Im zweiten von vier Artikel zu den Zwangszuschlag – Notopfermarken zeigen wir, wie sich die sparsame Nachkriegsbevölkerung Tricks und Schlichen bediente. Welche um die zwei Pfennige pro Sendung zu sparen. Besonders bemerkenswert jedoch sind die Maßnahmen der Sowjetzonen-Besatzung im Umgang irrtümlich mit 2-Pfennig-Notopfermarken beklebter Post. Und zwar in die SBZ und die spätere „DDR“.

Wie die Deutschen das Notopfer sparten

Bei den sparsamen Schwaben war das Sparen des Zwangszuschlages recht leicht möglich. So wie in den meisten Grenzgebieten der Länder. Es wurde nicht überall und zur gleichen Zeit der Zuschlag verlangt. Somit brauchte der Versender nur dort seine Post aufgeben, wo der Zwangszuschlag gerade nicht verlangt wurde. Manchmal war es das Postamt ein Dorf weiter. Dies war vor allem in den Orten der französischen Zone teilweise recht einfach. Beispielsweise in Wiesbaden (Französische Besatzungszone) und Mainz (Bizone). Hier wurde das Notopfer in den Zeiträumen vom 31.12.1948 bis zum 31.01.1949 und 01.04.1949 bis zum 30.06.1949 nicht erhoben.

In vielen Familien war es gebräuchlich, Kinder auf die manchmal recht langen Wege zu schicken, um die Post aufzugeben. Nun kann man meinen, dass zwei Pfennige nicht besonders viel sind und den Aufwand nicht lohnen, aber zwei Pfennige Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts hatten bei manchen Gütern eine höhere Kaufkraft als heute 10 Cent. Dazu kam, dass die Bevölkerung kriegstraumatisiert und deshalb besonders sparsam war. Außerdem „hat’s die Masse gemacht“. Wir kennen Berichte, dass in einem Dorf an der Grenze zur Französischen Besatzungszone ein Geschwisterpaar regelmäßig die Post des ganzen Dorfes zum benachbarten Postamt brachte. Da dürfte dann doch schon einiges zusammengekommen sein. Und dies war kein Einzelfall, Berichte dieser Art gibt es häufiger.

Was passierte nun, wenn notopferpflichtige Sendungen ohne Notopfermarke aufgegeben wurden?

Diese Postsendungen wurden schlicht nicht befördert. Sie erhielten entsprechende Rücksendungsvermerke. Und gingen daraufhin an den Absender zurück. Allerdings konnten diese Briefe noch nachträglich mit Notopfermarken beklebt werden. Und danach wieder zur Post gebracht werden. Sie wurden anstandslos befördert, das Porto musste also nicht nochmals entrichtet werden. Versuche dies „auszunutzen“ hat es in der Anfangszeit der Notopfermarken durchaus häufig gegeben. Dafür spricht die vergleichsweise hohe Anzahl bekannter Belege mit Rücksendevermerken. Vorallem aus den ersten Monaten der Verwendungspflicht der Notopfermarken. Allerdings arbeitete die Deutsche Post damals genau. Und so sind kaum Sendungen ohne Notopfermarke „durchgerutscht“.

Steuermarke Fehlt - Stempel
Fehlte die Notopfermarke, ging die Sendung mit einem entsprechenden Stempel an den Absender zurück

Vereinzelt versuchten Absender die zu befördernde Sendung ersatzweise mit einer 2-Pfennig-Briefmarke zu legitimieren. Dies war selbstverständlich nicht erlaubt, da eine Briefmarke keine Steuermarke ist und somit komplett anders abgerechnet wurde. Erstaunlicherweise existieren gar nicht so wenige Belege ohne Zurückweisung. Offensichtlich sind diese Sendungen nicht bemerkt worden. Manchmal versuchten Absender das Porto mit Notopfermarken in der entsprechenden Anzahl zu entrichten. Auch dies war natürlich nicht statthaft. Allerdings wurde dies von der Post regelmäßig und viel häufiger beanstandet. Solche Sendungen erhielten einen Vermerk mit dem Hinweis, dass die Notopfermarken zu entfernen seien und gingen daraufhin an den Absender zurück. Zudem kostete dies ein Nachporto in anderthalbfacher Höhe des fehlenden Portobetrages. Warum die letzteren Sendungen eher beanstandet wurden als die mit Briefmarke statt Notopfermarke mag daran liegen, dass:

Sendungen mit mehreren Notopfermarken sehr auffällig waren. Auffälliger als Sendungen komplett ohne solche und:

  • für die Post fehlendes Porto war
  • für die Post, nicht für das Finanzamt
  • Sowjetische Renitenz: Wie Stalin und seine Knechte sich von den „Kleinen Blauen“ provoziert fühlten

Nervig konnte es werden, wenn Sendungen in die Ostzone mit den Notopfermarken beklebt waren. In traditioneller Verkennung sahen Ost-Loyalisten die kleinen Marken als Angriff auf die Sowjetunion und die kommunistischen Weltanschauung. Deshalb boykottierten sie solche Sendungen. Dies war ein harter Schlag, allerdings nur in die eigenen Reihen. Die Post der SBZ und der späteren „DDR“ war ohnehin überfordert  und diese Maßnahme verschlimmerte die Lage nur noch weiter.

Was passierte mit den Sendungen, welche mit Notopfermarke nach Berlin oder die SBZ versendet wurden?

Ab dem 26. Januar 1949 wurden solche Sendungen oft zurückgesendet, oder aber die Notopfermarken geschwärzt. Die Verfügung gab es schon vorher, allerdings war die Post in der Ostzone auch so schon überfordert. So gelangte die Verfügung erst Ende Januar an die Oberpostdirektionen.

Steuermarke in der Ostzone unerwünscht - zurück Stempel
In der Ostzone waren Briefe mit der Notopfermarke unerwünscht. Diese erhielten einen Stempel.

Echte Belege mit Schwärzungen und Zurückweisungsvermerken vor dem 26. Januar kann es somit nicht geben.

Um unnötig langen Laufzeiten der Sendungen vorzubeugen, leiteten die Westzonen-Postverwaltungen ab dem 01. April 1950 versehentlich mit Zwangszuschlagmarken beklebte Sendungen in die Ostzone an den Absender zurück. Manchmal wurden die Notopfermarken sogar von den Postbeamten selbst entfernt.

Übersicht der Artikel-Serie „Notopfermarken Berlin“

Teil 1: Notopfermarken: Wie alles begann – Blaue Zwerge gegen den Roten Riesen
Teil 2: Wie die Deutschen das System austricksten
Teil 3: Verschiedene Typen und Zeichnungen der Notopfermarken
PDF-Download: Vergleichstafeln & Plattenfehler der Notopfermarken als PDF

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