Briefmarken Altdeutschland: Einführung in die Staaten von 1849 – 1869

Unerreichter Beliebtheit erfreut sich -nach wie vor- das große Sammelgebiet „Altdeutschland“, die Briefmarkenausgaben der deutschen Staaten im 19. Jahrhundert. Streng genommen handelt es sich hier natürlich nicht nur um ein Sammelgebiet, sondern um siebzehn abgeschlossene Sammelgebiete.

Kleine und große Raritäten

Wirklich jedes Sammelgebiet Altdeutschlands enthält einige oder mehrere recht seltene und damit auch hochpreisige Briefmarkenausgaben. Dies liegt unter anderem daran, dass manche Briefmarkenausgaben mit sehr kleiner Auflage hergestellt wurden, in recht kleinen Gebieten gültig waren oder nur kurz verwendet wurden. Ein Beispiel hierfür sind die Bergedorf-Marken, welche echt gebraucht -meist mit dem typischen Strichstempel- außerordentlich selten sind. Für gebrauchte, gestempelte Marken von Mecklenburg-Strelitz gilt Ähnliches: ungebrauchte Briefmarken dieser Sammelgebiete sind „gerade noch“ erschwinglich, gestempelte Briefmarken können schon einmal den Wert eines Kleinwagen erreichen, vorausgesetzt, die Marken sind echt, in einwandfreier Qualität und von kompetenter Seite geprüft.

Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf die sächsische Erstausgabe von 1850, der sogenannte „Sachsendreier“, die rote drei Pfennig-Marke des Königreichs. Schon wenige Jahre nach ihrer Ausgabe, als die Philatelie noch in den Kinderschuhen steckte, war diese Briefmarke heiß begehrt. Von dieser seltenen Briefmarke wurden in mehreren Auflagen 500.000 Stück gedruckt. Davon wurden fast alle verkauft (463.118 Stück), der Rest wurde vernichtet. Der Sachsendreier wurde meist auf Streifbändern verwendet und zerrissen, wenn die Sendung vom Empfänger geöffnet wurde. Qualitativ einwandfreie Exemplare gehören heute zu den legendären Altdeutschland-Raritäten.

Ebenfalls zu den großen Seltenheiten zählen Bremens 2 Grote orange von 1863 und die 7 Grote schwarz auf gelb von 1867 in gebrauchter Erhaltung. Diese Briefmarken zählen zu den Topraritäten der deutschen Briefmarkenklassik und lassen sich in einwandfreier Erhaltung und geprüft meist nur auf Auktionen finden.

Ein Paradestück der Altdeutschland-Klassik ist sicherlich die erste deutsche Briefmarke, die 1-Kreuzer-Marke von Bayern von 1849, der „Schwarze Einser“. Nicht ganz so selten wie der „Sachsendreier“ ist er ein gesuchtes Sammelstück für den Altdeutschland-Philatelisten.

Die Liste mit altdeutschen Raritäten ließe sich beliebig fortsetzen, zum Beispiel mit der 70-Kreuzer-Marke von Württemberg, mit Holsteins beiden Erstausgaben, mit Hamburgs gelber 9-Schilling-Marke von 1859 und noch vielen mehr.

Etwas Geschichte

Aber wie genau war das mit den Briefmarkenausgaben von Altdeutschland? Aus dem Geschichtsunterricht ist bekannt, dass Deutschland bis zur Reichsgründung 1871 aus Kleinstaaten, Fürstentümer, Stadtstaaten und Königreichen bestand. In jedem dieser Territorien galten eigene Währungen und Gewichte, eigenes Recht und eben auch ein eigenes Postwesen. Nachdem sich im November 1849 Bayern als erster deutscher Staat dazu entschlossen hatte, mit dem schon benannten „Schwarzen Einser“ eigene Briefmarken herauszugeben, folgten die anderen deutschen Staaten in den Jahren von 1850 bis 1864 mit jeweils eigenen Briefmarkenausgaben. Wie schon erwähnt, waren einige Ausgaben nur für kleines Publikum vorgesehen, dementsprechend wenig gedruckt und verwendet worden und somit sehr selten. Auch wurden nach Außerkurssetzung von Briefmarken oft Restbestände verbrannt, dies bedingt ebenfalls die Seltenheit mancher Altdeutschland-Ausgaben. Der Umfang der jeweils herausgegebenen Briefmarken variiert sehr, zu den kleinen Sammelgebieten Altdeutschland gehört zum Beispiel Bergedorf mit gerade einmal fünf verausgabten Briefmarken. Relativ viele Briefmarken dagegen gab es dagegen in der klassischen Periode von Bayern oder Württemberg.

Bayern 18 Kreuzer Briefmarke

Ab dem 1. Januar 1868 lösten dann die Briefmarkenausgaben des Norddeutschen Postbezirkes die Briefmarken der deutschen Staaten mit Ausnahme von Bayern und Württemberg ab. Diese beiden Staaten gaben noch bis 1920 eigene Briefmarken heraus. Ein halbes Jahr früher, am 1. Juli 1867 trat die Verfassung des Norddeutschen Bundes in Kraft, die Verwaltung des Postwesens übernahm mit diesem Datum das Generalpostamt in Berlin. Mit der Schaffung dieser „einheitlichen Staatsverkehrsanstalt“ endete die Periode der klassischen altdeutschen Briefmarken.

Die einzelnen Sammelgebiete Altdeutschlands

Baden (1851-1871): Bekannt durch eine Weltrarität: Der Farbfehldruck „9 Kreuzer blaugrün“. Eines der wenigen bekannten Exemplare ist im Berliner „Museum für Kommunikation und Technik“ zu sehen.

Baden 18 Kreuzer Briefmarke

Bayern (1849-1920): Der „Schwarze Einser“ von Bayern 1849 ist die erste und eine der berühmtesten deutschen Briefmarken. Bayern hat bis 1920 eigene Briefmarken herausgegeben.

Bergedorf (1861-1867): In diesem kleinen Gebiet wurden gerade einmal fünf Briefmarken herausgegeben. Interessant für den Spezialsammler sind besonders die Kehrdrucke.

Bremen (1855-1867): Die Briefmarken mit dem Schlüssel im Markenbild sind zum Teil große Altdeutschland-Raritäten, besonders in guter Erhaltung recht rar.

Braunschweig (1852-1867): Die „Braunschweiger Pferdchen“ ist jedem Altdeutschland-Sammler ein Begriff.

Hamburg (1859-1867): Auch die Briefmarkenausgaben der Hansestadt Hamburg – mit der Wertziffer im Wappen – zählen zu den gesuchten Raritäten. Für den Spezialsammler lohnt die Sicht auf die Ganzsachenumschläge.

Hannover (1850-1864): Die Briefmarken, die zum Teil mit einem Netzunterdruck erschienen sind eine Spezialität von Hannover. Auch für den weniger „betuchten“ bietet das Sammelgebiet gute Möglichkeiten.

Hannover-Briefstück

Helgoland (1867-1879): „Very british“ muten die Helgoländer Briefmarken mit dem Kopfbild der Queen Viktoria an, kein Wunder, war doch Helgoland zur Zeit der Briefmarkenausgaben Altdeutschlands britische Kronkolonie

Lübeck (1859-1865): Die erste Briefmarkenausgabe Lübecks, entwertet mit dem bekannten Strichstempel, gehört zu den gesuchten Altdeutschland-Raritäten.

Mecklenburg-Schwerin (1856-1867): Bekannt für die teil- und viertelbaren Briefmarken mit dem unverwechselbaren Stierkopf im Markenbild.

Mecklenburg-Strelitz (1864-1867): Die gebrauchten Briefmarken des kleinen Mecklenburg-Strelitz sind echte Seltenheiten und kaum zu bekommen, ungebrauchte Stücke der gerade einmal sechs herausgegebenen Briefmarken jedoch für fast jeden Sammler erreichbar.

Oldenburg (1852-1867): Auch unter den Oldenburger Freimarkenausgaben mit der markanten Wappenzeichnung gibt es große und kleine Raritäten, besonders unter den Hochformaten in gebrauchter Erhaltung. Neunzehn Briefmarken hat das Großherzogtum herausgegeben.

Preußen (1850-1867): Dank der Größe Preußens existieren bis heute noch reichlich preußische Briefmarken, was das Sammelgebiet für den „sparsamen“ Philatelisten besonders interessant macht. Einige Nummernstempel Preußens sind dagegen echte Raritäten.

Sachsen (1850-1867): Der „Sachsendreier“, die rote 3 Pfennig-Erstausgabe von Sachsen ist wohl die bekannteste deutsche Briefmarke. Schon vor einhundert Jahren war sie eine Rarität. Die nachfolgenden sächsischen Briefmarkenausgaben sind dagegen noch leichter erhältlich.

Drei Franken Briefmarke – „Sachsendreier“

Schleswig-Holstein (1850-1867): Das Herzogtum stand zum Teil unter dänischer Postverwaltung, daher die Ähnlichkeit mancher Marken zu seinen dänischen „Geschwistern“. Die 1 und 2-Schilling-Marken von 1850 sind vor allem gestempelt große Raritäten.

Thurn & Taxis (1852-1867): Kein deutsches Land, sondern eher ein Postdienst. Für das Thurn & Taxische Postgebiet wurden 54 Briefmarken herausgegeben, die markanten Ziffern in den Quadraten, oder Kreisen.

Württemberg (1851-1920): Ebenso wie Bayern, hat Württemberg bis zur Zeit der Weimarer Republik eigene Briefmarken herausgegeben. Aus der klassischen Periode sind die Briefmarken mit der Ziffern- und Wappenzeichnung sehr beliebt. Sehr gesucht ist der 70-Kreuzer-Wert, welcher vornehmlich für Auslandsendungen verwendet wurde.

Norddeutscher Postbezirk (NDP): Vielleicht ist es aufgefallen, dass in der obigen Aufzählung der „Norddeutsche Postbezirk (NDP)“ fehlt. Einige Philatelisten zählen die Briefmarkenausgaben des Norddeutschen Bundes noch zu Altdeutschland. Allerdings wurden durch seine Gründung vielmehr die Briefmarkenausgaben der klassischen Markenländer Braunschweig, Bremen, Hamburg, Lübeck, Mecklenburg Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Preußen und Sachsen abgelöst. Strenggenommen zählen die Briefmarkenausgaben des Norddeutschen Bundes nicht einmal mehr zu den sogenannten klassischen Briefmarkenausgaben, da es vom NDP keine Vorphila-Briefe geben kann. Andererseits ist der Norddeutsche Postbezirk vorab erst ein Vorläufer der späteren Reichspost und so zählt man die Briefmarkenausgaben des Norddeutschen Postbezirk oft doch zu Altdeutschland.

Thurn & Taxis: Kein Staat, aber eigene Briefmarken

Eine Sonderstellung bei den altdeutschen Sammelgebieten nehmen sicherlich die Briefmarkenausgaben der Thurn und Taxischen Post ein. Kein deutscher Staat, aber mit eigener Posthoheit, gab die Thurn und Taxische Post in den Jahren 1852-1865 eigene Briefmarken heraus, welche in Hessen, Thüringen in Hohenzollern und den Hansestädten gültig waren. Selbstverständlich gibt es auch bei diesem Sammelgebiet große und kleine Raritäten und Besonderheiten. Durch die weite Verzweigung des Thurn und Taxischen Posthoheitsgebietes ergeben sich hier viele Besonderheiten für zum Beispiel Stempelsammler. Das Sammelgebiet „Thurn und Taxis“ wird daher Gegenstand eines weiteren, ausführlichen Artikels sein.

Die Thurn & Taxische Posthoheit ging ebenfalls 1868 im Norddeutschen Postbezirk auf.

Helgoland: Kolonie oder deutscher Staat?

Ebenfalls einen gewissen Sonderstatus nehmen die Briefmarkenausgaben Helgolands ein. Die eigentlich britische Insel, genauer: britische Kolonie, gab im Zeitraum von 1867-1879 zwanzig Briefmarken heraus. Erst ab 1890 war Helgoland Teil des Deutschen Reiches. Streng genommen handelt es sich bei Helgoland nicht um ein deutsches Gebiet, dies war erst nach der Ratifizierung des Helgoland-Sansibar-Vertrages der Fall. Bis dahin hatte Großbritannien die Posthoheit auf Helgoland, Postmeister war der Hamburger Volkers.

Auch die Helgoland-Marken sind sehr gesucht, aber auch oft gefälscht. Oftmals werden auch welche der zahlreichen Neu- und Nachdrucke als Originale angeboten. Besonders bei den gestempelten Ausgaben ist eine sachkundige Prüfung dringendst anzuraten.

Altdeutschlands Briefmarken – unerschwingliche Raritäten?

So beliebt die Briefmarken Altdeutschlands sind, ebenso selten und damit teuer sind sie auch. Aber es gibt auch jede Menge im unteren oder mittleren Preisbereich, was für jeden Geldbeutel erschwinglich ist. Viele gesuchte Stücke lassen sich ausschließlich auf Auktionen finden, wenn überhaupt.

Kann man nun eine Altdeutschland-Sammlung nach dem Vollständigkeits-Prinzip aufbauen? Für den durchschnittlich „betuchten“ Philatelisten sollte das Erlangen einer kompletten Altdeutschland-Sammlung mit ausschließlich echten Stücken in guter Erhaltung eher schwierig sein, abgesehen vom notwendigen Zeitaufwand und einem entsprechenden Angebot, wirklich alle Stücke zusammenzutragen. Aber als Liebhaber altdeutscher Marken muss der interessierte Liebhaber deutscher Klassik nicht verzagen. Wenn man sich auf EIN Gebiet spezialisiert und man sich nicht ausgerechnet das „teuerste“ aussucht, ist es schon gut möglich, eine vollständige Sammlung aufzubauen. Ein dankbares und finanziell noch erreichbares altdeutsches Sammelgebiet ist Preußen. Die meisten Marken des deutschen Königreiches sind auch für den Sammler mit „normalen“ finanziellen Mitteln erreichbar, wenn man sich auf gebrauchte Marken konzentriert. Lediglich einige Farbbesonderheiten sind etwas teurer, aber nicht grundsätzlich unbezahlbar.

Eine andere Variante eine Altdeutschland-Sammlung aufzubauen, ist das Sammeln von Stempeln, beispielsweise Nummernstempeln auf klassischen Marken. So ist der Sammler nicht genötigt, jede Katalognummer in seiner Sammlung aufzunehmen, wenn er sich auf die Stempel konzentriert. Allerdings gibt es auch unter den Stempeln recht seltene und somit hochpreisige Exemplare.

Möglicherweise befriedigt der Aufbau einer Heimatsammlung den Hang zur deutschen Klassik. Auch hier muss man nicht jede Katalognummer komplett in der Sammlung haben, da der Fokus einer Heimatsammlung eben auf der (Post-)Geschichte des Heimatortes durch die Epochen liegt.

Wenn der Liebhaber klassischer deutscher Briefmarken auf das Vollständigkeitsprinzip verzichtet und sich mit Hilfe verschiedener altdeutscher Briefmarken einen Querschnitt durch die deutsche Klassik ansammeln will, kann er auch mit begrenzteren finanziellen Mitteln eine ansehnliche Sammlung aufbauen. Dazu muss er die notwendige Zeit zum Auffinden der Marken und die notwendige Ernsthaftigkeit beim Erlangen echter Stücke investieren.

Nur Liebhaberei oder auch Wertbeständigkeit?

Oftmals ist zu hören, dass das Sammeln von Briefmarken „außer Mode“ gekommen ist und dass die Philatelisten „aussterben“, verbunden mit einem Preisverfall bei den Briefmarken und anderen philatelistischen Sammlerstücken. Also werden Briefmarken, welche der Sammler heute für teures Geld kauft, bald nichts mehr wert sein. Die Wahrheit ist, dass es in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts einen wahren „Hype“ um das Briefmarkensammeln gegeben hat: Für die „Aktie des kleinen Mannes“ haben viele Menschen viel Geld ausgegeben, vornehmlich aber für moderne Briefmarken. In den 90ern begann dieser Trend abzuebben, viele Sammlungen mit modernen Bund-Berlin-DDR-Marken und auch Motiv- und andere Abosammlungen wurden auf den Markt geworfen und haben das dafür ausgegebene Geld nicht wieder eingebracht. Jedoch waren klassische Marken wie die Briefmarken der deutschen Staaten ebenso wie hochwertige Marken anderer, nicht moderner Sammelgebiete von diesem Preisverfall nicht betroffen. Ein Sachsendreier war schon immer selten und teuer und dies wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Auch nicht so seltene altdeutsche Markenausgaben sind in einer guten Erhaltung und mit Obligo immer gesucht. Von einem Preisverfall kann hier also keine Rede sein, im Gegenteil: bei vielen klassischen Briefmarken ist eine Preissteigerung in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu verzeichnen, man nehme sich nur einmal einen alten MICHEL zur Hand zum Preisvergleich. Und dies gilt nicht nur für die „Paradestücke“ der klassischen Philatelie.

Altdeutsche Briefmarken und die Echtheit

Das größte Übel der Philatelie sind die Fälschungen. Und gerade, wenn Briefmarken selten und somit hochpreisig sind, wird und wurde gefälscht, was das Zeug hält. Und selbstverständlich gilt dies auch oder ganz besonders für die Briefmarkenausgaben der deutschen Staaten: Stempelfälschungen sind zum Beispiel bei den Bergedorf oder Mecklenburg-Strelitz-Marken häufig, nur um Beispiele zu nennen. Reparaturen sind bei vielen teuren Marken oft anzutreffen, siehe „Sachsendreier“. Sogar Marken mit chemisch entfernten Federstrichen finden sich im Markt. Einzig und allein der Erwerb von kompetent geprüften Marken bietet hier Sicherheit. „Schnäppchen“ bei hochpreisigen altdeutschen Marken gibt es in der Regel nicht, seltene Sammlerstücke haben immer ihren Preis. Höherwertige Marken sollten immer mit Fotobefund oder Fotoattest erworben werden, nur dann ist man „auf der sicheren Seite“.

Neudrucke und Nachdrucke sind keine Fälschungen, vorausgesetzt, sie werden nicht als Originalmarken offeriert. Im Gegenteil, das Sammeln von Neudrucken klassischer deutscher Marken ist ein reizvolles Sammelgebiet und in den meisten Fällen recht erschwinglich. Neu- und Nachdrucke sind oft gekennzeichnet (bei den Neudrucken von Thurn und Taxis rückseitig in Kursiv, „ND“). Weiter weichen sie in der Regel in Farbe und Papier von den Originalausgaben ab. Ein Neudruck ist ein Druck außer Kurs gesetzter Briefmarken mit dem originalen Druckstock, ein Nachdruck eben nur ein nachempfundener Druck mit Souvenircharakter. Amtliche Neudrucke klassischer Marken sind begehrte Sammlerstücke.

Alter und Erhaltung der altdeutschen Marken

Besonders bei sehr alten Briefmarken, dazu gehören die Briefmarkenausgaben der deutschen Staaten, spielt die Erhaltung eine wichtige Rolle. Nun kann man von Briefmarken mit einem Alter von mindestens 150 Jahren nicht erwarten, dass sie „frisch wie am ersten Tag“ sind. Jedoch ist die Erhaltung bei klassischen Marken ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung. Altdeutsche Briefmarken sind meistens geschnitten, vollrandige Marken sind natürlich begehrter als solche, bei welchen das Markenbild berührt oder gar angeschnitten ist. Außerdem sind dermaßen alte Briefmarken oft nicht optimal gelagert worden, davon können Stockflecken und andere Verfärbungen zeugen, siehe -> Bleisulfidschäden. Der Grundsatz: „je besser erhalten, desto hochwertiger“ gilt bei diesen Marken ganz besonders. Aufschluss über die tatsächliche Erhaltung gibt im Zweifel das Fotoattest, sowie die Stellung des Prüfersignum auf der Rückseite der Marken.

Bei der Erhaltung der altdeutschen Marken sind allerdings oftmals Besonderheiten zu berücksichtigen. Nicht immer ist ein berührtes Markenbild ein Mangel, da oftmals die Briefmarken in den Bögen sehr engstehend gedruckt wurden. Eine dünne Stelle bei Hannover-Marken ist nicht zwingend wertmindernd. Der Gummi mancher Hannover-Marken war sehr zäh, das machte das Ablösen der Marken problematisch, es entstanden schnell dünne Stellen. Solche Marken werden unter Philatelisten als „hannoverhell“ bezeichnet. Aufschluss über solche Eigenheiten verschiedener Briefmarkenausgaben deutscher Staaten gibt der Katalog, aber auch diverse Fachliteratur, auf welche der Altdeutschland-Sammler auf keinen Fall verzichten sollte. Auch wir werden mit weiteren Artikeln auf die einzelnen deutschen Staaten und deren Briefmarken mit ihren Besonderheiten eingehen.

Größte Vielfalt

Alles im Allem: Altdeutschland ist, schon aufgrund der verschiedenen Staaten und deren sehr individuellen Briefmarkenausgaben, ein großes und hochinteressantes Sammelgebiet, welches für fast jeden Philatelisten ein Betätigungsfeld bietet. Ob nun Ländersammlung oder vielleicht eine Sammlung der Nummernstempel Preußens, die Briefmarkenausgaben Altdeutschlands bleiben der „Klassiker“ unter den Sammelgebieten.

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