Briefmarken Deutsches Reich: Die Brustschilde

Die Brustschilde – erste echte Reichspost-Marken

Die Briefmarken mit dem geprägten Mittelstück faszinieren zurecht die Deutschland-Sammler. Als erste reguläre Briefmarkenausgaben des Deutschen Reich, der Deutschen Reichspost ab dem Jahre 1871 haben die Marken mit dem großen und dem kleinen Brustschild eine große Sammlergemeinde gefunden.

Dies spiegelt sich besonders im Wert der – im ersten Augenblick vielleicht – etwas unscheinbar wirkenden Briefmarken wider: Die Kurve der Wertentwicklung kennt bei den Brustschildmarken nur eine Richtung. Nach oben.

Die Ausgaben

Die Deutsche Reichspost gab drei Serien heraus, welche zu den Brustschildmarken zugerechnet werden. Insgesamt 28 Briefmarken mit dem großen und dem kleinen Brustschild kamen zwischen 1872 und 1874 zur Ausgabe. Während der Zeit der Brustschild-Briefmarken erschienen noch zwei Marken für den Innendienst, um die es hier aber nicht gehen soll.

Deutsches Reich Kleiner Brustschild 1/4 Groschen grauviolett, 1/2 Groschen rötlichorange und 7 Kreuzer dunkelgraublau

1. Januar 1872, Marken mit kleinem Brustschild, Buchdruck und Prägedruck, gezähnt

Talerwährung

  • 1/4 Groschen grauviolett
  • 1/3 Groschen gelblichgrün (Töne)
  • 1/2 Groschen rötlichorange (Töle)
  • 1 Groschen karmin
  • 2 Groschen graublau
  • 5 Groschen ockerbraun

Guldenwährung

  • 1 Kreuzer gelblichgrün
  • 2 Kreuzer rötlichorange
  • 3 Kreuzer karmin (Töne)
  • 7 Kreuzer dunkelgraublau
  • 18 Kreuzer ockerbraun

1. April 1872, wie vor, jedoch geänderte Farben

  • 1/2 Kreuzer orange (Töne)
  • 2 Kreuzer orange (Töne)

1. Juni/November 1872, Marken mit großem Brustschild, Buchdruck und Prägedruck, gezähnt.

  • 1/4 Groschen grauviolett
  • 1/3 Groschen gelblichgrün (Töne)
  • 1/2 Groschen rötlichorange (Töne)
  • 1 Groschen karmin
  • 2 Groschen graublau
  • 2 1/2 Gr. orange (Töne)
  • 5 Groschen ockerbraun

Guldenwährung

  • 1 Kreuzer gelblichgrün
  • 2 Kreuzer rötlichorange (Töne)
  • 3 Kreuzer rotkarmin (Töne)
  • 7 Kreuzer grau-ultramarin.
  • 9 Kreuzer rötlichbraun (Töne)
  • 18 Kreuzer ockerbraun

1. Januar 1874, Freimarken der vorherigen Ausgabe (2 1/2 Groschen und 9 Kreuzer) mit Buchdruck-Aufdruck in Farbe der Marke

  • 2 1/2 auf 2 1/2 Groschen orange (Töne)
  • 9 auf 9 Kreuzer rötlichbraun (Töne)

Kleines und Großes Brustschild

Eigentlich war mit der Kabinettsorder vom 3. August 1871 das endgültige Aussehen des Reichsadlers bereits festgelegt: Es sollte der Adler mit dem großen Brustschild und den Bändern an der Krone sein. Dass jedoch die ersten elf Briefmarken des Deutschen Reich noch mit eingeprägtem kleinen Brustschild hergestellt wurden, also ein Provisorium waren, lag an den bereits vorbereiteten Druckplatten. Diese wurden nach einer früheren Kabinettsorder entworfen und sollten aus rein wirtschaftlichen Erwägungen vorerst verwendet werden. Die Herstellung solch aufwendiger Druckplatten war teuer. Eine pünktliche Ausgabe der Brustschildmarken zum 1. Januar 1872 wäre mit der Prägung des großen Brustschild unmöglich gewesen. Im Oktober 1871 erfolgte die kaiserliche Genehmigung zur Ausgabe der uns bekannten Briefmarken mit dem Brustschild nach einem früheren Entwurf: dem kleinen Brustschild.

Allerdings wurde bei der oben erwähnten kaiserlichen Genehmigung ausdrücklich festgelegt, dass das Prägemuster des kleinen Brustschild überholt sei und durch den aktuellen Entwurf mit dem großen Brustschild zu ersetzen sei. Restbestände sollten jedoch verbraucht werden. Allerdings wurden auch noch die 1/2-Groschen- und die 2-Groschen-Marke vom April 1871 (die Werte in der Farbänderung, um den Postbeamten die Unterscheidbarkeit zur karminrosafarbenen 1-Groschen-Marke beziehungsweise zur karminfarbenen 3-Kreuzer-Marke zu vereinfachen) mit dem kleinen Brustschild geprägt.

Mit der Ausgabe vom Juli 1872 folgten dann die Briefmarken mit endgültigem Reichsadler mit dem großen Brustschild und den Bändern an der Krone.

Farben und Farbvarianten

Abgesehen von den Werten in grüner Farbe und der ockerfarbenen 5-Groschen-Marke kann man von den so tonreichen Farben der Brustschildmarken nicht von katalogisierbaren Varianten sprechen. Die zahlreichen Farbtönungen der ersten Reichsausgabe haben ihre Ursache in der nicht gleichgebliebenen Qualität der Druckfarben sowie auf ungleichmäßigen Farbauftrag.

Ein weiterer Faktor ist die Arbeit des Zurichters. Arbeitet dieser genauer oder ungenauer, spiegelt sich dies letztlich endlich auch im Farbton wider. Nimmt man alle genannten Faktoren zusammen, erklären sich die so zahlreich vertretenen Farbtöne der Brustschild-Marken recht einfach.

Bei der grünen 1/2-Groschen-Marke vom Januar 1872 (Kleines Brustschild) unterscheidet der Michel-Katalog zwei Farbvarianten, einmal gelblichgrün getönt von hell bis dunkel und dunkelgrau-smaragdgrün (Michel-Nummern 2a und 2b), wobei die smaragdgrüne Variante erheblich seltener ist als die zuerst genannte.

Desgleichen verhält es sich mit der 1/3-Groschen-Marke vom Juni 1872, der Wert mit dem großen Brustschild. Auch bei dieser Marke werden die schon oben benannten beiden Farbvarianten unterschieden.

Die braunfarbenen 2 1/2-Groschen beziehungsweise die ebenso braunfarbene 9-Kreuzer-Marke existieren in jeweils drei Varianten. Diese sind lebhaftbraunorange, lilabraun und lebhaftbraun.

Im Michel sind diese beiden Marken unter 21a, b und c und 27a, b und c zu finden, bei beiden Marken sind die Varianten b und c die selteneren.

Unterschiedliche Markengrößen

Bedingt durch den ungleichmäßigen Vorschub der Zähnungsmaschine bei der Herstellung der Brustschildmarken fielen die Briefmarken unterschiedlich groß aus. Im Wesentlichen kann man die Marken in vier unterschiedliche Formate einteilen:

  • 14 Zähnungslöcher (sehr klein)
  • 15 Zähnungslöcher (klein)
  • 16 Zähnungslöcher (normal bis etwas größer)

Formate, welche von der Kategorie „normal“ abweichen, verdienen bei der Bewertung 20-25 % Aufschlag, wenn die Marke geprüft (und echt) ist. Nachzähnungen kommen leider viel zu häufig vor.

Weiterhin kommen Brustschild-Marken mit rauer Zähnung vor, welche ebenfalls einen Aufschlag von bis zu 40 % verdienen, und Marken mit fehlenden Zahnlöchern.

Die Erhaltung

Wirklich postfrische Brustschildmarken sind außerordentlich selten und werden dementsprechend teuer gehandelt. Meist findet man Falzmarken oder solche mit Falzspuren -oder Resten. Diese Markenerhaltung ist der Normalfall. Reichlich vorhanden sind auch ungebrauchte Marken völlig ohne Gummi, diese sind am günstigsten zu bekommen. An dieser Stelle sei ausdrücklich vor nachgummierten und entfalzten Exemplaren gewarnt, besonders bei den teureren und den ganz teuren Werten. Wie immer, ergeht auch hier die Empfehlung, sich nur auf den BPP-Prüfer zu verlassen.

Wenn man sich die Zähnung der ersten beiden Ausgaben bei mehreren, besser vielen Brustschildmarken sehr genau betrachtet, fällt auf, dass ein Teil der Marken wie von der Bildseite aus gezähnt wirken, der andere Teil wie von der Rückseite aus gezähnt. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, das genau dies auch geschehen ist. Der Grund dafür können Versuche sein, die schnelle Abnutzung der Zähnungsnadeln etwas zu verringern. Tatsächlich war es so, dass die Nadeln recht schnell stumpf wurden. Dies ist an den manchmal unsauber gezähnten Brustschildmarken leicht nachzuvollziehen.

Besonders bei gestempelten Marken hat die saubere Ausprägung des Reichsadlers mit der Aachener Krone gelitten, manche Exemplare sind ganz flach. Die Marken wurden vermutlich nach dem Ablösen vom Umschlag oder Briefstück gepresst, so ging das Relief verloren. Aber auch durch unsachgemäße Lagerung, in liegenden Alben zum Beispiel, kann die feine Ausprägung des Brustschild-Adlers komplett verschwinden. Dagegen sind Marken, bei denen sogar noch die feine Gitterstruktur um den Reichsadler erkennbar ist, außerordentlich selten und diese Marken werden hoch bezahlt.

Gebrauchte Marken sind oft mit dem Hufeisenstempel entwertet, auch solche mit nachverwendeten Altdeutschland-Stempeln findet man recht häufig.

Gut zentrierte Marken sind nicht der Normalfall. Brustschildmarken mit perfektem Erscheinungsbild sind deutlich höher bewertet als die „Durchschnitts-Brustschilde“.

Deutsches Reich großer Brustschild 1/4 Groschen grauviolett, 2 1/2 Groschen braun und 18 Kreuzer

Die Bewertung der Brustschild-Marken

Wie oben bereits erwähnt, sind einwandfrei postfrische Brustschild-Marken von vielen Ausgaben außerordentlich selten. Dies spiegelt sich auch in den Preisen wider, welche Sammler bereit sind, für postfrische Marken der ersten Reichspostausgaben zu zahlen. Bis zu vierstellige Beträge müssen Philatelisten für postfrische Brustschild-Marken kalkulieren. Aber auch ungebrauchte Briefmarken mit Originalgummi sind nicht häufig anzutreffen, auch für solche Marken werden recht hohe Beträge verlangt, wenn die Briefmarken nicht gerade ohne Obligo sind.

Bei den gestempelten Marken der Brustschild-Ausgaben stechen in der Bewertung zwei Marken ganz besonders hervor: die orangene 2-Kreuzer-Marke mit dem großen Brustschild und die ockerfarbene 18-Kreuzer-Marke. Beide sind gebraucht (und durch Prüfung für „echt“ befunden), außerordentlich selten und sind im Michel jeweils im mittleren vierstelligen Bereich bewertet. Diese Marken sollten immer mit Fotoattest beziehungsweise Fotobefund erworben werden, da Stempelfälschungen bei diesen Brustschilden häufig sind. Ein BPP-Signum auf der Rückseite der Marke ist als Obligo etwas wenig, weil: Wer Stempel fälscht, fälscht auch Prüfsignaturen!

Plattenfehler und andere Abarten

Plattenfehler sind wiederkehrende Unregelmäßigkeiten im Markenbild, welche sich auf Beschädigungen am Klischee zurückführen lassen und müssen klar von den bei Brustschildmarken sehr häufig vorkommenden Druckzufälligkeiten unterschieden werden. Druckzufälligkeiten entstehen durch Staub oder andere Verschmutzungen der Druckplatte und kommen in der Regel nur einmalig oder sehr wenige Male vor.

Bei den Plattenfehlern unterscheidet man im Wesentlichen primäre Plattenfehler und Sekundäre. Die Ersteren sind schon bei Druckbeginn vorhanden, die Letzteren entstehen während des Druckvorganges oder beim Zurichten.

Bei den Plattenfehlern der Brustschild-Marken unterscheidet man grundsätzlich zwischen primären und sekundären Plattenfehlern.

Von Hauptfehlern spricht man, wenn mehrere Plattenfehler für ein bestimmtes Bogenfeld charakteristisch sind.

Plattenfehler bei den Brustschildmarken sind so zahlreich, dass der Schwaneberger-Verlag einen eigenen Katalog zum Thema herausgegeben hat („Plattenfehler auf den Brustschildmarken Deutsches Reich 1872-1874″).

Brüche im Rahmen, Beschädigungen der Inschriften, Farbstriche, Punkte, gebrochene Buchstaben und Zahlen sowie Striche und andere Fehler im Markenbild der Brustschilde sind recht häufig zu finden. Teilweise werden recht hohe Preise für die einzelnen Abarten gezahlt.

Ein eigenes Feld sind die Schraubenkopf-Abdrücke bei den Erstausgaben des Deutschen Reich. Mit gedruckt wurden manchmal die Köpfe von Befestigungsschrauben der Druckmatritze. Zu finden sind die Schraubenkopfabdrücke immer im geprägten Markenteil, aber an keiner anderen Stelle der Marke. Da das Mittelstück geprägt wurde, blieb dieses beim Farbdruckvorgang leer, an diese Stelle wahren wohl im Klischee Schrauben befestigt. Hat der Zurichter oder der Drucker ungenau gearbeitet, ragten die Schraubenköpfe zu weit vor und hinterließen einen manchmal vollen, manchmal mondförmigen Abdruck in der Mitte der Marke.

Allerdings gibt es noch offene Fragen zu diesem Thema, die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Fakt ist allerdings, dass Schraubenkopfabdrücke bei Spezialsammlern außerordentlich beliebt sind.

Nachverwendete Altdeutschland-Stempel

Ein großes Thema bei den ersten Ausgaben des Deutschen Reiches sind Entwertungen mit nachverwendeten Altdeutschland-Stempeln. Vielerorts wurden die teuer hergestellten Stempel verschiedener altdeutscher Postverwaltungen nicht einfach entsorgt, sondern bei der Deutschen Reichspost weiter verwendet. So finden sich schon einmal Kastenstempel, Fächerstempel und anderer Formen, welche man sonst nur auf Briefmarken Deutscher Staaten sieht, auf den Brustschilden wieder. Eine Spezialsammlung mit nachverwendeten Stempeln auf Brustschildmarken muss nicht unerschwinglich sein, wenn man sich auf gebrauchte Stücke preiswerter Ausgaben konzentriert.

Die ARGE Brustschilde hat zu diesem Thema ein Buch veröffentlicht, welches sich sehr eingehend mit diesem Spezialthema befasst.

Die Brustschild-Briefmarken-Spezialsammlung

Eine komplette Brustschildmarken-Sammlung kann recht umfangreich werden, konzentriert man sich nicht nur auf die Hauptnummern, sondern berücksichtigt man auch verschiedene Markengrößen, Plattenfehler und Schraubenköpfe sowie nachverwendete Altdeutschland-Stempel oder die Vielzahl der möglichen Ortsstempel. Wie oben bereits erwähnt sind nicht alle Brustschildmarken erschwinglich und mit genügend Ausdauer kann man sicherlich eine ansprechende Sammlung aufbauen.

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