Dies ist schon aus zwei Gründen nicht korrekt: das Hobby Briefmarkensammeln erlebt keinen Niedergang und: die Verweigerungshaltung vieler (nicht aller) Philatelisten gegenüber dem Internet erschwert der Philatelie das Wachstum.

Wenn man sich im Internet etwas umschaut, wird man feststellen, dass es sehr wohl viele an der Philatelie interessierte Zeitgenossen gibt. Jedoch werden die Google-Suchergebnisse von den kommerziellen Webseiten dominiert. Da die Betreiber dieser den Trend der Zeit erkannt haben und auf den Zug aufgesprungen sind. Die wenigen guten privaten Sammlerseiten sind in der Regel nicht auf den vorderen Rängen der Suchmaschinen-Ergebnisse, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Briefmarken sammeln fördern: was tun?

Mut beweisen und das Internet benutzen. Fast jeder „Kegelclub“ hat heute eine eigene Webseite. Oder ist zumindest per Email zu erreichen. Sicherlich stößt „das neumodische Zeugs“, wie ein Sammlerkollege einmal sagte, auf wenig Gegenliebe. „Briefmarken sammeln geht auch ohne Internet“, das mag sein. Diese Form von technischen Fortschritt braucht die Philatelie nicht. Wirklich?

War denn nicht auch einmal die Briefmarke ein technischer Fortschritt? Wie ist Ihre Meinung dazu?

Sie haben hier einen Gastartikel von „Horst von Zachen“ gelesen. 

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