Sicherheit beim Online-Kauf von Briefmarken, Belegen und anderen Sammelgegenständen

Heutzutage können Sie so ziemlich alles im Internet kaufen: Schlankheitspillen, Elvis‘ letztes Brötchen, russische Ehefrauen und eben auch Briefmarken. Und sicherlich haben Sie schon von den Gefahren gehört, die bei Onlinekäufen lauern. Insbesondere bei vorab bezahlter Ware.

Gerade Sammler wollen ihre Stücke vor dem Kauf gerne genau begutachten. Immerhin geht es oft um viel Geld und Herzblut. Deshalb stehen Philatelisten und auch Numismatiker Käufen im Internet recht skeptisch gegenüber.

Nun kann man Briefmarkenkäufe im Internet nicht grundsätzlich verteufeln. Wie eine Briefmarke auch, hat jedes Ding zwei Seiten: Sie sehen die Ware bei einem Onlinekauf nicht real vor sich. Aber andererseits haben Sie ungeahnte Möglichkeiten und zwar nach genau dem von Ihnen gesuchten Stück zu suchen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit und überall wo Sie wollen. Wenn Sie das mal mit den Recherchemöglichkeiten bei Ihren örtlichen Briefmarkenhändlern vergleichen, kommen Sie möglicherweise ans Überlegen.

So vorbehalten man Onlinekäufen von Briefmarken im Internet auch gegenüberstehen mag. Eines ist sicherlich generell nicht abzustreiten: Es gibt seriöse Händler im Internet. Das können und wollen wir als Redaktion als Erfahrungswert hier weitergeben. Doch worauf muss man nun achten, um nicht auf die Nase zu fallen?

Briefmarken Online-Händler: wer ist seriös?

Halten Sie sich an namhafte Händler, also an renommierte Händler die schon seit Jahrzehnten Ladengeschäfte betreiben. Diese bieten ihre Ware auch online an. Die Händler sollten Mitglieder APHV sein. So brauchen Sie nicht auf Offerten unbekannter Händler zurückgreifen.

Falls Sie bei einem Ihnen unbekannten Shop kaufen wollen, sollten folgendene Angaben des Händlers vorhanden sein:

  • Name und vollständige Anschrift des Anbieters
  • Kontakdaten wie Telefonnummer, E-Mail, oder Fax
  • Die allgemeinen Geschäftsbedingungen
  • Informationen zum Datenschutz und Datensicherheit
  • Angaben zum Widerrufsrecht, Rückgaberecht und der Kaufpreisrückerstattung
  • Übersicht über die Zahlungsmöglichkeiten
  • Informationen über Versandkosten, Rücksendekosten und mögliche Zusatzkosten

Einen guten Schutz bietet eine Mitgliedschaft beim BDPh. Der Bund deutscher Philatelisten bietet umfangreiche Hilfestellung bei und vor Problemen mit Onlinekäufen an. Empfehlenswert ist insbesondere die Rechtsschutzversicherung des BDPh.

Allgemein sollten Sie darauf achten, dass alle Daten, die Sie an einen Shop übermitteln, verschlüsselt werden. Dies erkennen Sie in der Adresszeile des Browsers. Es erscheint ein „s“ hinter den Buchstaben „http“. Ein weiterer Hinweis: Bei vielen Browsern erscheint ein (grünes) geschlossenes Vorhängeschloss am Anfang oder am Ende der Adresszeile.

Bemühen Sie sich um den persönlichen Kontakt

Ohnehin sind Telefonate mit Händlern eine gute Möglichkeit, um herauszufinden ob ein Händler vielleicht „nicht ganz koscher ist“. Sie als Philatelist merken es sehr schnell, ob Sie da jemand „übern Tisch ziehen“ will. Sprich, ob er weiß, wovon er redet oder ob er einfach nur etwas verschleudern will. Ist ein Onlinehändler nie erreichbar, ist maximale Vorsicht geboten.

Seien Sie besser vorsichtig bei Händlern, welche merkwürdige Zahlungswege beispielsweise übers Ausland verlangen. Banküberweisung auf ein deutsches (oder österreichisches usw.) Konto, Kauf auf Rechnung oder auch Bezahlmöglichkeiten wie PayPal bieten einen gewissen Schutz, falls man es mit einem Betrüger zu tun hat.

Seien Sie misstrauisch bei besonders günstigen Angeboten. Den Schwarzen Einser gibt’s nun mal nicht für dreifuffzich.

Sie können auch im Internet nach Erfahrungsberichten zu Händlern recherchieren. Geben Sie zur Recherche ganz einfach den Namen des Shops und das Wort „Problem“ ein. Da finden Sie manchmal mehr, als sie vorher vermuten!

Briefmarkenkauf bei Ebay, Hood und Co.

Generell kann man sagen, dass die bekannten und renommierten Online-Auktionshäuser grundsätzlich auf die Seriosität ihrer Verkäufer achten. Insbesondere Ebay sperrt konsequent Betrüger aus. Das heißt allerdings nicht, dass man absolut sicher vor Reinfällen bei Ebay-Käufen ist.

Wir geben hier einmal ein paar Tipps, diese sind Erfahrungswerte. Auch wir haben schon mehr als einmal über Ebay gekauft. Und haben größtenteils positive Erfahrungen gemacht. Allerdings haben wir auch nie „auf Teufel komm raus“ jedes Schnäppchen ersteigert. Anders als bei deutschen Gerichten gilt bei Online-Angeboten: „Im Zweifel gegen den Kauf“!

Seriöse Verkäufer:

  • Haben 100% oder nahezu 100% positive Bewertungen.
  • Sollten auch negative Bewertungen dabei sein, lesen Sie diese, sie geben Aufschluss über das grundsätzliche Verhalten von Verkäufern. Manchmal hatte der Käufer einfach nur einen schlechten Tag.
  • Sind oft schon lange (über Jahre) bei Ebay und haben viele Verkäufe getätigt
  • Haben komplette Beschreibungen ihrer Ware und gut erkennbare Abbildungen
  • Können sich einwandfrei und fehlerfrei schriftlich ausdrücken.
  • Reagieren auf Anfragen über Ebay generell positiv.
  • Machen rundherum einen professionellen und sachverständigen Eindruck.

Kaufen Sie nicht bei:

  • unklaren oder unkonkreten Produktbeschreibungen
  • unscharfen Bildern
  • Bezahlmethoden ohne Absicherung (z.B. nur Vorkasse)
  • Verkäufern mit mehrfachen einschlägigen Negativbewertungen
  • ungewöhnlich und unrealistisch günstigen Angeboten
  • Verkäufern und Ware unklarer Herkunft
  • Irreführenden Formulierungen bei Angeboten

In den Beschreibungen angebotener Briefmarken und Briefmarkensammlungen findet man immer wieder beliebte Formulierungen, welche Sie besonders zum Bieten anregen sollen, aber im richtigen Kontext beurteilt werden müssen. Wir haben die häufigsten einmal herausgesucht und interpretieren sie hier aus unserer Erfahrung:

„undurchsucht“

Heißt, die Briefmarken sind höchstwahrscheinlich nach Plattenfehler, Farben und anderem durchsucht worden. Und Sie werden nichts Besonderes mehr darin finden. Ein Verkäufer, der die „Undurchsuchtheit“ seiner Ware besonders hervorhebt, hat diese in der Regel selbst durchsucht. Sonst wäre ihm der Begriff nicht geläufig. Logisch eigentlich. Niemand verschenkt etwas.

Wirklich undurchsuchte Lots können Sie finden, wenn dies nicht extra erwähnt ist. Also wenn der Verkäufer selbst nicht weiß, dass im angebotenem Bestand Abarten und Besonderheiten findbar sind. Und das dürfte die absolute Ausnahme sein.

Durchsuchte Posten werden bei Ebay, Hood und anderen Online-Auktionsplattformen immer wieder durchgereicht. Diese bestehen aus vielen Einzelmarken der selben Katalognummern. Bündelware und Bogenteilen und werden fast immer als „undurchsucht“ oder mit ähnlichen Begriffen offeriert. Schauen Sie einfach mal testweise, ob der Händler auch bessere Werte aus diesem Sammelgebiet anbietet oder angeboten hat. Dann können Sie sich die Frage selbst beantworten, ob der als „undurchsucht“ deklarierte Posten wirklich undurchsucht ist. Schlaue Händler bieten nicht beides gleichzeitig an. Also immer Augen offenhalten!

„Dachbodenfund“ – absolut inflationär verwendet –  völlig nichtssagend

Diese ist meist nur falsch. Soll dem potentiellen Bieter vermitteln, dass er mit einer völlig unberührten Sammlung aus Opas Zeiten ein „Riesenschnäppchen“ machen kann. Meist handelt es sich hier um „ausgelutschte“ Restekisten. Zudem wollen sich unseriöse Verkäufer mit dieser schwammigen und über die Sammlung nichts konkretes aussagende Bezeichnung vor Reklamationen schützen. Sie können nämlich nur reklamieren, was Ihnen konkret offeriert wurde.

Aussagen von Verkäufern wie „…habe keine Ahnung von Briefmarken“ , „kann über die Echtheit nichts sagen, weil ich nicht sammle“, „…habe die Briefmarken nur geerbt und verstehe nichts davon…“ und ähnliche Formulierungen:

Wenn ein Verkäufer schon so anfängt, lassen Sie am besten gleich die Finger von der Tastatur. Der will Sie wirklich für dumm verkaufen. Ja so drastisch muss man das sagen. Er kokettiert mit Unbedarftheit. Um Ihnen wertloses Zeug anzudrehen. Viel mehr ist dazu nicht zu sagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verkäufer wirklich keine Ahnung hat und dies auch schreibt, ist minimal. Soll es aber schon gegeben haben. Schauen Sie sich die Ware genau an. Wenn vernünftige Fotos dabei sind. Sind keine Bilder dabei oder nur unscharfe? Na, wer sagt‘s denn…?

Was noch wichtig ist bei Onlinekäufen von Briefmarken

Fälschungen bei Online-Aukionshäusern

Bei Auktionsplattformen werden sehr oft Fälschungen wertvoller Marken und Belege offen angeboten. Rechtlich ist kaum etwas dagegen zu machen, da diese Ware als Faksimiles oder direkt als „Falsch“ angeboten wird. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, die Beschreibungen der Ware genau zu lesen. Manchmal werden die Fälschungen als „Neudrucke“ oder „Nachdrucke“ deklariert. Besonders gern werden Fälschungen angeboten von:

  • Feldpostmarken und Aushilfsausgaben 2. Weltkrieg
  • Überdruckmarken aus dieser Zeit
  • DDR Luftpostmarken, besonders Zeppelinpost
  • Thüringen: Weihnachtsblöcke, besonders die Fehldrucke

Als „Falsch“ geprüfte Briefmarken, mit dem Hinweis „geprüft“ (was ja stimmt, nur eben „falsch“, also aufpassen!)

Prinzipiell ist ja immer Vorsicht geboten bei unrealistisch günstigen Angeboten. Wir erwähnen dies hier aber aus einem völlig anderen Grund: Wenn Sie ein solches Angebot auf einer Auktionsplattform sehen, schauen Sie sich das Profil des Verkäufers genau an. So bekommen Sie ein sicheres Gefühl für seriöse und unseriöse Angebote. Insbesondere den Namen des Verkäufers sollten Sie sich merken, auch wenn diese ihren Anbieternamen regelmäßig wechseln. Lesen Sie auf jeden Fall die Bewertungen solcher Anbieter durch!

Nicht alles ist schlecht

Das Aufzeigen dieser Negativbeispiele soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies Ausnahmen sind. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch unsere Redaktionsmitglieder bieten und kaufen regelmäßig bei Ebay und Co. und sind in der Summe zufrieden. Damit Sie das auch sind, haben wir Ihnen oben die Fallstricke gezeigt. Wenn Sie diese Tipps beachten, steht einem sicheren Onlinekauf nichts mehr im Wege!

 

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