Die ersten drei Briefmarken Brasiliens

Am 1. August 1843 erschuf die brasilianische Post mit der Herausgabe ihrer ersten Briefmarke eine philatelistische Legende. Die Legende lebt bis heute fort und wird das „brasilianische Ochsenauge“ genannt. Eine Rarität ersten Ranges, unter den berühmten und seltenen Briefmarken der klassischen Philatelie. Brasilien war somit als dritter Staat, der Briefmarken herstellte, in die Liga der modernen Länder aufgestiegen.

Das „Brasilianische Ochsenauge“ ist die Bezeichnung für die drei ersten Briefmarken des südamerikanischen Staates. Gedruckt wurden die Postwertzeichen in drei Wertstufen zu 30, 60 und 90 Réis. Wegen ihres Aussehens wurden und werden die raren Briefmarken als Ochsenaugen bezeichnet. Wie erkennbar, haben sie wegen ihres großen, ovalen Markenbildes eine gewisse Ähnlichkeit mit den Augen von Rindern. Erwähnenswert ist die Besonderheit, dass diese ersten Briefmarken Brasiliens weder eine Landesbezeichnung noch sonst irgendwelchen Text tragen. Sie sind nach der Schweiz die zweite Ziffernserie der Welt.

Für die seltenen Briefmarken werden heute Preise zwischen 200 € und 4000 € gezahlt und zwar je nach Wertstufe und Erhaltung. Wobei der 60 Réis Wert am unteren und die 30 & 90 Réis-Marken am oberen Ende der Preisskala liegen. Diese sind besonders teuer, weil sie extrem selten sind.

Immerhin ist es für Liebhaber legendärer Briefmarken möglich einen kompletten Satz mit den drei Briefmarken im Laufe der Zeit „in Besitz zu bringen“. Hierzu muss man allerdings mit Anschaffungskosten in Höhe eines Kleinwagen kalkulieren. Andere philatelistische Berühmtheiten wie die Blaue Mauritius bleiben „Otto-Normalverbraucher“ meist für immer versagt. Die drei Ochsenaugen können durchaus als Grundstock für eine Brasilien-Klassik-Sammlung dienen. Die nachfolgenden Briefmarkenausgaben Brasiliens, die „Ziegenaugen“ und „Katzenaugen“ sind ähnlich reizvoll wie die ersten Marken.

Die Brasilianischen Ziegenaugen von 1844

Die Brasilianischen Katzenaugen von 1849

Die Marken wurden in Rio de Janeiro im Stichtiefdruck hergestellt. Die Druckstöcke dafür von der „Kaiserlichen Münze“ Brasiliens. Anilin-Schwarz ist die ausschließliche Farbe der Ochsenaugen. Die Briefmarken sind geschnitten, wie alle Marken ihrer Zeit.

Interessant wird es und dies ist bei vielen klassischen Briefmarken so, wie die Druckplatten aussehen, mit welchen die Ochsenaugen gedruckt wurden. Es gibt vier grundsätzlich verschiedenen Plattenvarianten:

  • drei Platten, für jede Wertstufe eine
  • eine Kombiplatte mit allen drei Wertstufen

Rekonstruktion

Die Einzelplatten für die Ochsenaugen gibt es als „große Platten“. Hier sind 60 Marken (6 x 10) auf dem Druckbogen. Sowie „kleine Platten“, bei diesen sind 54 Marken pro Bogen (6 x 9) angeordnet.

Letzterer Bogen ist Folgend aufgebaut.

  • also 3 x 6 Briefmarken 30 Réis
  • Lücke
  • 3 x 6 Briefmarken 60 Réis
  • Lücke
  • 3 x 6 Briefmarken 90 Réis

sind auf den Kombiplatten angeordnet. Zudem gibt es die Kombiplatten in zwei Ausführungen. Eine mit Zwischenstegen zwischen den Wertstufen und eine ohne Zwischenstege zwischen den Ochsenaugen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit zu Zusammendrucken von Ochsenaugen verschiedener Wertstufen, welche bei den Einzelplatten unmöglich sind.

Die Ochsenaugen gehören zu den Weltraritäten, wenn auch nicht zu den teuersten. Auf jeden Fall aber zu den berühmtesten Briefmarken überhaupt. Der Beginn einer Sammlung ist noch machbar, sogar mit einer guten Aussicht auf die Komplettierung einer wertvollen und wertstabilen Briefmarkensammlung.

Zum Abschluss noch eine gestemeplte Kollektion der Ochsenaugen. Wobei gestempelte Ochsenaugen „nur“ ein viertel des Preises der ungebrauchten kosten.

Die Ochsenaugen in Gestempelter Verfassung

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