Die erste Briefmarke der Welt sieht unspektakulär aus. Sie entstand in Großbritannien am 1. Mai 1840 und wurde unter dem Namen „One Penny Black“ oder „Penny Black“ weltberühmt. „One Penny“ entsprach hierbei dem Nominalwert der Marke und sie wurde in schwarzer Farbe gedruckt. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Ausflug in die Zeit vor den Briefmarken

Stellen Sie sich einmal vor: Das mit den Postgebühren würde heute so gehandhabt werden, wie bis kurz vor der Einführung der ersten Briefmarke. Sie würden mit Werbebriefen zugeschüttet werden und müssten dafür auch noch bezahlen!

Tatsächlich war es so, dass nicht der Absender das Briefporto zu entrichten hatte, sondern der Empfänger!
Hinzu kommt noch das durch die fehlende Einheit der Postgebühren bedingte Chaos. Überliefert ist, dass auch manchmal die Postboten etwas die Übersicht verloren. Das heißt, nicht nur dass Sie für die Briefe, die Ihnen jemand schickt bezahlen sollen, sondern Sie müssen mit dem Postboten auch noch feilschen. Und der Postbote will Bargeld, sofort! Das war allerdings schon damals nicht praktikabel und deshalb ist es anders gekommen.

Die Einleitung der Post-Revolution

Ursprünglich hatte Sir Rowland Hill (1795-1879) ein britischer Postreformator, die Vorstellung, dass Sendungen in besonderen Umschlägen aufgegeben werden sollten. Diese sollten einen Wertstempeleindruck haben, also so etwas ähnliches wie Ganzsachen Umschläge. Mit der Umsetzung dieser Innovation war William Mulready betraut, welcher die nach ihm benannten Umschläge initiierte. Diese konnten sich allerdings nicht durchsetzten und so sind die wenigen noch vorhandenen Exemplare gesuchte Raritäten. Sie werden nur alle paar Jahre auf Auktionen angeboten.

Sir Rowland Hill
Sir Rowland Hill, der Mann der die Post grundlegend reformierte

Im Jahre 1837 schlug James Chalmers (seines ZeRichens sowohl Buchhändler als auch Buchdrucker) dem Rowland Hill die Verwendung aufklebbarer Gebührenzettel vor, welche den Wert des Portos symbolisieren sollten. Genau diesen Vorschlag brachte Sir Hill dann später in die Postreform ein.

Verständlicherweise hatte damals niemand die blasseste Vorstellung, wie diese Postwertzeichen aussehen sollten, denn so etwas gab es bis dato nicht. Deshalb schrieb das britische Finanzministerium 1839 einen mit Einhundert Pfund dotierten Wettbewerb für einen Briefmarkenentwurf aus. Sir Rowland Hill war die Sache mit dem Entwurf für die erste Briefmarke der Welt sehr wichtig, sodass er die Ausschreibung höchstpersönlich beaufsichtigte.

Volle 2600 Entwürfe für gingen für die erste Briefmarke der Welt ein. Hundert Pfund waren eben eine „Menge Holz“ und vom Prestige einmal ganz abgesehen!

Allerdings genügten die eingereichten Entwürfe seiner Vorstellung nicht, deshalb konnte er sich letztendlich nur für einen entscheiden: für seinen eigenen.

Als Vorlage diente Sir Rowland Hill eine Gedenkmedaille mit dem Portrait der Königin Victoria von William Wyon. Mit Wasserfarben malte er davon zwei einfache Entwürfe, welche dann später von Charles und Frederic Heat auf eine Druckplatte gestochen wurde.

„One Penny Black“ kommt in den Druck

Gedruckt wurden die ersten Briefmarken der Welt von der Firma Perkins, Bacon & Co. und zwar in zwei Wertstufen: Ein Penny schwarz, die sogenannte „Black Penny“. Und zwei Pence blau. Die Marken kamen offiziell am 6. Mai 1840 am Schalter zum Verkauf. Erwähnenswert ist jedoch, dass auch echt gelaufene Belege vom 2. Mai 1840 bekannt sind.

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass in Österreich schon 1836 vom Slowenen Kosir der Vorschlag gemacht wurde, aufklebbare Gebührenzettelchen zu verwenden. Dieser Vorschlag wurde jedoch von der österreichischen Regierung abgelehnt. So brachte Österreich erst zehn Jahre nach England, 1850, seine erste Briefmarke heraus.

Und nun kommt wieder die Frage nach dem Wert…

Anders als man vermuten sollte, sind die Preise für die Black Penny im Verhältnis zu ihrer Popularität recht „augenfreundlich“. Dies liegt einfach daran, dass wegen des äußerst großen Bedarfes an Briefmarken im Königreich dem entsprechend viele Marken gedruckt wurden. Schätzungsweise kamen in etwa 68.808.000 Marken heraus. Von einer Philatelistischer Rarität kann man bei dieser Auflage nicht sprechen.

In den Katalogen schlägt die Black Penny mit ca. 200 € je nach Katalog mit leichten Differenzen nach oben und nach unten zu Buche. Das heißt, man kann die erste Briefmarke der Welt schon für unter 100 € im Handel erstehen. Die Erhaltung der sehr alten Marken ist zeitgemäß natürlich sehr unterschiedlich. Dies gilt es beim Preis zu berücksichtigen.

WICHTIG: Nur geprüfte Marken kaufen!
Wie bei allen wertvollen oder berühmten Briefmarken ist eine Unzahl von Fälschungen unterwegs!

Die Fakten zur ersten Briefmarke der Welt:

Synonym: „Black Penny“, auch „Penny Black“ oder „One Penny Black”
Erstausgabetag: 6. Mai 1840
Erstverwendung: 2. Mai 1840
Oberer Rand: das Wort „POSTAGE“
Unterer Rand: der Nominalwert „ONE PENNY“
Auflage: 68.808.000 Marken
Trennungsart: geschnitten
Entwurf: Sir Rowland Hill nach William Wyon
Druck: Firma Perkins, Bacon & Co.
Gedruckt in 240er Bögen als Stichtiefdruck, schwarz

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