Dass Briefmarken, ähnlich wie andere Sammlerstücke, einen monetären Wert haben, ist allgemein bekannt. Nun gibt es aber immer wieder Missverständnisse, was den Wert von Briefmarken angeht. Und als schwierige Aufgabe hat es sich für manchen herausgestellt, eine zum Beispiel geerbte Sammlung zu verkaufen.

  • Was sind meine Briefmarken wert?
  • Was ist meine Sammlung wert?
  • Wie kann ich herausfinden, was genau meine Sammlung wert ist?
  • Wie verfahre ich mit einer geerbten Briefmarkensammlung?
  • Wo kann ich meine Briefmarken anbieten und verkaufen?

Es gibt Sammlungen, die sind kaum das Album wert, in welchem die Marken stecken. Andererseits kann eine kleine Steckkarte mit Briefmarken den Wert eines Kleinwagens haben. Ausschlaggebend für den Wert einer Briefmarkensammlung ist immer Angebot und Nachfrage. Seltene und begehrte Briefmarken sind wertvoller als häufig existierende und weniger Gefragte.

Was ist mehr wert? Alte oder neue Briefmarken?

Es herrscht die allgemeine Auffassung vor, dass alte Briefmarken wertvoller sind als neue. Grundsätzlich ist dies nicht verkehrt. In früheren Zeiten wurden Briefmarken vornehmlich zum Zwecke der Verwendung als Frankiermittel hergestellt und nur nach Bedarf gedruckt. Deshalb sind -besonders wenn eben wenig Bedarf bestand- klassische Briefmarken kleiner Gebiete selten. In neuerer Zeit werden Briefmarken zum größten Teil für Sammler gedruckt, in sehr viel höherer Auflage, es gibt also mehr „Material“, dementsprechend geringer sind die Sammlerpreise für moderne Marken. Manche zum Beispiel afrikanische Staaten produzieren Briefmarken in Massen, ohne dass auch nur ansatzweise ein postalischer Bedarf besteht. Solche Produktionen finden oft nicht einmal den Weg in den Michel-Katalog. Diese Briefmarken sind oft sehr aufwändig gestaltet, rund, aus Metall, in 3D-Optik und so weiter. Ob es aber Briefmarken im herkömmlichen Sinne sind, bleibt dahingestellt. Solche Druckerzeugnisse werten unter Sammlern gering, sind in großen Mengen im Markt und finden kaum Abnehmer.

Thema Abosammlung

Findige Briefmarkenhändler boten und bieten im Rahmen wiederkehrender Zusendungen von Briefmarken den Aufbau einer „wertvollen“ Briefmarkensammlung an. Diese Sammlungen sind hübsch aufgemacht, regelmäßig inklusive Vordruckalbum und: ziemlich teuer. Solche Abosammlungen sind fast immer Themen- und Motivsammlungen mit modernen Briefmarken. Mancher Sammler hat für diese regelmäßigen Markensendungen viel Geld ausgegeben.

Leider stehen die für solche Abos ausgegebenen Beträge kaum im Verhältnis zum tatsächlichen Handelswert für diese Sammlungen. So mancher Sammler oder auch Erbe eines Sammlers ist schon „aus allen Wolken gefallen“, nachdem er vom Händler erfahren hat, zu welchem Preis (wenn überhaupt) die Abosammlung veräußert werden kann. Besonders, wenn er von den oftmals noch vorhandenen Originalrechnungen für die Briefmarkenlieferungen den hohen Einstandspreis kennt.

Wenn man für solche Sammlung nicht gerade einen privaten Liebhaber findet, sind Abosammlungen recht schwer verkäuflich. Die exklusive Aufmachung und der manchmal enorme Umfang diese Sammlungen täuschen schnell darüber hinweg.

Eine grobe Orientierung zum Wert jeweiliger alter oder neuerer Ausgaben kann ein Briefmarkenkatalog geben. Allerdings sagt der Katalogwert nicht viel über den Handelswert aus, sondern gibt nur eine Bewertungsrichtung vor. Folgende Kriterien sind ebenso wichtig:

Die Erhaltung

Entscheidend für den Wert einer Briefmarke ist die Erhaltung, also der Zustand in dem sich die Marke befindet. Grundlegend unterscheiden Briefmarkensammler die Erhaltungen „gebraucht“ und „ungebraucht“. Allein die Tatsache, ob eine Briefmarke gestempelt ist oder nicht, ist nicht wertentscheidend. Dazu später mehr.

Ein wichtiges Kriterium zur Wertfindung von Briefmarken ist der Zustand der Briefmarke bezogen auf ihr Alter. Briefmarken waren besonders in früheren Zeiten reine Gebrauchsgegenstände und wurden nicht immer pfleglich behandelt. Dies gilt besonders für gebrauchte, also auf Postsendungen verwendete Briefmarken. Eine Marke kann im Katalog hoch bewertet sein, ist sie aber beschädigt, also fehlen Zähne, ist die Marke angeschnitten, fleckig oder repariert, wird der interessierte Sammler kaum den vollen möglichen Preis zahlen. Genau dieser Umstand wird sehr oft unterschätzt. Während der Philatelist bei klassischen und seltenen Briefmarken eher bereit ist, Abstriche bei der Qualität zu machen, wird er dies bei modernen Briefmarken kaum tun. Moderne Briefmarken nicht einwandfreier Erhaltung sind oft nahezu unverkäuflich.

Gestempelt oder ungebraucht

  • postfrisch
  • mit Falz
  • ohne Gummi

„Gebraucht“ heißt, die Marke hat Verwendung gefunden, ist also in den meisten Fällen gestempelt. „Ungebraucht“ heißt demnach, die Briefmarke ist noch „unbenutzt“.
Bei den ungebrauchten Marken unterscheidet man:

Postfrisch

Postfrisch mit Originalgummi ist die bestmögliche Erhaltungsform für ungebrauchte Marken

Eine Postfrische Altdeutschland Briefmarke-Marke
Briefmarke aus Altdeutschland mit leichten Brüchen im Gummi. Trotzdem Postfrisch.

Ungebraucht mit Falz

„Ungebraucht mit Falz“ ist für Briefmarken vor etwa 1945 eine noch akzeptable Erhaltung. Für ältere oder gar klassische Marken eine gute bis sehr gute Erhaltung

Schwarzer Einser Rückseite mit Zeiterechtem Gummi
Rückeseite eines Schwarzen Einsers. Mit einem Zeitgerechtem Gummi.

Ungebraucht ohne Gummi

„Ungebraucht ohne Gummi“ ist für klassische Marken oft normal, bei Briefmarken ab ca. 1900 schon „zweite Wahl“ und bei modernen Marken nicht akzeptabel. Einige Ausnahmen bestätigen die Regel, denn auch nach 1900 gibt es Ausgaben, die herstellungsbedigt ohne Gummi verausgabt wurden. Siehe hierzu z.B. die Rotkreuz-Blocks in der französischen Zone nach dem II. Weltkrieg.

Zwischenfazit und Unterschiede auf den Punkt:

Briefmarken können gebraucht oder ungebraucht sein. Bei den ungebrauchten unterscheidet man zwischen:

  • postfrisch mit Originalgummi (wie von der Post verausgabt, ohne irgendwelche Mängel)
  • ungebraucht mit Falz (nicht ganz intakte Gummierung, meist durch Falz verursacht, aber immerhin noch vorhanden)
  • und ungebraucht ohne Gummi (kein Gummi mehr da)

Grundsätzlich ist allein die Tatsache, dass eine Briefmarke gestempelt oder ungestempelt ist, nicht generell entscheidend für den Wert. Das heißt, dass nicht alle gestempelten Briefmarken automatisch mehr wert sind als ungestempelte Marken oder umgekehrt. Ob eine ungebrauchte Briefmarke mehr oder weniger wert ist als die gleiche gebraucht, ist von der Seltenheit ihrer Verwendung abhängig und ist somit von Ausgabe zu Ausgabe verschieden.

Wertermittlung mittels Katalog

Bei der letztendlichen Wertbestimmung ist ein Briefmarkenkatalog wie Michel oder Gibbons eine nützliche Sache. Die Preise in den Katalogen können Sie nicht 1:1 auf Ihre Marken übertragen. Sehen Sie besser die Preisnotierungen als eine Art „Tauschrelation“ oder „Börsennotierung“ an. Am einfachsten ermitteln Sie den Wert Ihrer Marken, indem Sie:

  1. Zuerst die Katalognummer bestimmen,
  2. dann objektiv die Erhaltung und Qualität bewerten
  3. und dann online oder mit Annoncen aus Briefmarken-Zeitschriften möglichst viele Preise recherchieren.

Sicherlich müssen Sie noch beachten, dass die Verkäufer nicht zum gleichen Preis ankaufen wie verkaufen. Wenn Sie einen „gesunden Mittelwert“ recherchiert haben, können Sie sich in etwa ein Bild vom Wert ihrer Sammlerstücke machen.

Welchen Preis kann ich als Verkäufer von Briefmarken erwarten und wo kann ich diese am besten verkaufen?

Selbstverständlich lässt sich diese Frage nicht allgemeingültig beantworten, vor allem da der erzielbare Verkaufspreis von Briefmarken von vielen, auch unwägbaren Faktoren abhängig ist. Wir versuchen hier trotzdem einmal eine grundsätzliche Orientierungshilfe zur geben. Den vollen Katalogpreis werden Sie in den meisten Fällen nirgends bekommen.

Beim Händler:

In der Regel strebt der Händler einen Verkaufspreis seiner Stücke in Höhe von 25-45% des Katalogpreises an. Der wird maximal zwischen 10-25% bezahlen wollen. Einwandfreie Erhaltung der Briefmarken und aktuell geprüfte Stücke (soweit erforderlich) seien vorausgesetzt.
Generell ist das aber von Gebiet und Ausgabe verschieden. So zahlen auch Händler für viele seltene Stücke hohe Preise, da gerade sie wissen, wie schwierig es ist an wirklich gutes Material heranzukommen.

Auktion:

Wertvolle oder sehr spezielle Stücke und auch Sammlungen lohnen die Einlieferung bei einem renommierten Auktionshaus. Hier können Sie -rein theoretisch- Verkaufspreise erzielen, welche über den Ankaufspreisen eines Händlers liegen. Auch hier wird einwandfreie Erhaltung und aktuelle Prüfung vorausgesetzt.
Zu erwähnen sind hier die Provisionen (die der Verkäufer trägt), sowie der ungewisse Zuschlag zu dem die Stücke verkauft werden.

Ebay und andere Online-Auktionshäuser:

Hier erhalten Sie in der Regel für Ihre Briefmarken nur einen Bruchteil vom Katalogwert. Allerdings können Sie hier philatelistische Stücke verkaufen, die Ihnen kein Händler, sei es wegen ihres geringen Wertes oder mangelhaften Qualität abnimmt. Ebenso werden hier viele ungeprüfte Briefmarken, Belege und anderes Material angeboten (und auch verkauft).

Privat:

Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf über Privat. Die Schwierigkeit hierbei ist es den einen Sammler zu finden, der genau die von Ihnen angebotenen Stücke sucht. Solche Sammler sind schon einmal bereit, höhere Preise zu bezahlen, als Ihnen ein Händler zahlen würde. Insofern ist ein solcher Verkauf mühsam und eigentlich reine Glückssache.

Allgemeine Hinweise:

Mit „Marken in Massen“ oder auch Sammlungen erzielen Sie in der Regel weniger an Verkaufserlös, als die Summe der Einzelmarken ausmacht.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie Briefmarken und philatelistische Belege verkaufen wollen, sollten diese möglichst gut erhalten sein. Ebenso wird Ihnen kein Händler wertvollere  und fälschungsgefährdete Stücke abnehmen, wenn es sich dabei nicht um geprüfte Stücke handelt. Bei sogenannten „Freien Prüfern“ und deren „Befunden“ ist Vorsicht geboten. Davon tummeln sich viele, gute und nicht so gute, daher erkundigen Sie sich am besten beim BDPh.

Eine gute Hilfe bei der Ermittlung von Werten bei philatelistischen Objekten sind Briefmarkenvereine, diese finden Sie in fast jeder Gegend. Die Vereine helfen gerne bei der Bewertung Ihrer Briefmarken und Sammlungen und sind dabei unabhängig.

Zusammenfassung

  • Briefmarke ist nicht gleich Briefmarke und Sammlung ist nicht gleich Sammlung. Anhand von Briefmarken-Katalogen kann man sich einen groben Überblick über den möglichen Wert verschaffen.
  • Katalogwert ist nicht Handelswert!
  • Der ursprüngliche Kaufpreis sagt nichts über den Handelswert aus.
  • Bei der Wertfindung können Briefmarken-Vereine Hilfestellung geben.
  • Wichtig ist der Zustand der Sammlerstücke. Beschädigte Briefmarken sind weniger wert als einwandfreie. Die meisten modernen Briefmarken sind in nicht einwandfreiem Zustand oft unverkäuflich.
  • Seltene und hochpreisige Briefmarken sollten aktuell geprüft sein. Für ungeprüfte Marken (o. O., ohne Obligo) wird man nur schwer Abnehmer finden. Auf keinen Fall wird man ungeprüfte, wertvolle Briefmarken zum Preis für nachgewiesen echte Stücke erzielen.
  • Recherchen bei Händlern im Internet und in Briefmarken-Sammlerzeitschriften können ebenso eine Orientierung bei der Wertfindung geben.

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