Briefmarken Altdeutschland: Die Ausgaben von Bergedorf

Bergedorf, der Hauptort der Vierlande, war bis zum 31. Dezember 1867 gemeinsamer Besitz der Hansestädte Lübeck und Hamburg. So erklärt sich auch das vielleicht am Anfang etwas seltsam anmutende Wappen von Bergedorf, welches auf allen Briefmarken des recht kleinen Ortes abgebildet ist. Es besteht aus dem jeweils halben Wappen der beiden Hansestädte, zu einem zusammengesetzt.

Zum Amt Bergedorf gehörten die Ortschaften Bergedorf, Altengamme, Curslack, Kirchwerder, Kraul, Neuengamme, Riepenburg, Zollenspieker und Geesthacht (Exklave).

Das Gebiet, welches zum Amt Bergedorf gehörte, umfasste eine etwaige Größe von 90 Quadratkilometern und hatte in den 60er Jahren des 19. Jahrhundert etwa 12.000 Einwohner.

Eine eigene, bergedorfsche Post gab es ab 1847, vorher gab es sowohl preußische, hannoverische und thurn-und taxische Postniederlassungen. Bergedorf liegt sehr günstig an einem wichtigen Elbübergang und war daher schon immer ein wichtiger Verbindungspunkt verschiedenster Postlinien.

Mit Beginn des Jahres 1868 wurde dann Bergedorf zum hamburgischen Besitz, es galten somit die Briefmarkenausgaben des Norddeutschen Postbezirks.

Bergedorf – die Briefmarken

Die ersten und einzigen Briefmarken Bergedorf erschienen am 1. November 1861 in fünf Werten zu:

Nominal & WährungFarbvariante
½ Schillingschwarz auf blau
1 Schillingschwarz auf weiß
1 ½ Schillingschwarz auf hellolivgelb
3 Schillingeultramarin auf mattrosa
4 Schillingeschwarz auf braunorange

Das Markenbild zeigt das aus den Wappen Lübecks und Hamburgs zusammengesetzte Bergedorfer Wappen, umgeben von 55 Ringen als Kettenkreis. Um die Ringe im Außenbereich der Marken befindet sich ein Schriftband-Quadrat mit dem Schriftzug „Bergedorf“, „Postmarke“ sowie der Wertstufe und der Währungsbezeichnung „Schilling(e)“. An den Innenecken des Quadrates befinden sich die Buchstaben L, H, P, A, von oben links im Uhrzeigersinn gelesen, diese stehen für:

Lübeck-Hamburgisches Post-Amt

Die Markenbilder wurden von der hamburgischen Firma Ch. Fuchs entworfen und im Steindruck hergestellt. Die Marken waren, wie in dieser Zeit üblich, ungezähnt. Sie trugen kein Wasserzeichen.

Größe der Bergedorf Briefmarken im Vergleich zu einer 1-Cent-Münze

Die ½-Schilling-Marke von Bergedorf lässt sich weiter in zwei Untertypen einteilen: einmal schwarz auf hellerem Blau, die andere ½-Schilling schwarz auf dunklerem blau. Neben den verschiedenen Papierfarben unterscheiden sich die beiden Typen auch in der Markengröße. Die Briefmarke, die im Michel-Katalog mit „1b“ verzeichnet ist, hat ein etwas kleineres Format.

Durch die besondere Anordnung der Marken im Bogen zu Blöcken entstanden verschiedene Kehrdruck- und Zwischenstegkombinationen, welche besonders von spezialisierten Philatelisten geschätzt sind.

Die Systematik der Gliederung der verschiedenen Bögen ist recht komplex und einen eigenen Artikel wert, welcher zur gegebenen Zeit auf sammeln-spezial.de erscheinen wird. Nur ein Beispiel anhand der oben im Bogen abgebildeten ½-Schilling-Marke:

Der Bogen enthält 200 Briefmarken. Um die Zahl zu erreichen wurden 16 Blöcke mit je 12 Marken gedruckt. Dies sind jedoch nur 192 Briefmarken. Deshalb hat man einen weiteren Umdruckblock zerteilt und jeweils vier Marken an die Bogenhälften angesetzt.

Bergedorfs gebrauchte Briefmarken – philatelistische Raritäten ersten Ranges

Bergedorf war ein recht kleines Gebiet mit etwa 12.000 Einwohnern, zudem war die Freimachung von Postsendungen mit Briefmarken nicht zwingend vorgeschrieben. Ein großer Teil der Briefsendungen wurde noch bar am Postschalter freigemacht. Dazu kommt noch, dass ein reger Briefverkehr mit dem benachbarten Schleswig-Holstein bestand, Sendungen dorthin wurden mit den Briefmarken Schleswig-Holsteins frankiert. Dies hat dazu geführt, dass es nur wenige, echt gebrauchte Briefmarken Bergedorfs gibt, im Verhältnis zu den reichlich vorhandenen ungebrauchten Exemplaren, die die Zeit überdauert haben. Entwertet wurden die Bergedorf-Marken häufig mit dem Strichstempel, welcher auf der Marke mehrfach und versetzt abgeschlagen wurde. Es war nur ein Stempel in Gebrauch. Ein Beleg für den Gebrauch eines weiteren Stempels fehlt bis heute. Der bergedorfsche Strichstempel bestand aus fünf parallel verlaufenden Linien, welche ca. 19 Millimeter Länge hatten, auf einer Breite von etwa 16,5 Millimetern verteilt.

Weiter gab es einige wenige Entwertungen mit dem Tagesstempel „BERGEDORF“, dieser diente eigentlich als Aufgabe- bzw. Ankuftsstempel. Entwertungen der Briefmarken mit diesem Stempel erfolgten versehentlich.

Es versteht sich von selbst, dass gebrauchte Bergedorf-Marken grundsätzlich nur kompetent geprüft erworben werden sollten, schon aufgrund ihrer großen Seltenheit und dem damit verbundenen Vorhandensein unzähliger Stempelfälschungen.

Bergedorfs Briefmarken und die Erhaltung

Die bergedorfschen Briefmarken weisen sehr unterschiedliche Abstände im Bogen auf, daher existieren sowohl großzügig geschnittene Exemplare als auch recht eng getrennte Marken. Aufgrund der Fülle der noch existierenden ungebrauchten Exemplare sollte es kein Problem sein, einwandfreie Marken mit Originalgummi zu bekommen, auch postfrische erhaltene Marken sind nicht ausgesprochen selten. Wie oben bereits erwähnt, ist dies bei gebrauchten Marken anders. Bei den wenigen echt gebrauchten Briefmarken Bergedorfs die existieren, muss man schon einmal Abstriche machen, wenn man seine Bergedorf-Sammlung zu einem vertretbaren Aufwand komplettieren möchte.

Kehrdrucke, Zwischenstege, Plattenfehler

Das Amt Bergedorf hat gerade einmal fünf Briefmarken herausgegeben, eine Bergedorfsammlung mit den Hauptnummern ist also recht schnell zu komplettieren. Interessanter wird es, wenn man auch die reichlich vorhandenen Kehrdruckpaare sowie die möglichen Zwischenstegpaare sammelt. Diese ergeben sich aus der Anordnung der Marken in den verschiedenen Bögen zu 192, 200, 180, 160 und 80 Marken im Bogen (in der Reihenfolge ½ Schilling bis 4 Schillinge). Der Michel-Katalog verzeichnet sechzehn verschiedene Kombinationen. Dazu kommen noch zahlreiche Plattenfehler, drei davon sind im Michel-Spezial verzeichnet. Zudem existieren von allen Bergedorf-Marken Probedrucke.

Neudrucke

Von allen Briefmarken Bergedorfs existieren zahlreiche Neudrucke, welche sich in verschiedenen Punkten von den Originalen unterscheiden, obwohl die Original-Druckstöcke verwendet wurden. Die Unterschiede sind in kleinen Unregelmäßigkeiten im Druck, plattenfehlerähnlich, zu finden. Selbstverständlich gleicht das Papier der Neudrucke nicht dem der Originale und ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal. Sogar von den Probedrucken existieren -recht seltene- Neudrucke.

Von der regulären Ausgabe gibt es Neudrucke aus den Jahren 1872, 1874, 1887 und 1888. Die Neudrucke der beiden früheren Jahre sind eher selten und gleichen den Originalen mehr, die der beiden anderen Jahre sind leicht als Neudrucke zu erkennen. Auch Kehrdruckpaare als Neudrucke existieren.

Die Neudrucke stammen von dem Briefmarken- und Buchhändler Jean Baptiste Moens, welcher sich im Besitz sämtliche Restbestände Bergedorfer Briefmarken befand, dazu besaß er die Ursteine der Marken. Ab 1869 begann er, mit den Ursteinen Neudrucke zu produzieren, der Erste bekannt als „Moensscher Korrekturabzug“. Ziel war es, mit Neudrucken den immer knapper werdenden Originalen entgegenzuwirken und sein Geschäft mit klassischen deutschen Briefmarken aufrecht zu erhalten.

Sogenannter Moensscher Neudruck als Bogenteil.

Bergedorf – ein kleines, aber lohnendes Sammelgebiet

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Sammelgebiet Bergedorf besonders für den spezialisierten Philatelisten ein lohnendes Tätigkeitsfeld ergibt, besonders wenn man sich auf die Kehrdruck- und Zwischenstegvarianten konzentriert. Die noch -verhältnismäßig- reichlich vorhandenen ungebrauchten Briefmarken erleichtern den Einstieg in die Bergedorf-Philatelie.

Die in einer großen Zahl vorhandenen Neudrucke können eine Bergedorf-Sammlung sinnvoll abrunden.

Gebrauchte Bergedorf-Briefmarken sind Raritäten und sollten grundsätzlich geprüft erworben werden!

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