Die „Guiana One Cent“

Mit einem Versteigerungsergebnis von 9,5 Millionen US-Dollar (ca. 7 Millionen Euro) ist die „Britisch Guiana One Cent“ die teuerste Briefmarke der Welt geworden. Ein unbekannter Käufer ersteigerte sie am 17. Juni 2014 per telefonischem Gebot. Die Anwesenden applaudierten, als der Auktionator David Redden das Ergebnis verkündete. Allerdings erfüllte dieses nicht ganz die Erwartungen des Auktionshaus Sotheby’s. Das Haus hatte einen Versteigerungserlös von bis zu 20 Millionen US-Dollar erwartet.

Um den Titel „teuerste Briefmarke der Welt“ streitet sich die Marke traditionell mit der schwedischen „Tre Skilling Banco„. Diese wurde 1996 für 2,86 Mio Franken (ca. 2,45 Mio Euro) verkauft.

Der Schein trügt

Wenn man diesen schmuddeligen lila Zettel mit abgeschnittenen Ecken sieht, welcher so gar keine Ähnlichkeit mit einem Postwertzeichen hat, würde man nie auf den Gedanken kommen, dass man hier die mit Abstand teuerste Briefmarke der Welt vor sich hat: die sogenannte „British Guiana one Cent“ von 1856. Heute teurer als die Blaue Mauritius und die Rote zusammen. Es gibt nur eine davon, bei der die Echtheit halbwegs sicher bewiesen ist.

Die Geschichte der British Guiana Briefmarke

Die Kolonie British Guiana gab schon seit 1850 Briefmarken heraus. Irgendwann sechs Jahre später geschah es „plötzlich“. Die Briefmarken waren aufgebraucht und das Schiff aus London war mit Nachschub noch fern. So wurden die Herausgeber des Lokalblattes von Georgetown (Official Gazette) mit dem Druck von einer Notausgabe beauftragt. Die Herren Joseph Baum und William Dallas sollten dabei Sorge tragen, dass die Briefmarken der Notausgabe den regulären möglichst ähnlich sehen. Dies umzusetzen war für eine Zeitungsdruckerei gar nicht so einfach, also bediente man sich einfach des Druckstockes mit der Schiffsabbildung. Diese ist normalerweise für die Spalte der Schiffsnachrichten der „Official Gazette“ verwendet worden.

Das Land Guiana auf der Landkarte
Das Land Guiana in Südamerika

Die Schriftzüge wurden aus einfachen Zeitungslettern gesetzt, auch das Zitat von Horaz „Damus petimusque vicissim“ – „Wir geben und verlangen Gegenleistung“. Das Ganze wurde auf karminrotes, später dann auf blaues Papier gedruckt. Da die Primitivität der Drucke nicht zu überbieten war, erhielt jede Marke das Signum eines der vier Postbeamten, so wollte man Fälschungen (zum Schaden der Post) verhindern.

Nicht ein erhalten gebliebener Beleg ist bekannt, dies liegt wahrscheinlich daran, dass die 1 Cent-Marke für die Freimachung von Zeitungssendungen verwendet wurde, offensichtlich hob niemand die alten Zeitungen auf.

Daraus ergibt sich allerdings ein Rätsel: Der schottische Schüler Vernon Vaughan, welcher 1973 das einzig erhaltene Exemplar der Briefmarke gefunden hatte, behauptete dieses von einem Brief abgeweicht zu haben. Nun war aber 1 Cent Porto viel zu wenig für eine Briefsendung dort und damals gewesen, 4 Cent waren mindestens nötig…das Rätsel wird sich wohl nicht mehr klären lassen.

Aber es gibt noch eine Kleinigkeit

Einerseits tauchen immer wieder angeblich weitere Exemplare der „Guiana One Cent“ auf. Anderereits jedoch ist bei keiner dieser Stücke die wirklich einhundertprozentige Echtheit bewiesen worden. So nahm 1999 Peter Winter, ein für Fälschungen bekannter „Sammler“ für sich in Anspruch, im Besitz einer weiteren „Guiana One Cent“ zu sein. Dieses Exemplar wurde jedoch von zwei europäischen Experten (Rolf Roeder und David Feldman) als echt attestiert. Die englische Briefmarkensammlervereinigung „Royal Philatelic Society London“ hält sie für eine manipulierte Vier-Cent-Marke.

Die Guiana 4 Cent Briefmarke
Die 4 Cent Briefmarke

Wolfgang Jakubek, ein anerkannter Experte der Philatelie, hält beide Marken für Machwerke, O-Ton:

„Ich kenne beide dieser Marken. Beide sind für mich das ‚Turiner Grabtuch‘ der Philatelie. Dieser Ordnung halber ist aber klar festzustellen: Das Wort FALSCH ist in Zusammenhang mit diesen Marken nicht zu gebrauchen. Warum? Eine Fälschung setzt stets ein Original voraus! Es lässt sich nichts fälschen, was als Original gar nicht existiert. Schon vor 120 Jahren heißt es in Meyers Konversationslexikon: Eine Fälschung ist eine zu betrügerischen Zwecken vorgenommene Kopie eines Originals. Merke: Wo kein Original ist auch keine Fälschung!“

Sei’s drum.

Die Fakten zur Marke „Britisch Guiana One Cent“:

Ersttag: 1856, genaueres nicht bekannt
Gültig bis: das weiß niemand
Auflagen: auch nicht bekannt
Entwurf: William Dallas und Joseph Baum
Trennung: geschnitten
Druck: Hochdruck auf farbigem Papier
Echtheit: nicht vollständig bewiesen

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3 KOMMENTARE

  1. […] Nicht nur die berühmte violette achteckige Briefmarke mit den Schiff und der Unterschrift eines Postbeamten kommt aus British Guyana. Sondern auch eine Briefmarkenserie, deren Primitivität in ihrer Ausführung wohl nicht zu überbieten ist. Gemeint sind die runden Cottonreels aus British-Guyana. Diese heißen so, weil sie eine starke Ähnlichkeit mit den runden Etiketten haben. Diese findet man an den Enden von Garnrollen. Eben wegen ihrer primitiven Herstellung sind auch diese Briefmarken zum Schutz vor Fälschungen mit den Signaturen von Postbeamten versehen. Hergestellt wurden die runden Briefmarken, von der örtlichen Zeitungsdruckerei. Dazu ist zu sagen eigentlich ist ja nur das Markenbild rund war. Ebenso wie die berühmte 1-Cent-Marke. […]

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