Am Anfang machte man es sich einfach: Die ersten Briefmarken wurden eng aneinander auf einen Bogen gedruckt, weil das hochwertige Papier für die Marken recht teuer war. So musste der Schalterbeamte der Post dann mit der Schere die gewünschten Marken ausschneiden. Dies war bei den manchmal extrem eng aneinander gedruckten Marken mit  einem Geschicklichkeitsspiel verbunden. Dabei durften die Postwertzeichen nicht beschädigt werden. Nun stellen Sie sich einen klassisch staatstreuen Beamten vor, der kurz vor der Pensionierung steht. Diese sind meist etwas fehlsichtig und besitzen nicht mehr ganz die ruhige Hand. Diese Schalterbeamten versuchten nun eine weniger als einen halben Millimeter lange Linie entlangzuschneiden und dabei den Rand des Hoheitssymbol des Staates zu nicht zu berühren.

Da brauchte es Lösungen!

Die ließen allerdings recht lange auf sich warten. Die ersten Briefmarken mit maschineller Trennung gab es erst in den 1850er Jahren. Vorher wurden alle Marken geschnitten. Die ersten Marken mit vorgestanzter Trennhilfe führte übrigens England ein. Der Erfinder der ersten Zähnungsmaschine war der aus Irland stammende Henry Archer, welcher sich durch die mühseligen Versuche eines seiner Bekannten inspirieren ließ. Dieser stanzte mit einer Nadel zwischen den Briefmarken vor, um die Marken leichter voneinander trennen zu können. 1854 brachte England die ersten gezähnten Marken heraus. Der Bau der Zähnungsmaschine war damals aber schon seit sieben Jahren vollendet.

Nach und nach setzte sich diese Technik durch. Auch gegenüber einer anderen maschinellen Trennungsart, dem Durchstich, welche besonders in den Deutschen Staaten verwendet wurde. Beim Durchstich werden die Markenzwischenräume nicht „gelocht“, sondern Messer schneiden zum Beispiel in Form einer gestrichelten Linie zwischen den Briefmarken eine Trennungshilfe. Der Durchstich kann dabei sägezahn-, wellen-, bogen- oder linienförmig sein. Dies hat es alles schon gegeben.

Zähnung oder Durchstich?

Deutsche Besetzung - Frankreich - Durchstich Briefmarken
Durchstich bei Briefmarken aus Deutsche Besetzung von Frankreich aus dem Jahre 1941-1944

Die Trennung der durchstochenen Marken voneinander war im Gegensatz zu den gezähnten eher schwierig und so kam es häufiger zu Beschädigungen der Briefmarken. Daher setzte sich mit der Zeit die Zähnung als nahezu einzige Trennungsart bei Briefmarken durch.

In schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, wurde immer mal wieder notgedrungen auf die alten Trennungsarten zurückgegriffen, wie zum Beispiel nach Kriegen. So kann man bei den Thüringen-Marken von 1945/46 sehr schön die verschiedenen Trennungsvarianten beobachten. Bei den Marken Sachsens der Nachkriegszeit sind sogenannte Postmeistertrennungen zu finden, welche von den Postbeamten unter primitivsten Bedingungen angefertigt wurden. Solche Marken sind bei Spezialisten begehrt.

Für Spezialsammler: Fehler bei gezähnten Briefmarken

Von Spezialsammlern sind ebenso ungezähnt gebliebene Marken gesucht. Das sind Briefmarken, die durch technisches oder menschliches Versagen ungezähnt geblieben sind. Die Preise für solche Marken übersteigen um ein Vielfaches die Preise für die normalen Briefmarken. Hier der sogenannte Widerstandsblock von 1964 als ungezähnte Variante. Der Katalogwert für diese Rarität liegt bei etwa 15.000,00 €.

Auch der Ausfall von Zahnnadeln produzierte Ergebnisse, welche von Spezialisten gesucht werden. Briefmarken mit fehlenden Zähnungslöchern. Je nach Briefmarkenausgabe mehr oder weniger wert im Verhältnis zu den regulär gezähnten Markenkollegen.

Die Trennungsarten sind für Briefmarkensammler ein hochinteressantes Fachgebiet. Aus diesem Grunde werden wir uns in folgenden Beiträgen speziell mit den verschiedenen Zähnungs- und Durchsticharten auseinander setzten.

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