DDR Umlaufmünzen: Leichtgewichte der deutschen Numismatik

Die Geschichte der DDR-Umlaufmünzen

Mit der Währungsreform vom 24. Juni 1948 hatten die damaligen West-Alliierten eigenständig eine Währungsreform in Angriff genommen. Dies war ohne Abstimmung mit der Sowjetunion geschehen, daher war eine gesamtdeutsche Nachkriegspolitik gescheitert.

Mit der Gründung der DDR bekam diese eine neue Währung, die „Deutsche Mark“, welche neben der gleichnamigen D-Mark der West-Zonen bzw. der Bundesrepublik Deutschland existierte.

In der Nacht vom 20. zum 21. März wurde es Wahrheit, der erste wirkliche Schritt zur deutschen Teilung vollzogen: die DM, die Deutsche Mark, wurde in den Westzonen Deutschlands eingeführt.

Über Nacht waren auf dem Gebiet der drei Westmächte die Geschäfte wieder gefüllt, die deutsche Währung wieder etwas wert und das „Wirtschaftswunder“ lief an. Dies galt auch für die drei West-Zonen im besetzten Berlin, was die Russen als besonderen Affront betrachteten. Dadurch war nun die von diesen nachdrücklich geforderte Übergabe an die Sowjetische Besatzungszone endgültig vom Tisch.

Wie sah es jedoch in der sogenannten Ost-Zone, auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungs-Zone aus? Hier war mangels der Alternativen immer noch die alte Reichsmark gültig. Drei Tage nach der Währungsreform der West-Alliierten reagierte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit der kompletten Abriegelung Berlins, also der Berlin-Blockade und der völlig übereilten eigenen Währungsreform. Diese wurde zwar schon seit 1947 vorbereitet, war aber, wie viele geplante Vorhaben auf ostdeutschem Boden, nicht umsetzungsreif. Die Gründe dafür waren in der desolaten Wirtschaftslage zu suchen.

Im Westen voll, im Osten leer…

…waren die Regale in den Geschäften nach der jeweiligen Währungsreform. In der Sowjetischen Zone stand ein geringes Warenvolumen einem hohen Geldvolumen gegenüber, und so gab es in der Ost-Zone nach der Währungsreform noch weniger zu kaufen als davor. Die Gründe dafür sind in einem nicht wirklich vorhandenen wirtschaftlichen Aufbauprogramm zu suchen, erschwert noch von den Reparationsforderungen und der damit verbundenen Demontage der Fabriken der DDR. Auf diese Weise wurden die Produktionskapazitäten der SBZ in den ersten drei Jahren nahezu halbiert.
War der Kurs der Ost-Mark zur West-Mark anfänglich 1:1, betrug dieser im August 1948 bereits 2:1 und im September 1948 schon 4:1.

Nazi-Symbolik auf DDR-Münzen?

1948 gab es in Deutschland zwei gleichlautende, aber grundverschiedene Währungen, beide hießen „Deutsche Mark“ und einfach mit dem Zusatz „Ost“ oder „West“ unterscheiden.

Die ersten Kleinmünzen der DDR trugen auf dem Revers eine Ähre mit einem Zahnrad, welche die Produktivität und die Fortschrittlichkeit des „Arbeiter- und Bauernstaates symbolisieren sollten und zugleich das Symbol des 1948 verabschiedeten ersten 2-Jahresplan wurde. Das Motiv war eigentlich für die Münzen des „Reichskommissariat der Ukraine“ vorgesehen und vom Medailleur F. P. Krischker entworfen worden. Die Motive kamen aufgrund der Rückeroberung der Ukraine nicht mehr zu ihrem Ursprünglichen Einsatzzweck und fanden ihre neue Daseinsberechtigung als DDR-Symbolik, wie so viele Dinge, welche aus der Zeit des Dritten Reiches stammten und ihren Eingang in den sozialistischen Arbeiter und Bauernstaat fanden. Ein anderes Beispiel dafür ist der Stahlhelm der DDR, welcher der nicht mehr ausgegebene Stahlhelm der Wehrmacht war. Selbstverständlich wurden solche Dinge nicht „herumposaunt“, es war eben so.

Neues Motiv, gleiche Symbolik: 50 Pfennig

Etwas „aus der Rolle“ gefallen, scheint das neue 50-Pfennig-Stück der damaligen DDR. Das Material aus Alu-Bronze machte sie erheblich schwerer als ihre kleineren Brüder. Zudem war das Münzmetall bei der Münze mit dem damals höchsten Münzwert dunkler als bei den kleineren Werten. Das Motiv auf der Bildseite zeigte eine neue Gestaltung: Ein Pflug vor einem Hüttenwerk. Dieser „Fünfziger“ wurde nur 1949 und 1950 geprägt und herausgegeben. Eine absolute Rarität unter den DDR- Umlaufmünzen stellten die 50-Pfennig-Münzen mit der Jahreszahl „1948“ dar, welche schnell mit vierstelligen Beträgen gehandelt werden, die entsprechende Erhaltung vorausgesetzt.

„Deutsche Mark der Deutschen Notenbank“ (DMDN): Neuer Name, gleicher Wert

Mit der Einführung des ersten Fünf-Jahresplans der DDR erfolgte auch die erste Umbenennung der DDR-Währung in „Deutsche Mark der Deutschen Notenbank“ (DMDN). Die Kleinmünzen der DDR (1,5,10 Pfennige) erhielten revers das Motiv „Hammer und Zirkel im Ehrenkranz“.

Otto Grotewohl selbst, der damalige Ministerpräsiden der DDR, regte die Neugestaltung der Bildseiten an, da die damalige Symbolik –seiner Meinung nach- das Wesen der DDR nicht richtig zum Ausdruck brachte. Mit der vormaligen Gestaltung kam der Intelligenz der DDR, also Ingenieuren, Lehrern usw. nicht genügend Bedeutung zu.

Das endgültige Staatswappen der DDR, Hammer und Zirkel im Ehrenkranz, wurde erst 1955 eingeführt und erst ein Jahr später auf alle neuen Münzen der DDR geprägt.

Wieder Umbenennungen

Am 01. August 1964 erhielt die Währung der DDR einen neuen Namen: „Mark der Deutschen Notenbanken“ (MDN) und vier Jahre später dann ihre endgültige Bezeichnung mit „Mark der DDR“ (M). Bis zur Währungsunion vom 1. Juli 1990 behielten die aktuellen Münzen ihre Gültigkeit und die Kleinmünzen bis 50 Pfennig waren noch bis zum 30. Juni 1991 gültig.

Zwischen 1948 und 1990 hat die DDR 22 verschiedene Klein-bzw. Kursmünzen herausgegeben, drei Mal die Bezeichnung der Währung gewechselt und etliche Male die Münzzeichnung geändert.

Die Umlaufmünzen der DDR finden unter anderem wegen einer ihrer Eigenschaften bei
Numismatikern besondere Beachtung. Es ist das Material der meisten dieser Kleinmünzen, Aluminium (Aluminium 970, Magnesium 30). Eine Ausnahme bilden die ersten
50-Pfennigstücke von 1949 und 1950, sowie die 20 Pfennigstücke und 5-Markstücke, welche aus Bronze-Aluminium oder anderen Legierungen sind.

Die Aluminium-Münzen waren unheimlich leicht, man konnte „die Taschen voller (Klein-) Geld“ haben, ohne ein besonderes Gewicht zu verspüren. Allerdings unterstützte die Haptik der Münzen nicht unbedingt das von Geld erwartete Wertempfinden, und so bekamen die DDR-Münzen viele Spottnamen, von denen die Bezeichnung „Alu-Chips“ noch eine der harmloseren ist.

Hier eine Aufstellung der Kleinmünzen der DDR

1 Pfennig Aluminium

1948-1950 Ähre im Zahnrad 01.01.1972
1952-1953 Hammer, Zirkel, zwei Ähren 01.01.1972
1960-1975 große Eichenblätter und Staatswappen 01.07.1991
1977.1990 kleine Eichenblätter und Staatswappen 01.07.1991

5 Pfennig Aluminium

1948-1950 Ähre im Zahnrad 01.01.1972
1952-1953 Hammer, Zirkel, zwei Ähren 01.01.1972
1968-1975 große Eichenblätter und Staatswappen 01.07.1991
1977.1990 kleine Eichenblätter und Staatswappen 01.07.1991

10 Pfennig Aluminium

1948-1950 Ähre im Zahnrad 01.01.1972
1952-1953 Hammer, Zirkel, zwei Ähren 01.01.1972
1963-1985 große Eichenblätter und Staatswappen 01.07.1991
1986-1990 kleine Eichenblätter und Staatswappen 01.07.1991

20 Pfennige Messing

1964-1971 DDR Staatswappen, kein Münzzeichen 01.07.1991
1972-1990 DDR Staatswappen, Münzzeichen „A“ 01.07.1991

50 Pfennige Aluminiumbronze, ab 1958 Aluminium

1949-1950 Pflug vor Hüttenwerk 01.12.1958
1958 Große Wertzahl, große Blätter, kleines Wappen 01.07.1991
1968-1990 Kleine Wertzahl, kleine Blätter, großes Wappen 01.07.1991

1 Mark Aluminium

1956-1963 Schriftzug „Deutsche Mark“ 01.01.1980
1972 Schriftzug „Mark“, große Wertzahl 01.07.1990
1973-1990 Schriftzug „Mark“, kleine Wertzahl 01.07.1990

2 Mark Aluminium

1957 Wertzahl, Blätter groß, „Deutsche Mark“ 01.07.1980
1972-1990 Wertzahl, Blätter klein, „Mark“ 01.07.1990

5 Mark Kupfer-Nickel, ab 1971 Kupfer-Nickel- Zink

1969 „XX Jahre DDR“, großes Wappen, große Umschrift 01.07.1990
1971-1990 Brandenburger Tor, kleines Wappen, kleine Umschrift 01.07.1990

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