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Onlinekauf von Marken und Belegen: viele Fälschungen auf dem Markt!

Briefmarke Inselpost falscher Aufdruck

Sicherheit beim Online-Kauf von Briefmarken und anderen Sammelgegenständen

Ratgeber: Online-Kauf von Briefmarken

Heutzutage können Sie so ziemlich alles im Internet kaufen: Schlankheitspillen, Elvis‘ letztes Brötchen, russische Ehefrauen und eben auch Briefmarken und andere Sammelgegenstände. Und sicherlich haben Sie heute schon von den Gefahren gehört, die bei Onlinekäufen lauern, insbesondere bei vorab bezahlter Ware.

Gerade Sammler wollen die Sammlerstücke vor dem Kauf gerne genau begutachten wollen, immerhin geht es oft um viel Geld und Herzblut, deshalb stehen Philatelisten und auch Numismatiker Käufen im Internet recht skeptisch gegenüber.

Nun kann man Briefmarkenkäufe im Internet nicht grundsätzlich verteufeln, wie eine Briefmarke auch, hat jedes Ding zwei Seiten: sie sehen die Ware bei einem Onlinekauf nicht real vor sich, aber andererseits haben Sie ungeahnte Möglichkeiten, nach genau dem von Ihnen gesuchten Stück zu suchen, zu jeder Tages- und Nachtzeit, überall wo sie wollen. Wenn Sie das mal mit den Recherchemöglichkeiten bei Ihren örtlichen Briefmarkenhändlern vergleichen, kommen Sie möglicher Weise ans Überlegen.

So vorbehalten man Onlinekäufen von Briefmarken im Internet auch gegenüberstehen mag, eines ist sicherlich generell nicht abzustreiten: Es gibt seriöse Händler im Internet. Und, das dürfen wir als Redaktion von BSB als Erfahrungswert hier weitergeben, es sind die meisten, zumindest im deutschsprachigen Raum. Worauf muss man nun achten, um nicht auf die Nase zu fallen? Hier einige Punkte:

Briefmarken Online-Händler: wer ist seriös?

  • Halten Sie sich an namhafte Händler, viele renommierte Händler, welche schon seit Jahrzehnten Ladengeschäfte betreiben, bieten ihre Ware auch online an, die Händler sollten Mitglieder APHV sein. So brauchen Sie nicht auf Offerten unbekannter Händler zurückgreifen.

  • Einen guten Schutz bietet eine Mitgliedschaft beim BDPh. Der Bund deutscher Philatelisten bietet umfangreiche Hilfestellung bei und vor Problemen mit Onlinekäufen an. Empfehlenswert ist insbesondere die Rechtschutzversicherung des BDPh.

  • Kaufen Sie besonders hochwertige Ware nicht bei einem unbekannten Händlern und schon gar nicht auf Vorkasse. Informieren Sie sich bei Ihren Sammlerfreunden und beim örtlichen Briefmarkenverein. Wenn Sie die Ware UN-BE-DINGT kaufen wollen und es gar keine andere Möglichkeit als Vorkasse gibt, können Sie vielleicht eine einmalige Bankeinzugsermächtigung erteilen, sprechen Sie dies mit dem Händler telefonisch ab. Somit haben Sie die Möglichkeit, im Betrugsfalle Ihr Geld zurück zu bekommen.

  • Ohnehin sind Telefonate mit Händlern eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob ein Händler vielleicht „nicht ganz koscher ist“. Sie als Philatelist merken es sehr schnell, ob Sie da jemand „übern Tisch ziehen“ will, sprich, ob er weiß, wovon er redet, oder ob er einfach nur etwas verschleudern will. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Ist ein Onlinehändler nie erreichbar, ist maximale Vorsicht geboten.

  • Seien Sie besser vorsichtig bei Händlern, welche merkwürdige Zahlungswege, beispielsweise übers Ausland, verlangen. Die gute alte Banküberweisung auf ein deutsches (oder österreichisches usw.) Konto sollte es sein, nichts anderes. Auch Bezahlmöglichkeiten wie PayPal bieten einen gewissen Schutz, zum Beispiel bei Ebay-Käufen.

  • Seien Sie misstrauisch bei besonders günstigen Angeboten. Den Schwarzen Einser gibt’s nun mal nicht für dreifuffzich.

  • Wer Vorkasse bei Auslandskäufen von Privat leistet, geht das maximales Risiko ein, weder die Ware zu bekommen, noch sein Geld je wieder zu sehen.

  • Sie können auch im Internet nach Erfahrungsberichten zu Händlern recherchieren. Da finden Sie manchmal mehr, als sie vorher vermuten!

Ebay, Hood und Co.

Generell kann man sagen, dass die bekannten und renommierten Online-Auktionshäuser grundsätzlich auf die Seriosität ihrer Verkäufer achten, insbesondere Ebay sperrt konsequent (bekannte) Betrüger aus. Das heißt allerdings nicht, dass man absolut sicher vor Reinfällen bei Ebay-Käufen ist.

Wir geben hier einmal ein paar Tipps, diese sind Erfahrungswerte. Auch wir haben schon mehr als einmal über Ebay gekauft und haben größtenteils positive Erfahrungen gemacht, allerdings haben wir auch nie „auf Teufel komm raus“ jedes Schnäppchen ersteigert. Anders als bei deutschen Gerichten gilt bei Online-Angeboten: „Im Zweifel gegen den Kauf“!

Seriöse Verkäufer:

  • haben 100% positive Bewertungen. Sollten auch negative Bewertungen dabei sein, lesen Sie diese, sie geben Aufschluss über das grundsätzliche Verhalten von Verkäufern. Manchmal hatte der Käufer einfach nur einen schlechten Tag

  • sind schon lange bei Ebay und haben viele Verkäufe getätigt

  • bieten Bezahlung per PayPal, also mit Käuferschutz, an

  • haben komplette Beschreibungen ihrer Ware und gut erkennbare Abbildungen. Seien Sie vorsichtig bei unscharfen Bildern

  • können sich einwandfrei und fehlerfrei schriftlich ausdrücken

  • reagieren auf Anfragen über Ebay generell positiv

  • machen rundherum einen professionellen und sachverständigen Eindruck


Kaufen Sie nicht bei:

  • unklaren oder unkonkreten Produktbeschreibungen

  • unscharfen Bildern

  • Vorkasse ohne Absicherung, keine Bezahlmöglichkeit mit PayPal

  • Verkäufern mit mehrfachen einschlägigen Negativbewertungen

  • ungewöhnlich und unrealistisch günstigen Angeboten

  • Verkäufern und Ware unklarer Herkunft

Irreführende Formulierungen bei Angeboten

In den Beschreibungen angebotener Briefmarken und Briefmarkensammlungen findet man immer wieder beliebte Formulierungen, welche besonders zum Bieten anregen sollen, aber im richtigen Kontext beurteilt werden müssen. Wir haben die häufigsten einmal herausgesucht und interpretieren Sie hier aus unserer Erfahrung:

"undurchsucht"

Heißt, die Briefmarken sind höchstwahrscheinlich nach Plattenfehler, Farben und anderem durchsucht worden und Sie werden nichts Besonderes mehr darin finden. Ein Verkäufer, der die „Undurchsuchtheit“ seiner Ware besonders hervorhebt, hat diese in der Regel selbst durchsucht, sonst wäre ihm der Begriff nicht geläufig. Logisch eigentlich. Niemand verschenkt etwas.

Wirklich undurchsuchte Lots können Sie finden, wenn dies nicht extra erwähnt ist, also wenn der Verkäufer selbst nicht weiß, dass im angebotenem Bestand Abarten und Besonderheiten findbar sind. Und das dürfte absolut die Ausnahme sein.

Durchsuchte Posten werden bei Ebay, Hood und anderen Online-Auktionsplattformen immer wieder durchgereicht, diese bestehen aus vielen Einzelmarken der selben Katalognummern, Bündelware und Bogenteilen und werden fast immer als „undurchsucht“ oder „Fundgrube“ oder mit ähnlichen Begriffen offeriert. Schauen Sie einfach mal testsweise, ob der Händler auch bessere Werte aus diesem Sammelgebiet anbietet oder angeboten hat, dann können Sie sich die Frage selbst beantworten, ob der als „undurchsuchte“ Posten wirklich undurchsucht ist. Schlaue Händler bieten nicht beides gleichzeitig an. Also immer Augen offenhalten!

"Dachbodenfund"

Eine absolut inflationär verwendete und völlig nichtssagende Behauptung, die meist nur falsch ist. Soll dem potentiellen Bieter vermitteln, dass er mit einer völlig unberührten Sammlung aus Opas Zeiten ein „Riesenschnäppchen“ machen kann. Meist handelt es sich hier um „ausgelutschte“ Restekisten. Zudem wollen sich unseriöse Verkäufer mit dieser schwammigen und über die Sammlung nichts konkretes aussagende Bezeichnung vor Reklamationen schützen. Sie können nämlich nur reklamieren, was Ihnen konkret offeriert wurde.

Aussagen von Verkäufern wie „...habe keine Ahnung von Briefmarken“ , „kann über die Echtheit nichts sagen, weil ich nicht sammle“, „...habe die Briefmarken nur geerbt und verstehe nichts davon...“ und ähnliche Formulierungen:

Wenn ein Verkäufer schon so anfängt, lassen Sie am besten gleich die Finger von der Tastatur, der will Sie wirklich für dumm verkaufen, ja so drastisch muss man das sagen. Er kokettiert mit Unbedarftheit, um Ihnen, ohne sich selbst der Gefahr einer berechtigten Reklamation wegen dem Verkauf von z. Bsp. Fälschungen auszusetzen, wertloses Zeug anzudrehen. Viel mehr ist dazu nicht zu sagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verkäufer wirklich keine Ahnung hat und dies auch schreibt, ist minimal, soll es aber schon gegeben haben. Schauen Sie sich die Ware genau an, wenn vernünftige Fotos dabei sind. Sind keine Bilder dabei oder nur unscharfe? Na, wer sagt‘s denn...?

Was noch wichtig ist bei Onlinekäufen von Briefmarken

Fälschungen bei Online-Aukionshäusern

Bei Auktionsplattformen werden sehr oft Fälschungen wertvoller Marken und Belege offen angeboten. Rechtlich ist kaum etwas dagegen zu machen, da diese Ware als Faksimiles oder direkt als „Falsch“ angeboten wird. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, die Beschreibungen der Ware genau zu lesen. Manchmal werden die Fälschungen als "Neudrucke" oder "Nachdrucke" deklariert. Besonders gern werden Fälschungen angeboten von:

  • Feldpostmarken und Aushilfsausgaben 2. Weltkrieg, Überdruckmarken aus dieser Zeit
  • DR Luftpostmarken, besonders Zeppelinpost, sogar komplette Belege werden angeboten
  • Thüringen: Weihnachtsblöcke, besonders die Fehldrucke, auch komplette Belege
  • Als „Falsch“ geprüfte Briefmarken, Stempelfälschungen, mit dem Hinweis „geprüft“ (was ja stimmt, nur eben „falsch“, also aufpassen!)
Thüringen Block Ganzfälschung

Prinzipiell ist ja immer Vorsicht geboten bei unrealistisch günstigen Angeboten, wir erwähnen dies hier aber aus einem völlig anderen Grund: wenn Sie ein solches Angebot auf einer Auktionsplattform sehen, schauen Sie sich das Profil des Verkäufers genau an, so bekommen Sie ein sicheres Gefühl für seriöse und unseriöse Angebote. Insbesondere den Namen des Verkäufers sollten Sie sich merken, auch wenn diese ihren Anbieternamen regelmäßig wechseln. Lesen Sie auf jeden Fall die Bewertungen solcher Anbieter durch!

Das Aufzeigen dieser Negativbeispiele soll nicht darüber hinwegtäuschen, das dies die Ausnahmen von der Regel sind. Auch die Redaktionsmitglieder bieten und kaufen regelmäßig bei Ebay und Co. und sind in der Summe zufrieden. Damit Sie das auch sind, haben wir oben die Fallstricke gezeigt.

Ganz besonders würden uns Ihre Erfahrungswerte zum Thema „Onlinekauf von Briefmarken und Münzen“ interessieren. Bitte schreiben Sie uns diese, damit auch andere Sammler vor unangenehmen Erfahrungen geschützt werden können.



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