Briefmarken: das Zahlungsmittel für Post und Briefe

Ebenso wie Geldscheine sind Briefmarken Hoheitszeichen eines Staates oder einer Verwaltungseinheit mit finanziellem Wert und sind somit fälschungsgefährdet. Aus diesem Grund wurde bei Postwertzeichen – ähnlich zu Banknoten – das Wasserzeichenpapier verwendet. Früher kam das Wasserzeichenpapier allerdings häufiger zum Einsatz als heute. Damals wurden Briefmarken tatsächlich für die Freimachung von Postsendungen hergestellt und nicht wie heute, wo ein sehr großer Teil der Briefmarkenausgaben für den Verkauf an den zahlenden Briefmarkensammler hergestellt werden. Heute wird in Masse produziert. Man achtet verstärkt auf Kosteneinsparung und da bleibt das Wasserzeichen auf der Strecke. Auch, weil es inzwischen neuere Methoden zur Fälschungsbekämpfung gibt, wie z.B die Verwendung von fluoreszierendem Papier. Dieses ist billiger als die Verwendung von Wasserzeichenpapier.

Das Wasserzeichen ist bedeutend älter als die Briefmarke. Schon im Mittelalter wurde in handgeschöpfte Papiere Wasserzeichen „eingewebt“, lange ein verlässliches Zeichen für die Echtheit von Dokumenten. Allein die Papierherstellung war in früheren Zeiten äußerst aufwendig. Die Herstellung von Wasserzeichenpapier potenzierte die Kosten und so stellten Wasserzeichen für Fälscher meist ein unüberwindliches Hindernis bei der Umsetzung ihrer kriminellen Ziele dar.

Was ist ein Wasserzeichen?

Im Prinzip nur dünne Stellen im Papier. Diese sind in der Regel nur geringfügig dünner als der Rest des Papieres und somit oft nicht leicht zur erkennen.

Für die Herstellung von Wasserzeichenpapier für Briefmarken gibt es grundsätzlich zwei Methoden.
Bei der meist gebräuchlichen Methode fließt der Papierbrei durch ein Sieb, auf welches die Wasserzeichenform aufgelötet ist. An den Stellen, wo der Papierbrei die Wasserzeichenform passiert hat, ist das Papier dünner als beim restlichen Papier. Dies ist die älteste Methode.
Eine etwas neuere Herstellungsmethode für Wasserzeichenpapier ist das Aufprägen des Wasserzeichens mittels einer Walze. Diese Methode wird auch Egoutteur genannt, auf welcher sich erhöht die Wasserzeichenform befindet.

In beiden Fällen entsteht das Wasserzeichen durch Vertiefung des Papiers und wird daher „negatives Wasserzeichen“ genannt. Das Gegenstück dazu (also „positive Wasserzeichen“) entsteht durch Vertiefungen in der Walze. In diesem Falle sind die Wasserzeichen im Papier die erhabenen Bereiche.

Das negative Wasserzeichen wird bei der Briefmarkenherstellung mit Abstand am häufigsten verwendet.

Wie immer, gibt es auch hier Ausnahmen. Einige Ausgaben Norwegens, Finnlands, Russlands und Rumäniens tragen positive Wasserzeichen.

Seit wann werden Wasserzeichen bei Briefmarken verwendet?

Schon seit der Herstellung der ersten Briefmarke, der „One Penny Black“ aus England 1840. Die erste Briefmarke der Welt hatte zum Schutz vor Fälschungen eine kleine Krone als Wasserzeichen.

Die Verwendung von Wasserzeichen blieb bis ca. der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein fester Standard bei der Herstellung von Briefmarken. Wie oben bereits erwähnt, wurde es zum großen Teil durch andere Maßnahmen zum Schutz vor Fälschungen ersetzt.

Wasserzeichen in der Philatelie

Für den Briefmarkensammler sind Wasserzeichen oft ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal verschiedener Ausgaben von Briefmarken. Manche lassen sich eben nur durch das Wasserzeichen bzw. deren Unterschiede in der Stellung oder seines Vorhandensein an sich unterscheiden.

Hinzu kommt, dass einige Spezialsammler Abarten von Briefmarken nach der Stellung des Wasserzeichens im Markenpapier unterscheiden. Daher die Begriffe wie „liegendes Wasserzeichen“ oder „stehendes Wasserzeichen“.

Wasserzeichen Tschechoslowakei

Beispiel: die Briefmarkenausgaben der Tschechoslowakei 1923-1927, bei welcher sich acht verschiedene Wasserzeichenstellungen beobachten lassen.

Nicht zu vergessen ist, dass  insbesondere bei klassischen Briefmarkenausgaben das Wasserzeichen als ein Echtheitsindiz für Briefmarken dient.

 

Wasserzeichen Formen und Arten

Bei Briefmarken existiert eine unüberschaubare Anzahl von Wasserzeichenformen. Eine unverzichtbare Hilfe ist hierbei der Briefmarkenkatalog. Grundsätzlich kann man Wasserzeichen nach Formen, Initialen oder Mustern klassifizieren. Dies wird in der Literatur mehr oder weniger systematisch umgesetzt. Bei der Herstellung von Briefmarken unterscheidet man jedoch zwei Arten von Wasserzeichen.

Das „einfache Wasserzeichen“

Hier erhält jede Briefmarke im Bogen ihr „Bildchen“. Eine Abart hierbei ist ein „kopfstehendes Wasserzeichen“.

Das Bogenwasserzeichen

Hier bekommt der gesamte Bogen ein einziges Wasserzeichen oder aber es werden sich wiederholende Muster aufgebracht. Diese Art der Wasserzeichenverwendung ist für Philatelisten besonders interessant, da sich Kombinationsmöglichkeiten und verschiedenene Stellungen bei Wasserzeichen – im Bezug zum Markenbild –  ergeben können. Bei einigen Briefmarkenausgaben mit Bogenwasserzeichen lässt sich so die Position der Briefmarke im Bogen ermitteln. Ein Beispiel sind die Briefmarkenausgaben des deutschen Abstimmungsgebietes Marienwerder. Bei den Ausgaben von 1920 wurde für den kompletten Bogen ein großes Wasserzeichen verwendet, so lässt sich problemlos feststellen im welchem Bogenfeld sich die Marke befand. Briefmarken mit bestimmten Wasserzeichenanteilen, ergo bestimmten Positionen im Bogen,  erzielen im Wert teils erhebliche Aufschläge. Diese Aufschläge können mehrere hundert Prozent betragen. Es gibt spezialisierte Philatelisten, welche Briefmarken anhand des Wasserzeichenteils bestimmen. Aber auch nach ihrer Position im Bogen sammeln und so komplette Briefmarkenbögen rekonstruieren.

Weiteres schönes Beispiel, wie Wasserzeichen oder die Position von Wasserzeichen den Wert von Briefmarken beeinflussen oder erhöhen können, liefern uns die ersten Briefmarkenausgaben Österreichs:

Druckbogen der ersten Briefmarken Österreichs
Wasserzeichen-Position im Druckbogen bei den ersten Briefmarken Österreichs

Bei diesen wurden sich wiederholende Bogenwasserzeichen verwendet. Zuerst, also ab 1850 auf handgeschöpften Papier und später ab 1854 auf Maschinenpapier. Ein Druckbogen mit diesen Briefmarken bestand aus vier Schalterbögen mit Zwischenstegen. Das Wasserzeichen „K. K. H. M.“ – „Königlich Kaiserliches Handelsministerium “ in geschwungener Schreibschrift befand sich zum größten Teil auf den Zwischenräumen der Schalterbögen. Nur die Ränder der Marken wurden so von den Buchstaben berührt. Briefmarken mit größerem Buchstabenanteil erzielen im Wert Aufschläge bis zu 400%.

Erkennung und Bestimmung von Wasserzeichen bei Briefmarken

Eines vorweg: In allen uns bekannten Briefmarkenkatalogen werden Wasserzeichen so dargestellt, als würde man von vorne, also vom Markenbild aus, auf das Wasserzeichen sehen. Diese Tatsache führte und führt noch heute oft zur Fehlbestimmung der Katalognummer bei Briefmarken.

Dafür gibt es nur eine uns bekannte Ausnahme: die tschechoslowakischen Wasserzeichen „Lindenblätter“. Diese werden in den Katalogen so dargestellt, wie sie von der Rückseite aus zu sehen sind.

Zur Erkennung und Bestimmung von Briefmarken-Wasserzeichen gibt es verschiedene Methoden:

Die einfachste Art und Weise, bei einer Briefmarken ein Wasserzeichen zu erkennen, ist es, die Briefmarke etwas schräg gegen eine Lichtquelle zu halten. In vielen Fällen genügt dies schon, doch nicht in allen. Bei manchen Briefmarken ist das Wasserzeichen so nicht zu erkennen, wie zum Beispiel bei satiniertem Papier.

Ebenfalls erfolgsversprechend ist, die Briefmarke mit der Vorderseite auf einen schwarzen Untergrund zu legen. Auch so kann man schon in sehr vielen Fällen das Wasserzeichen erkennen, dieses tritt oft dunkel hervor. Viele Philatelisten entwickeln mit der Zeit eine besondere Sensibilität bei der Erkennung von Wasserzeichen nach diesen beiden einfachen Methoden. Übung macht eben den Meister.

Aber was, wenn diese Methoden versagen?

Der „Wasserzeichensucher“

Ein althergebrachtes Hilfsmittel zur Wasserzeichenerkennung bei Briefmarken ist der sogenannte „Wasserzeichensucher“. Eine Schale aus schwarzem Glas oder Keramik und in diese wird die Briefmarke mit der Rückseite zuoberst gelegt. Auf die Markenrückseite wird dann reines (!) Benzin getröpfelt. Kurz darauf tritt dann das Wasserzeichen hervor und verschwindet wenige Sekunden später wieder, sobald das Benzin verdampft. Diese Methode zur Wasserzeichenbestimmung bei Briefmarken ist die ursprünglichste Vorgehensweise überhaupt und schon seit Anfang des 20. Jahrhundert bekannt. Neben dem Wasserzeichen kann man so auch andere Beschädigungen wie Risse oder dünne Stellen und sogar Reparaturen erkennen. Für die meisten Briefmarken ist die Wasserzeichenbestimmung mit reinem Benzin ohne schädliche Auswirkungen, da reines Benzin rückstandslos verdampft.

Briefmarken Wasserzeichen, Vorher - Nacher - Vergleich
Vorher-Nachher Vergleich einer Briefmarke im Benzinbad

Doch Achtung! Einige wenige Briefmarken „vertragen“ die Behandlung mit Benzin nicht. Die richtige Auskunft gibt hier wieder der Briefmarkenkatalog. Was machen wir mit solchen Marken?

Geräte zur Erkennung von Wasserzeichen

Wenn alle bisher genannten Methoden versagen oder wegen der Empfindlichkeit der Briefmarken nicht anwendbar sind, gibt es inzwischen hervorragende Geräte zur Erkennung von Wasserzeichen auf opto-elektrischem Wege. Hierbei wird die zu prüfende Briefmarke in ein Gerät in etwa der vierfachen Größe eines Taschentuchpäckchens gelegt. Durch das Sichtfenster oben sind dann sofort und in hervorragender Qualität das Wasserzeichen und eventuelle Beschädigungen oder Reparaturen zu erkennen. Dies geschieht vollkommen ohne Gefahr für die Marke. Solche Geräte gibt es bei den Herstellern von Zubehör in verschiedenen Größen (und Preislagen). Eine Bestimmung von Wasserzeichen von Blöcken und Bogenteilen wird somit oft ebenso möglich.

Ein weiteres Gerät zur Wasserzeichenbestimmung sieht aus wie ein dickes Lineal mit seitlichem Schlitz und hat ein Sichtfenster oben. In den Schlitz wird die zu prüfende Marke oder Briefstück eingeführt, das Wasserzeichen ist durch das Sichtfenster zu Erkennen. Auch diese Methode ist für das Markenmaterial vollkommen ungefährlich. Dieses Gerät eignet sich aufgrund seiner Bauweise besonders gut zur Bestimmung von Wasserzeichen bei großformatigerem Material.

Zugegeben, solche Geräte sind nicht ganz billig, aber Ihre Briefmarken sind es auch nicht. Die Bestimmung von Wasserzeichen mit den beiden letztgenannten Geräten ist zweifelsfrei gefahrenloser und treffsicherer. Daher ist für jeden Briefmarkensammler die Anschaffung eines solchen Gerätes eine ernstgemeinte Empfehlung.

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