Um festzustellen wie viel Ihre Briefmarken wert sind, muss zuerst die Frage geklärt werden, welchen Wert Sie meinen.

  • den theoretisch maximal erzielbaren Verkaufswert?
  • den Katalogwert?
  • den aktuellen Handelswert?

Wichtig: Katalogwert ist nicht der Verkaufswert!

Die Erhaltung

Entscheidend für den Wert einer Briefmarke ist die Erhaltung, also der Zustand in dem sich die Marke befindet. Grundlegend unterscheiden Briefmarkensammler die Erhaltungen „gebraucht“ und „ungebraucht“. Allein die Tatsache, ob eine Briefmarke gestempelt ist oder nicht, ist nicht wertentscheidend. Dazu später mehr.

Gestempelt oder Ungebraucht (postfrisch, mit Falz und ohne Gummi)

„Gebraucht“ heißt also, die Marke hat Verwendung gefunden, ist also in den meisten Fällen gestempelt. „Ungebraucht“ heißt demnach, die Briefmarke ist noch „unbenutzt“.
Bei den ungebrauchten Marken unterscheidet man:

Postfrisch

Postfrisch mit Originalgummi ist die bestmögliche Erhaltungsform für ungebrauchte Marken

Eine Postfrische Altdeutschland Briefmarke-Marke
Briefmarke aus Altdeutschland mit leichten Brüchen im Gummi. Trotzdem Postfrisch.

Ungebraucht mit Falz

„Ungebraucht mit Falz“ ist für Briefmarken vor etwa 1945 eine noch akzeptable Erhaltung. Für ältere oder gar klassische Marken eine gute bis sehr gute Erhaltung

Schwarzer Einser Rückseite mit Zeiterechtem Gummi
Rückeseite eines Schwarzen Einsers. Mit einem Zeitgerechtem Gummi.

Ungebraucht ohne Gummi

„Ungebraucht ohne Gummi“ ist für klassische Marken oft normal, bei Briefmarken ab ca. 1900 schon „zweite Wahl“ und bei modernen Marken nicht akzeptabel. Einige Ausnahmen bestätigen die Regel, denn auch nach 1900 gibt es Ausgaben, die herstellungsbedigt ohne Gummi verausgabt wurden. Siehe hierzu z.B. die Rotkreuz-Blocks in der französischen Zone nach dem II. Weltkrieg.

Zwischenfazit und Unterschiede auf den Punkt:

Briefmarken können gebraucht oder ungebraucht sein. Bei den ungebrauchten unterscheidet man zwischen:

  • postfrisch mit Originalgummi (wie von der Post verausgabt, ohne irgendwelche Mängel)
  • ungebraucht mit Falz (nicht ganz intakte Gummierung, meist durch Falz verursacht, aber immerhin noch vorhanden)
  • und ungebraucht ohne Gummi (kein Gummi mehr da)

Grundsätzlich ist allein die Tatsache, dass eine Briefmarke gestempelt oder ungestempelt ist, nicht generell entscheidend für den Wert. Das heißt, dass nicht alle gestempelten Briefmarken automatisch mehr wert sind als ungestempelte Marken oder umgekehrt. Ob eine ungebrauchte Briefmarke mehr oder weniger wert ist als die gleiche gebraucht, ist von der Seltenheit ihrer Verwendung abhängig und ist somit von Ausgabe zu Ausgabe verschieden.

Wertermittlung mittels Katalog

Bei der letztendlichen Wertbestimmung ist ein Briefmarkenkatalog wie Michel oder Gibbons eine nützliche Sache. Die Preise in den Katalogen können Sie nicht 1:1 auf Ihre Marken übertragen. Sehen Sie besser die Preisnotierungen als eine Art „Tauschrelation“ oder „Börsennotierung“ an. Am einfachsten ermitteln Sie den Wert Ihrer Marken, indem Sie:

  1. Zuerst die Katalognummer bestimmen,
  2. dann objektiv die Erhaltung und Qualität bewerten
  3. und dann online oder mit Annoncen aus Briefmarken-Zeitschriften möglichst viele Preise recherchieren.

Sicherlich müssen Sie noch beachten, dass die Verkäufer nicht zum gleichen Preis ankaufen wie verkaufen. Wenn Sie einen „gesunden Mittelwert“ recherchiert haben, können Sie sich in etwa ein Bild vom Wert ihrer Sammlerstücke machen.

Welchen Preis kann ich als Verkäufer von Briefmarken erwarten und wo kann ich diese am besten verkaufen?

Selbstverständlich lässt sich diese Frage nicht allgemeingültig beantworten, vor allem da der erzielbare Verkaufspreis von Briefmarken von vielen, auch unwägbaren Faktoren abhängig ist. Wir versuchen hier trotzdem einmal eine grundsätzliche Orientierungshilfe zur geben. Den vollen Katalogpreis werden Sie in den meisten Fällen nirgends bekommen.

Beim Händler:

In der Regel strebt der Händler einen Verkaufspreis seiner Stücke in Höhe von 25-45% des Katalogpreises an. Der wird maximal zwischen 10-25% bezahlen wollen. Einwandfreie Erhaltung der Briefmarken und aktuell geprüfte Stücke (soweit erforderlich) seien vorausgesetzt.
Generell ist das aber von Gebiet und Ausgabe verschieden. So zahlen auch Händler für viele seltene Stücke hohe Preise, da gerade sie wissen, wie schwierig es ist an wirklich gutes Material heranzukommen.

Auktion:

Wertvolle oder sehr spezielle Stücke und auch Sammlungen lohnen die Einlieferung bei einem renommierten Auktionshaus. Hier können Sie -rein theoretisch- Verkaufspreise erzielen, welche über den Ankaufspreisen eines Händlers liegen. Auch hier wird einwandfreie Erhaltung und aktuelle Prüfung vorausgesetzt.
Zu erwähnen sind hier die Provisionen (die der Verkäufer trägt), sowie der ungewisse Zuschlag zu dem die Stücke verkauft werden.

Ebay und andere Online-Auktionshäuser:

Hier erhalten Sie in der Regel für Ihre Briefmarken nur einen Bruchteil vom Katalogwert. Allerdings können Sie hier philatelistische Stücke verkaufen, die Ihnen kein Händler, sei es wegen ihres geringen Wertes oder mangelhaften Qualität abnimmt. Ebenso werden hier viele ungeprüfte Briefmarken, Belege und anderes Material angeboten (und auch verkauft).

Privat:

Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf über Privat. Die Schwierigkeit hierbei ist es den einen Sammler zu finden, der genau die von Ihnen angebotenen Stücke sucht. Solche Sammler sind schon einmal bereit, höhere Preise zu bezahlen, als Ihnen ein Händler zahlen würde. Insofern ist ein solcher Verkauf mühsam und eigentlich reine Glückssache.

Allgemeine Hinweise:

Mit „Marken in Massen“ oder auch Sammlungen erzielen Sie in der Regel weniger an Verkaufserlös, als die Summe der Einzelmarken ausmacht.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie Briefmarken und philatelistische Belege verkaufen wollen, sollten diese möglichst gut erhalten sein. Ebenso wird Ihnen kein Händler wertvollere  und fälschungsgefährdete Stücke abnehmen, wenn es sich dabei nicht um geprüfte Stücke handelt. Bei sogenannten „Freien Prüfern“ und deren „Befunden“ ist Vorsicht geboten. Davon tummeln sich viele, gute und nicht so gute, daher erkundigen Sie sich am besten beim BDPh.

Eine gute Hilfe bei der Ermittlung von Werten bei philatelistischen Objekten sind Briefmarkenvereine, diese finden Sie in fast jeder Gegend. Die Vereine helfen gerne bei der Bewertung Ihrer Briefmarken und Sammlungen und sind dabei unabhängig.

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