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Briefmarken im Wasserbad ablösen und trocknen – Tipps und Tricks inklusive Anleitung

Die meist erste Amtshandlung eines neugeborenen Philatelisten, daran können wir uns alle erinnern, ist das „Abweichen“ von Briefmarken. Jeder kennt die welligen Dinger, die bei den ersten Versuchen, Briefmarken im Wasserbad abzulösen, herauskamen. Jeder kann sich erinnern, dass so manche Marken, ungeduldig vom Papier abgezogen, dünne Stellen bekamen…

Über kaum ein Thema ist so viel geschrieben, geredet und diskutiert worden wie über das richtige Ablösen von Briefmarken. Dabei ist es damit, wie mit dem punktgenauen Kochen eines Eies: eigentlich ganz einfach, aber wenige bekommen es so richtig hin. Aus diesem Grund fassen wir die gesammelten Fakten zum Thema noch einmal zusammen, damit nichts mehr schiefgehen kann.

Briefmarken ablösen: wirklich notwendig?

In der Vergangenheit war das Ablösen von Briefmarken eine Standard-Beschäftigung. Da wurden Mengen von Ausschnitten gesammelt, zugeschnitten und anschließend in ein Wasserbad befördert. Leider auch klassische Marken. Aus diesem Grund sind die meisten älteren Briefmarken, das heißt Briefmarkenausgaben bis in etwa 1950 und besonders klassische Marken auf Brief oder Briefstück recht selten und oft um ein Vielfaches teurer als lose Briefmarken.

Hinzu kommt, dass Briefe und Briefstücke für den Philatelisten in der Regel viel interessanter sind als lose Briefmarken, da besonders ganzheitlich erhaltene Sendungen eine (postalische) Geschichte erzählen. Nicht ganz ohne Grund erzielen komplett erhaltene Briefe aus der klassischen Periode oft astronomische Preise auf Auktionen.

Besonders für den Sammler von Stempeln sind komplette Ganzsachen und Ganzstücke sehr viel interessanter als Marken mit Stempelfragmenten. Der komplette Stempelabschlag auf einem Brief oder Briefstück gibt eben ein vollständigeres Bild ab.

Also ist es sinnvoll, Briefe und Briefstücke vor dem Zuschneiden und dem Wässern genau zu kontrollieren:

  • Handelt es sich um eine ältere Briefmarkenausgabe, vielleicht sogar aus der Briefmarken-Klassik?
  • Mit dem Katalog überprüfen: Ersttag? Letzttag?
  • Vorverwendeter Stempel? Sonderstempel?
  • Trägt die Briefmarke einen anderen „nicht-üblichen“ Stempel?
  • Vorsicht: ist die Briefmarke wasserempfindlich?
Kann man ohne Bedenken ablösen: moderne Briefmarken aus der Bedarfspost

Im Zweifel gilt: besser die Briefmarke nicht ablösen. Besonders bei älteren Ausgaben kann das Ablösen von Briefmarken fatale Folgen haben. Ein Beispiel:

In den frühen Jahren der deutschen Kolonialgeschichte wurden in der Regel Briefmarken des Deutschen Reiches für die Freimachung von Postsendungen in und aus den Kolonien verwendet. Diese Briefmarken sind nur durch ihren Stempel als sogenannten Vorläufer auszumachen. Die Vorläufer deutscher Kolonialausgaben erzielen – im Verhältnis zu den im Deutschen Reich verwendeten Marken – recht hohe Preise. Löst man eine solche Briefmarke vom Briefstück ab, ist die Marke vielleicht nicht mehr als Vorläufer erkennbar und so als wertvolles Stück Zeitgeschichte verloren. Allerdings wäre es auch so „ein Frevel“, eine Briefmarke aus dieser Epoche abzulösen.

Besser nicht ins Wasserbad: Briefstücke mit Marken der deutschen Kolonialzeit

Waschen von Briefmarken

Manchmal sind, oftmals ältere Briefmarken, grau durch Verschmutzung, verfalzt oder mit Papier- oder Gummiresten behaftet. Jeder Sammler kennt solche unansehnlichen Stücke. Um das Erscheinungsbild solcher Briefmarken zu verbessern, kann man die betreffenden Marken waschen. Ähnlich wie beim herkömmlichen Ablösen von Briefmarken werden die Marken für eine kurze Zeit in ein Wasserbad gegeben und anschließend getrocknet. In vielen Fällen trägt das Waschen der Marken zur Verbesserung des Erscheinungsbildes der Marke bei. Jedoch ist Vorsicht geboten, besonders bei alten und wertvollen Briefmarken. Jedes Wässern einer Briefmarke bringt – zumindest während des Wässerns – eine Beeinflussung der Papierstruktur mit sich, welche sich negativ auf die Erhaltung auswirken kann. Neuere Briefmarken sind da recht robust, klassische Marken sollte man jedoch eher vom Wasser fernhalten. Bei der Entscheidung, eine Briefmarke zu waschen, ist Augenmaß besonders wichtig.

Briefmarken vom Papier ablösen – Die Vorbereitung

  • Zwei Schüsseln: Plastik, Glas oder Keramik, besser nichts aus Metall.
    Die eine Schüssel verwenden wir zum Ablösen der Marken, die andere zum Spülen.
  • Handwarmes Wasser ohne jede Zusätze. Gut eignet sich gefiltertes Wasser.
  • Ein neutrales, nicht bedrucktes Löschpapier. Sie würden Ihren Kaffee auch nicht durch einen bunten Filter laufen lassen…
  • Vielleicht einen Katalog um Hinweise zu finden, ob eine Briefmarke wasserempfindliche Farben hat oder andere Gründe dafür sprechen könnten, die Briefmarke vom Wasser fernzuhalten.

Was wir nicht brauchen:

  • Spülmittel oder ähnliche Zusätze für das Wasser. Wirklich nicht!
  • Pinzette. Die nassen Marken aus dem Wasserbad sind empfindlich. Und werden vorsichtig mit den (sauberen!) Fingern aus dem Bad gefischt. Eine Pinzette ist zu grob dafür
  • Heizpressen, elektrische Trockner, Föhne oder ähnlichen Unsinn

Worauf wir achten müssen:

  • Schon mal ein verfärbtes Hemd gehabt? Wasser löst nicht nur den Markengummi, sondern auch die Farbe von Kugelschreibern. Deshalb ist darauf zu achten, dass das abzulösende Papier frei von irgendwelchen Schriftzügen ist. Notfalls muss man etwas knapper schneiden. Aus dem gleichen Grund und oft vergessen: Man muss besonders auf Reste inwendig bedruckter Umschläge achten. Auch hier löst sich die Farbe gern und legt sich anschließend wie ein Schleier über die Briefmarken.
  • Manche Briefmarken sind von Haus aus wasserempfindlich. Diese Marken sollten nicht abgelöst werden. Zumindest nicht nach der herkömmlichen Methode. Der Katalog gibt Antworten.
  • Nicht zu kurz und nicht zu lange wässern. 5 bis 10 Minuten genügen in der Regel. Bleiben Sie an Ihrer Schüssel und rühren Sie vielleicht ab und zu vorsichtig mit dem Finger um. Sie sehen dann schon, welche Briefmarken sie herausnehmen können. Die Marken lösen sich nie alle gleichzeitig ab! Sie werden mit der Zeit Ihre Erfahrungen sammeln.
  • Marken mit Prägungen sollten nicht gepresst werden!

7 einfache Schritte wie Sie die Briefmarken vom Papier mit Wasser ablösen:

  1. Zuerst suchen wir unsere Hilfsmittel zusammen: Schüssel, Löschpapier und so weiter. Danach bereiten wir unser Material vor: Knapper schneiden, auf Farben achten und ähnliches.
  2. Dann geben wir eine der Schüsselgröße entsprechende Menge abzulösender Briefmarken ins handwarme Wasser. Somit eher weniger als zu viele Marken.
  3. Warten und mit den Fingern das Wasser ab und zu bewegen
  4. Die abgelösten Marken mit den Fingern herausnehmen und anschießend in die zweite Schüssel mit klarem, auch handwarmem Wasser geben. Kurz schwenken, dann aufs Löschpapier legen.
  5. Kontrollieren, ob sich noch Reste der Gummierung auf der Briefmarkenrückseite befinden, um das Verkleben der Briefmarken zu verhindern.
  6. Sind genug Marken auf dem Löschpapier versammelt: Diese mit einer weiteren Lage Löschpapier abdecken. Und dann mit einem altem Buch beschweren.
  7. Trocknung braucht Geduld: Am nächsten Tag können Sie die Marken sortieren.

Video zum Thema Ablösen von Briefmarken im Wasserbad

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Fragen und Antworten zum Ablösen von Briefmarken, auch „Waschen“ genannt:

Soll man jede Briefmarke vom Papier befreien?

Nein. Viele ältere Marken und so ziemlich jede klassisch Briefmarke ist auf einem Briefstück wertvoller. Abgelöst werden meist moderne Marken von Motivsammlern.

Briefmarken mit speziellen Briefmarkenlösern ablösen?

Kann man machen, wenn einem die Marken nicht so wichtig sind. Dann kann man sie aber auch direkt vom Papier abreißen. Ernstzunehmende Briefmarkensammler verwenden solche Mittel nicht, weil sie mit den Briefmarkenlösern den Marken schaden können!

Feinseife zum Reinigen von Briefmarken?

Prinzipiell kann man mit sehr milder Seifenlauge Briefmarken von Verunreinigungen reinigen. Sie sollten dazu über ausreichende Erfahrungswerte verfügen, da jede Substanz die empfindlichen Marken angreifen kann. Wenn Sie eine Briefmarke mit Seife reinigen wollen, sollte dies nur die letzte Alternative sein. Nur reine Seife und nur ganz wenig davon verwenden!

Zusammenfassung

  • Vor dem Ablösen genau kontrollieren, ob etwas für den Erhalt eines kompletten Briefes oder Briefstückes spricht, im Zweifel nicht ablösen, siehe oben
  • Komplette Briefstücke und Briefe sind für den Philatelisten in der Regel wertvoller als lose Marken
  • Zum Ablösen nur klares Wasser ohne jeden Zusatz verwenden, keine Pinzette benutzen
  • Lange genug trocknen lassen

7 KOMMENTARE

  1. ich habe viele amerikanische Briefmarken, die lassen sich mit Wasser (oben beschrieben) nicht ablösen.
    auch bei einigen anderen, z.B. die privaten Postdienste, nicht DP, verwenden einen anderen Kleber.
    Wie kann man die ablösen?

    • Hallo Peter,
      es gibt Marken, die lassen sich mit nur lauwarmen Wasser nicht oder schlecht ablösen. Sicherlich gibt es weitere Tipps rund um das Ablösen vom Papier, aber mit unserer Herangehensweise haben wir die beste Erfahrung gemacht.
      Zudem gibt es natürlich auch künstliche / chemische Briefmarkenablöser, aber diese könnten mehr zerstören als sie Nutzen bringen. Aus persönlicher Erfahrung raten wir aber von solchen Lösern ab, da nicht abzusehen ist, wie sich solche Produkte auf die Briefmarke auswirken. Bestenfalls kannst Du „Pobeablösungen“ mit einem Briefmarkenablöser machen, wenn dir genug Exemplare zum „Testen“ vorliegen und diese keinen besonderen Wert darstellen. Im Zweifel lässt Du die Marken auf dem Papier und schneidest sie nur zu, (ohne den Stempel zu beschädigen), dies ist in keiner Weise wertmindernd, im Gegenteil.

      • Sehr geehrter S.H.,
        scheinbar sind Sie nicht zum gewünschten Ergebnis gekommen. An welcher Stelle kommen Sie nicht weiter? Sicherlich gibt es Fälle, in denen es nicht oder nur schwer möglich ist, die Briefmarken mit dieser Methode abzulösen. Es gibt unzählige weitere Tipps rund um das Ablösen vom Papier, doch mit der beschriebenen Herangehensweise haben wir die beste Erfahrung gemacht.

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