Seenot im sowjetischen Polarmeer und wie daraus philatelistische Raritäten entstanden: Die Lewanewski-Marke und die Aufdruck-Abarten

Es ist schon eine Weile her. Aber haben Sie schon einmal etwas von der Tscheljuskin-Expedition gehört?

Im Jahr 1933 unternahm die Sowjetunion den Versuch, einen einfach befahrbaren nördlichen Seeweg zwischen Wladiwostok und Murmansk zu finden. Mit einem Dampfer und während nur einer einzigen Schiffsaison. Dies war bislang nicht möglich, denn die massiven und gefährlichen Eisschollen des Polarmeeres machten die Fahrt mit Eisbrechern notwendig. Packeis ist eben eine unangenehme Sache in diesen Breiten.

Lewanewski Marke
Lewanewski Marke

Die Beringstraße zwischen Alaska und Asien

Die Expedition wurde von Professor Otto Juljewitsch Schmidt geleitet. Im August 1933 lief der Dampfer Tscheljuskin aus. Die Fahrt lief erst normal, jedoch steckte im Oktober die Tscheljuskin im Packeis der Beringstraße fest.

Die Schiffsbesatzung arrangierte sich mit der neuen und gefährlichen Situation. Unter Leitung des erfahrenden Professor Schmidt wurde auf einer Scholle ein Notlager errichtet. Der Tatsache bewusst, dass weder die Lebensmittel lange ausreichen würden, noch dass die entsprechende Winterausrüstung vorhanden war.

Die einzige Chance zu überleben war Hilfe aus der Heimat. Glücklicherweise gelang der Besatzung ein erfolgreiches Absetzen eines Funkspruches. Dies war nicht selbstverständlich, eher ein Glück im Unglück.

Rettung der Crew

Die daraufhin anlaufende Rettungsaktion hielt die Welt im Atem. Diese gestaltete sich von Anfang an als äußerst schwierig. Per Schiff war die Crew der Tscheljuskin nicht zu erreichen, weil das Packeis dies verhinderte. Der Landweg war selbstverständlich vollkommen unmöglich. So wurden sieben erfahrene sowjetische Flieger ausgewählt, welche vom fernen Osten aus die Rettungsaktion durchführen sollten. Dies war für die damalige sowjetische Flugtechnik eher ein Himmelfahrtskommando als alles andere. Trotz widriger Umstände gelang die Rettung: Die Mannschaft der Tscheljuskin baute eine Art Notflughafen auf dem Eis und so konnten die Flieger die Besatzung der Tscheljuskin nach und nach in Sicherheit bringen.

Die ganze Rettungsaktion war weit abenteuerlicher als hier geschildert. Viele Filme und Romane beweisen dies. Auf jeden Fall wurden der Kapitän des Eisbrechers, der Leiter der Expedition und die sieben Flieger als „Helden der Sowjetunion“ ausgezeichnet.

Für Philatelisten noch interessanter ist jedoch die Herausgabe einer Briefmarkenserie zu diesem Anlass im Jahre 1935. Die sogenannte „Tscheljuskin-Serie“.

Der Zweite Versuch

Im gleichen Jahre 1935, wurde der Pilot Sigismund Alexandrowitsch Lewanewski ausgewählt um mit dem Flugzeug von Moskau nach San Francisco über den Nordpol zu fliegen. Eine PR-Aktion der Sowjetunion. Um diesen Anlass entsprechend zu würdigen wurden 10.000 Briefmarken des 10-Kopeken-Wertes der Tscheljuskin-Serie mit dem fünfzeiligen Aufdruck:

Flug / Moskau- / San Francisco / über den Nordpol / 1935
und der Wertangabe: 1 Rubel überdruckt.

Die Marken wurden Anfang August 1935 von der sowjetischen Post zur Verwendung auf Sendungen herausgegeben, welche daraufhin von dem Flieger befördert werden sollten.

Schon einen Tag nach dem Start am 3. August 1935 war der Pilot Lewanewski zur Unterbrechung seines Fluges gezwungen, da seine Maschine gefährlich vereiste. Andere Quellen sprechen von einem defekten Öltank. Jedenfalls wurde dieser Flugversuch vollends abgebrochen. Die mit der Lewanewski-Marke versehenen Sendungen erhielten einen blauen Stempel. Dies bedeutet, dass der Flug verlegt wird und außerdem die Sendung mit der normalen Post weiterbefördert wird.

Der bis heute Verschollene Dritte Versuch

Am 12. August 1937 wurde der Versuch wiederholt. Diesmal jedoch mit einer DB-A statt wie beim letzten Versuch einer ANT-25, da Lewanewski dem Konstrukteur Tupolew die Schuld für das Misslingen des Fluges gab. Wieder wurden die schon 1935 überdruckten Briefmarken zur Freimachung der Sendungen verwendet. Also jene die mit dem Flug transportiert werden sollten. Nach etwa 21 Stunden Flugzeit verschwand die Maschine und wurde nie wieder gesehen. Die Gründe dafür sind bis heute unbekannt. Alle Rettungsversuche mit sieben US-amerikanischen und 24 sowjetischen Flugzeugen blieben erfolglos.

Aber was ist aus Philatelistischer Sicht dazu zu sagen

Die meisten der ohnehin schon wenigen Marken sind so verloren gegangen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Briefmarken gesuchte Raritäten der sowjetischen Luftpost sind. Besonders Belege des ersten unterbrochenen Fluges sind äußerst begehrt. Und selbst bei hochrangigen Auktionshäusern nicht alle Tage in deren „Angeboten“ zu finden. Wenn man sie doch findet erzielen sie dort Preise von bis zu 350 €.

Aber die Seltenheit der Lewanewski-Briefmarke wurde noch überboten. Philatelisten stellten bei den schon seltenen Marken einen noch selteneren Aufdruckfehler fest. Bei jeder fünften Marke des 25er Bogen war das „F“ in „San Francisco“ klein statt groß gedruckt. Ein Setzfehler, was die Marke nur noch populärer machte. Für einen Solchen wird bis zu 1400 € gezahlt.

Doch noch nicht genug der Seltenheit

Außerdem stellte man fest, dass offensichtlich maximal zwei Bögen dieser Marke mit kopfstehendem Aufdruck herausgegeben wurden! Dies sind Raritäten der Extraklasse. Nur noch übertroffen von Exemplaren, welche beide Fehler aufwiesen! Rein rechnerisch können maximal zehn dieser Briefmarken existieren. Bis zum Ende der 50er Jahre jedoch wurde kein einziges Exemplar gefunden. Also bei welchem beide Fehler auf einer Marke auftreten. Das daraufhin entdeckte Exemplar mit beiden Fehlern wurde bei einer Auktion in New York für etwa 1000 Dollar verkauft. Eine damals unerhört große Summe für eine Briefmarke. Besonders für eine sowjetische. Die Zweifel über die Existenz von Marken mit beiden Fehlern wurden erst in den 70ern Jahren endgültig ausgeräumt. Ein weiteres Exemplar mit diesem Fehldruck wurde von einem Prager Sammler sowjetischer Marken gefunden.

Die Briefmarke war damals schon populär. So sehr, dass Stalin bei der Jalta-Konferenz im Februar 1945, Roosevelt ein solches Exemplar der Marke mit kopfstehendem Aufdruck als Geschenk zu überreichte. Dieser zeigte sich höchst erfreut.

Erst in neuerer Zeit ist ein weiterer Aufdruckfehler bekannt geworden: Die „gebrochene 5“ bei „1935“ im Aufdruck. Auch diese Marke ist ausgesprochen selten. Dafür zahlt man Liebhaberpreise.

Selbstverständlich sind auch bei dieser Briefmarke Unmengen solcher mit falschem Aufdruck im Umlauf. Mehr, als es Originale gibt. Besonders bei dieser Briefmarke ist es wichtig, nur von seriösen Prüfern als echt beurteilte Marken zu erwerben.

 

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