Die berühmte Sachsen drei Pfennige rot – Der Sachsendreier

Zu den mit Sicherheit bekanntesten und populärsten Briefmarken gehört der „Sachsendreier“. Der Wert drei Pfennige in rot wurde am 29. Juni 1850 in Sachsen ausgegeben. Der „Schwarze Einser“ diente dem Sachsen Dreier als Vorlage. Dies wäre vielleicht gar nicht aufgefallen, aber mangels Masse an möglichen Vorlagen ist die Design-Verwandtschaft nicht zu übersehen.

Eigentlich war die Ausgabe dieser Marke so gar nicht vorgesehen, denn die eigentliche „Nummer Eins“ sollte ursprünglich die Marke sein, die heute als Katalognummer 2 in den Briefmarkenkatalogen steht. Die Herstellung derselben verzögerte sich allerdings sehr stark. So sehr, dass der Sachsendreier, ursprünglich als „Aushilfsausgabe“ gedacht, über ein Jahr lang die einzige sächsische Freimarke blieb. Dies war der Fall bis zum 29. Juli 1851.

Ein Gestempelter Sachsen Dreier
Sachsendreier, gebraucht mit Ortsstempel. Links und oben sind noch die Einfassungslinien gut zu sehen.

Vornehmlich war die Marke dazu bestimmt, das Aufkommen an Drucksachen frei zu machen. Daher kommt diese seltene Briefmarke auf Streifband vor. Der Sachsendreier wurde meist halb aufs Streifband, halb auf die Sendung geklebt und so oft in zwei Teile zerrissen. Oftmals wurden die zerrissenen Teile mehr oder weniger professionell wieder zusammengefügt. Solche stark reparierten Stücke werden bis heute gehandelt. Selbstverständlich zu einem viel geringeren Preis als weniger beschädigte Marken. Allerdings ist dies eine Besonderheit, welche nur dem Sachsendreier zusteht. Vollkommen unbeschädigte Exemplare dieser Rarität sind schwer zu finden und äußerst kostspielig. Auf Auktionen können einwandfrei erhaltene Sachsendreier im Preis gut den Katalogwert erreichen und auch übertreffen.

Wie wurde der Sachsendreier eine der populärsten und teuersten Briefmarken Deutschlands?

Seit dem Beginn der Philatelie wurden für den Sachsendreier kuriose Preise gezahlt. Sicher, der Sachsendreier ist eine Rarität, aber es gibt seltenere Marken als ihn. Das Geheimnis ist: der Sachsendreier war von Anfang an unerhört populär. Dazu haben die verschiedensten Geschichten von verloren geglaubten und abenteuerlich wieder gefundenen Exemplaren beigetragen. Jedem Sammler dürfte die vielfach in den unterschiedlichsten Versionen veröffentlichte Geschichte über den Fund eines Originalbogens der Marke bekannt sein. In einer dieser Erzählungen wurde der Bogen auf dem Dachboden eines Bauernhauses (an einer Säule geklebt) gefunden und beim Ablösen so stark beschädigt, dass im Jahre 1875 ein Briefmarkenhändler aus Leipzig gerade einmal 50 Mark für den Fund bezahlen wollte. Der Bogen ging ein Jahr später in den Besitz des Wieners Siegmund Friedl über, der für dafür schon 300 Mark bezahlte. Friedl lies den Bogen restaurieren und verkaufte ihn anschließend an Ferrary. Im April 1922 wurde auf einer Pariser Auktion für den Bogen schon 17.270 Goldmark bezahlt. Kruschel kaufte den Bogen 1959, bei der Auflösung der Sammlung Burrus‘, fünf Jahre später kaufte ihn ein Sammler namens Anderegg für mehr als 200.00 DM. Der letzte und höchste Preis für das Unikat wurde 1999 mit mehr als 900.000 DM erzielt.

Eine ebenfalls erhalten gebliebene größere Einheit ist ein Sechserblock der seltenen Marke. Weiter gibt es noch einen Fünferstreifen und ein Viererblock sowie ein Viererstreifen. Alle diese Stücke befinden sich „festen Händen“ und dürften alle paar Dekaden einmal auf einer namhaften Auktion auftauchen.

Wie oben bereits erwähnt, war die Marke eigentlich als Provisorium gedacht. Die Herstellungsvorlage für den Sachsendreier war ein recht einfacher Holzschnitt, welcher mit Hilfe der Stereotypie vervielfältigt wurde, es wurden von der Vorlage Gipsabdrücke genommen und mit Schriftmetall ausgegossen. Für den Druck eines kompletten Bogens wurden zwanzig solcher Abgüsse benötigt.

Nach etwa 20.000 – 25.000 Drucken war eine solche Druckform erschöpft und musste durch eine neue ersetzt werden. Die dadurch in recht großer Zahl entstandenen Druckeigenheiten sind durch die Seltenheit der Marke schlecht rekonstruierbar.

Zwischen die einzelnen Druckformen wurden Messingstreifen gesetzt, diese sind an verschiedenen Stellen horizontal oder/und vertikal unterbrochen. Diese Messingstreifen manifestieren sich beim Sachsendreier als Einfassungslinien. Grundsätzlich wird zwischen dem sächsischen Liniensystem, bei welchem die senkrechten Linien durchgehend sind und dem bayrischen Liniensystem, bei dem die waagerechten Linien durchgehend sind, unterschieden.

Besser als an den Einfassungslinien sind die verschiedenen Auflagen jedoch an den Farben zu erkennen. In den Katalogen werden meist drei Rottöne unterschieden (ziegelrot, kirschrot, braunrot, Michel Deutschland Spezial 2019).

Die Marke ist -zumindest bei den deutschen Sammlern- wenigstens genauso legendär wie die Blaue Mauritius. Genau dies macht den hohen Wert des Sachsendreier aus. Ursprünglich sind etwa eine halbe Million dieser Marken gedruckt worden. Restbestände sind von der sächsischen Post nach Außerkurssetzung vernichtet worden, nur einige wenige Stücke wurden für ganze drei Mark an Sammler verkauft. Schätzungsweise existieren heute noch ca 3000-4000 Stück von ihnen. Schätzungen zufolge sind ca. 10% davon nur ungebraucht. Trotzdem kosten gebrauchte und ungebrauchte Marken in etwa gleich viel, und zwar so um die 3500 € bis 6500 €.

Jeder kann sich die Frage stellen, ob der Sachsendreier im Preis überbewertet ist oder das Vorhandensein eines reparierten (aber echten) Stückes in der Sammlung ein Makel wäre.

Fälschungen

Es versteht sich fast von selbst, dass es vom raren Sachsendreier Unmengen von Fälschungen gibt, manche gut, andere weniger gut gelungen. Die seltene Marke wird bis heute gefälscht. Offensichtlich falsche Sachsendreier werden gerne einmal als „Private Nachdrucke“ angeboten (sind und bleiben aber Fälschungen).

Wie bei allen seltenen und teuren Briefmarken der Fall, sollte man grundsätzlich auch den Sachsendreier niemals ohne Obligo, also ungeprüft erwerben. „Billige“ Sachsendreier gibt es nicht, diese Marken sind in der Regel nicht echt oder stark repariert. Bei dem hohen Preis, den die seltenen Marken erzielen, sollte man heutzutage auf jeden Fall auf ein Fotoattest bestehen. Marken mit Altprüfung sollten nachgeprüft werden. Viele Sachsendreier sind repariert. Diese Reparaturen kann nur ein Prüfer fachlich genau dokumentieren. Der Grad der Erhaltung, also auch die Stärke der Reparatur(en) sind ausschlaggebend für den Wert.

…und nun nochmal eine nüchterne und traditionell trockene Zusammenfassung zum Sachsendreier:

Bezeichnung für die erste Briefmarke des Königreiches Sachsen vom 29. Juni 1850 zu drei Pfennige. Die Marke ist in etwa quadratisch, karmin- bis zinnoberrot und trägt zentral eine „Drei“ für die Nominale.

Die Marke gehört zu den selteneren Marken des großen Sammelgebietes „Deutsche Staaten“, auch „Altdeutschland“. Ihre Seltenheit ergibt sich aus der Tatsache, dass die Marke üblicherweise auf das Kreuzband der Sendung geklebt und somit beim Öffnen derselben meist zerrissen wurde. Weiterhin sind die übrig gebliebenen Bestände seitens der sächsischen Post nach Außerkraftsetzung der Gültigkeit der Marke vernichtet worden. Zudem verdankt der Sachsen Dreier seine Popularität vielen abenteuerlichen Geschichten über seine Existenz, Auffindungen, Schatzsuchen usw.

Schwarzer Einser - Postfrisch
Die Vorlage für den Sachsen Dreier. Die erste Briefmarke Deutschlands – Der „Schwarze Einser“

Einwandfreie Stücke sind sicherlich für viele Sammler unerreichbar. Das Vorhandensein eines reparierten, ausgebesserten Stückes eines Sachsendreier ist bei der Entstehungsgeschichte dieser Marke als Sammlerstück ausnahmsweise nicht zwingend ein Makel für die Sammlung, da es leider eine Vielzahl beschädigter Marken gibt. Ein echter Sachsendreier wird in jeder Sachsen-Sammlung das Prunkstück sein.

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