Immer weniger Briefmarkenläden

Jeder Philatelist der älteren Generation ist mit ihm aufgewachsen: klassischer Briefmarkenladen mit dem älteren Herren und seinen Schätzen und dem typischem Geruch nach altem Papier. Mit all den Schatzkisten und Alben voller philatelistischer Juwelen, wo man gerne stöberte und suchte. Man nutzte jede Gelegenheit zum Besuch und sei es nur für einen Blick ins Schaufenster, wo man als Schüler sein Taschengeld ausgab..

Kaum noch zu finden sind sie, diese alten Briefmarkenläden. Und wenn es mal einen Überlebenden der aus der alten Zeit gibt, hat er oft einen neuen Besitzer. Während der so gar nichts mit dem seriösen Herren aus unserer Erinnerung zu tun hat. Zumal dieser weder vom Erscheinungsbild, Benehmen und Bildung in das klassische Bild passt. Zudem wird oft noch alles andere im Laden als nur Briefmarken verkauft.

Immerhin, einige wenige der klassischen Briefmarkenläden existieren noch. Inklusive Inhaber und Verkäufer die auch noch etwas von Philatelie verstehen.

Ist das Internet der Untergang der klassischen Briefmarkenläden?

Ja und nein. Die Gesellschaft und so auch die Wirtschaft ist im ständigen Wandel. Die Erfindung der beweglichen Druckbuchstaben löste weitgehend die Handschriften ab. Der Supermarkt verdrängte den „Tante-Emma-Laden“. Das Handy änderte die Nutzung des Festnetzanschlusses. Der Wandel ist die Triebfeder jeder Entwicklung und ein Naturgesetz mit universeller Auswirkung.

Wie wird sich die stationäre Philatelie entwickeln?

Sicherlich wird es in Zukunft die Menge der klassischen Briefmarkenläden nicht mehr geben, doch gänzlich verschwinden werden sie nicht. Der Verbraucher wählt für sich immer das, was für ihn am vorteilhaftesten ist. Und dies ist die möglichst globale Vergleichsmöglichkeit bei gesuchten Stücken. Insbesondere weil die meisten philatelistischen Sammelgegenstände einzigartig sind und weil dadurch von den konservativen Einzelhändlern beschriebene „Marktverzerrung“ durch den Onlinehandel genau das Gegenteil ist. Eine Marktentzerrung. Warum? Weil zu Zeiten der Blüte der Briefmarkenläden für den Sammler eine realistisches vergleichen von Mitbewerberangeboten äußerst schwierig oder sogar unmöglich war.

Es entwickelt sich nicht alles zum Schlechten

Beispiel: Wenn ein Philatelist für die Komplettierung seiner Sammlung ein bestimmtes Stück suchte, ging er zu seinem örtlichen Briefmarkenhändler. Vielleicht auch zu einem zweiten, zumindest wenn es diesen im Einzugsbereich gab. Entweder hatte der Händler das gesuchte Stück nun, oder nicht. Wenn ja, konnte sich der Sammler entscheiden den Preis zu akzeptieren, oder es zu lassen. In der Regel waren die Sammler tendenziell geneigt den veranschlagten Preis zu akzeptieren, da es eben um Sammlerstücke ging. Ebenso passten die Briefmarkenhändler ihre Preise oft weit nach oben an.

Die auch damals schon existierenden Briefmarken-Versandhändler waren kaum ein ernstzunehmendes Gegengewicht. Doch hatten diese einen wesentlichen Nachteil: der Sammler konnte nicht sehen, was er kaufen sollte. Also boten die Versandhändler ihre Marken, Sätze und Sammlungen in der Regel per unbebilderter Listen in Philatelie-Fachzeitschriften an. Zudem waren seiner Zeit die Zahlungswege nicht so schnell und einfach wie heute.

Unser Philatelist konnte natürlich nicht wissen, ob vielleicht ein Händler in der Stadt „nebenan“ ein ähnliches Stück im Lager hatte, welches er einfach nicht los wurde und somit viel günstiger abgegeben hätte…

Durch genau diese Briefmarken-Einzelhandels-Konstellation erreichten die Preise für Briefmarken ein unnatürlich hohes Niveau. Allein durch die fehlenden Vergleichsmöglichkeiten des Briefmarken sammelnden Verbrauchers mit der Konkurrenz. Fakt ist, dass die Briefmarken-Einzelhändler weitgehend ihre Preise gestalten konnten wie sie wollten. Wenn es eine „Briefmarken-Blase“ geben würde, war dies genau so eine.

Also: Die Preise für Briefmarken sind heute nicht besonders niedrig, sondern waren vormals besonders hoch?

Wenn man alle Faktoren abwägt und die Situation objektiv beurteilt, drängt sich diese Sichtweise auf. Die „Blindheit“ der Sammler, machte eine „händlerfreundliche Preisgestaltung“ möglich. Da sich in der Bewertung von Sammelgegenständen keine Basis finden lässt. Diese Frage ist aber schließlich kaum allgemeingültig zu beantworten. Die Preise haben sich der Situation des Marktes angepasst und dies freut im Moment die Sammler.

Es hat auch im Briefmarkenhandel eine „Globalisierung des Marktes“ stattgefunden. Dies ist in erster Betrachtung ein Vorteil gerade für Briefmarkensammler, weil besonders beim Erwerb philatelistischer Gegenstände aufgrund ihrer Individualität eine möglichst breite Vergleichsmöglichkeit vorteilhaft ist. Anders als ein Buch oder eine CD sich in seiner Qualität in verschiedenen Geschäften nicht unterscheidet, sind philatelistische Sammlerstücke weitesgehend einmalig. Hier macht es schon einen gravierenden Unterschied, welches Verkaufsangebot wahrgenommen wird. Deshalb sind  Vergleichsmöglichkeiten für den Philatelisten von besonderer Wichtigkeit.

Jeder kann mit Briefmarken handeln

Zu Zeiten von Ebay und Co. ist es auch für den „Otto-Normalverbraucher“ möglich geworden Briefmarken einfach und weitreichend anzubieten. Auch geringwertige Einzelmarken finden dort ihren Markplatz, also solche bei denen es nicht möglich wäre diese beim Händler zu verkaufen.

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