Zum Wert von Briefmarken
…und andere Fragen zur Philatelie und zum Briefmarkensammeln

Spinat hat viel Eisen, je älter ein Wein, desto besser ist er und beim Schielen bleiben die Augen stehen. So manche Weisheiten halten sich hartnäckig und überdauern Generationen. Genau so sieht es in den Köpfen der Nicht-Philatelisten aus, wenn’s um das Thema Briefmarken geht: nur ungestempelte Briefmarken haben Wert, Opas alte Briefmarkensammlung bringt ein Vermögen, die 100 Millionen-Briefmarke ist die Rarität der Familie….

Heute führen wir Sie als Leser in die Welt der Philatelie ein. Wir beginnen damit uns oft per E-Mail gestellte Fragen aufzugreifen und zu beantworten. Dies werden wir in loser Reihenfolge machen. Sollte der geschätzte Leser eine oder mehrere Fragen haben, so schreiben Sie uns diese. Wir sind uns sicher, dass unser Fragenkatalog mit der Zeit zunehmen wird.

Fangen wir an:

Eine Frage hören wir ständig..

„Was ist die Blaue Mauritius wert und wie viele gibt es?“

Die Blaue Mauritius werden in Auktionen für ca 1 Million € (1.000.000 €) das Stück verkauft. Die Rote Mauritius kostet wiederum „nur“ die Hälfte der Blauen. Allerdings wurde der Bordeaux-Brief, auf dem sich beide befinden für über 5 Millionen Euro verkauft. Sämtliche Stücke sind in der Hand von Museen, der britischen Krone und einigen wenigen Millionären. Es ist die Existenz von 12 Blauen Mauritius und 15 Roten Mauritius bekannt. Das heißt aber nicht, dass nicht irgendwo noch die eine oder andere rumgeistert…

Blaue und Rote Mauritius als Kombination
Kombination der 2 Mauritius-Marken

→ Zum Artikel: Entstehung der Blauen Mauritius

Daraus ergibt sich – wie erwartet – die Frage:

„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, eine Blaue Mauritius oder eine andere teure, wertvolle, rare Briefmarke auf dem Dachboden, auf dem Flohmarkt oder in einer alten Schülersammlung zu finden?“

Naja, in Bezug auf die Blaue Mauritius ist die Frage wohl schnell beantwortet: ein Sechser mit Superzahl bei 33 Grad ist wahrscheinlicher. Schon immer sind Glücksritter der Weltrarität nachgejagt und so alle möglicherweise in Frage kommenden Briefmarkenbestände nach der seltenen Blauen durchgefiltert. Sie wären also nicht der Erste. Hinzukommt: wie soll die Marke auf Opas Dachboden gekommen sein?

Dies sollte Sie aber nicht davon abhalten alte Alben, wie zum Beispiel die Briefmarkensammlung aus Ihrer Schulzeit durchzusehen. Sie werden vielleicht keine Mauritius finden, aber vielleicht eine andere seltene Briefmarke, einen Plattenfehler, einen anderen Fehldruck, eine seltene Farbvariante einer Marke oder einfach nur eine seltene Ausgabe einer Briefmarke. Sie sehen also, es ist gar nicht so schlimm, der Sucht der Philatelie anheim zu fallen. Auch wenn Sie keine teure Briefmarken finden und an Geld reich werden. Der Reichtum der Freude am Sammeln ist mit nichts aufzuwiegen!

Eine wertvolle Briefmarke gefunden: Echt oder falsch?

„Ich habe eine Briefmarke gefunden. In einem meiner alten Alben. Diese scheint laut Katalog wertvoll zu sein. Der Händler hat mir aber nur einen geringen Preis geboten, weil sie nicht geprüft ist…“

Dies ist eine gängige Praxis, weil von wertvollen Briefmarken viele Fälschungen im Umlauf sind. Wer für solche Stücke viel Geld ausgeben will, sollte daher auch auf Nummer sicher gehen, dass die Marke echt ist. Die Prüfung sollte von einem Prüfer aus dem „Bund Philatelistischer Prüfer“ getätigt sein. Diese sind auf der Rückseite entsprechend signiert oder es gibt zur Marke einen Kurzbefund bzw. ein Attest.

Vorsicht heißt es bei „Freien Prüfern“. Jeder darf sich als „Freier Prüfer“ bezeichnen. Es mag den einen oder anderen seriösen „Freien Prüfer“ geben, aber generell sind Sie mit BPP-geprüften Briefmarken auf der sicheren Seite. Die Händler sehen dies genauso und akzeptieren im Regelfall die Signaturen oder Befunde bzw. Atteste von anerkannten Prüfern.

Eine verwandte Frage, offensichtlich dreht sich alles ums Geld:

„Ich habe Briefmarken mit hohem Werteindruck: 100 Millionen Mark: was sind die wert?“

Diese Briefmarken stammen wahrscheinlich aus der Zeit der deutschen Hochinflation, also dem Anfang der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Die Briefmarken sind nicht automatisch viel Geld wert – vom geschichtlich hohen Wert einmal abgesehen. Die Marken wurden infolge der rasenden Geldentwertung massenhaft gedruckt und sind dementsprechend oft vorhanden. Einige echt gelaufene Inflationsmarken sind allerdings recht selten und bis zu einigen hundert Euro wert.
VORSICHT: Gerade bei den gestempelten Inflationsmarken kursieren viele Stempelfälschungen. Eine Prüfung ist daher unerlässlich!

2 Million Mark Briefmarken
Inflationsmarken für 2 Millionen Mark

Wieder eine Frage mit finanziellem Bezug:

„Ich habe eine Briefmarkensammlung geerbt, aber ich sammle nicht und möchte die Alben verkaufen. Wie mache ich das am besten?“

Holen Sie sich einen seriösen Rat bei den zahlreichen Briefmarkenvereinen oder einem Händler ihres Vertrauens. Die Mitglieder des BDPH sind gesellige und hilfsbereite Zeitgenossen mit einem „gerüttelten Maß“ Fachwissen, welches sie nicht einmal in der philatelistischen Literatur finden. Bei Vereinen bekommen Sie auf jeden Fall fachlichen Rat und niemand wird Sie dort übervorteilen. Suchen Sie sich einfach die Telefonnummer oder die E-Mail-Adresse des Briefmarkensammlerverein Ihres Ortes heraus und machen Sie dort einen Termin: dann wird alles gut!

Es hindert Sie allerdings nichts daran, auch selbst mal Ihre geerbten Alben durchzuschauen. Dazu gehört selbstverständlich das geeignete Werkzeug und somit der Briefmarkenkatalog. In Deutschland gibt es gleich mehrere Kataloge: Michel, Philex, DNK. Welchen der vielen Briefmarkenkataloge Sie zur Rate ziehen, liegt ganz allein bei Ihnen. Eine tendenzielle Bewertung gelingt auch mit einem Exemplar, welches einige Jahre auf dem Umschlag hat.

Beispiel eines Michel Katalogs von 2016
Beispiel eines Katalogs: Michel

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