Briefmarken Altdeutschland: Die Ausgaben von Württemberg

Zu den größeren Sammelgebieten der Altdeutschen Staaten gehört das Königreich Württemberg. Eben auch, weil es ähnlich wie Bayern bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts eigene Briefmarken herausgab. Die Markenausgaben Württembergs zur Kreuzerzeit wollen wir hier genauer beleuchten.

Besondere Berühmtheit haben ohne Zweifel die Marken mit den hohen Nominalen, besonders die 70-Kreuzer-Marke von 1873 und die 18-Kreuzer-Marken erlangt. Leider existieren von den Württemberg-Ausgaben einige Fälschungen. Auch die Neudrucke sollen hier nicht unerwähnt bleiben.

Die verausgabten Württemberg-Briefmarken lassen sich grob in elf Ausgaben mit insgesamt 43 Marken aufteilen:

Oktober 1851, Ziffern, geschnitten, Buchdruck auf farbigem Papier

  • 1 Kreuzer schwarz auf gelbweiß (Töne)
  • 3 Kreuzer schwarz auf gelb (Töne)
  • 6 Kreuzer schwarz auf grün (Töne)
  • 9 Kreuzer schwarz auf helllilarosa (Töne)
  • 18 Kreuzer schwarz auf violettgrau (Töne)

Von allen Marken gibt es verschiedene Papiertönungen. Weiter gibt es von den Marken der ersten Ausgabe verschiedene Typen, welche unten genauer aufgeschlüsselt werden.

Oktober 1857, Wappenzeichnung, geschnitten, Buchdruck und Prägedruck, waagerechter orangefarbener Seidenfaden

  • 1 Kreuzer hellgelbbraun (Töne)
  • 3 Kreuzer gelborange (Töne)
  • 6 Kreuzer hellolivgrün (Töne)
  • 9 Kreuzer rotkarmin (Töne)
  • 18 Kreuzer hell-bis dunkelblau (Töne)

Auch von diesen Marken existieren teilweise stark abweichende Farbtönungen.

August 1859, Wie vor, jedoch ohne Seidenfaden

  • 1 Kreuzer orangebraun (Töne)
  • 3 Kreuzer gelborange (Töne)
  • 6 Kreuzer hellolivgrün (Töne)
  • 9 Kreuzer rotkarmin (Töne)
  • 18 Kreuzer dunkelblau (Töne)

Die Farbtönungen dieser Ausgabe sind in ihrer Unterschiedlichkeit nicht so stark ausgeprägt wie die der vorhergehenden Ausgabe.

Mai 1860, Wie vor, jedoch gezähnt K13 1/2

  • 1 Kreuzer orangebraun (Töne)
  • 3 Kreuzer gelborange (Töne)
  • 6 Kreuzer hellolivgrün (Töne)
  • 9 Kreuzer rotkarmin (Töne)

Wie bei den vorhergehenden Ausgaben in der Wappenzeichnung existieren auch diese Marken in verschiedenen Farbtönungen. Zudem unterscheidet man in dickem und dünnem Papier (im Michel-Katalog 16x-19x bzw. 16y-19y)

Juli 1862, Wie vor, jedoch gezähnt K10

  • 1 Kreuzer orangebraun (Töne)
  • 3 Kreuzer gelborange (Töne)
  • 6 Kreuzer hellolivgrün (Töne)
  • 9 Kreuzer rotkarmin (Töne)

Der Hinweis auf die verschiedenen Farbtönungen bei dieser Ausgabe darf auch hier nicht fehlen. Genaue Aufstellungen bieten Spezialkataloge.

1863, Wie vor, jedoch geänderte Farben

  • 1 Kreuzer gelblichgrün (Töne)
  • 3 Kreuzer rötlichkarmin (Töne)
  • 6 Kreuzer hell-bis dunkelblau (Töne)
  • 9 Kreuzer gelbbraun (Töne)
  • 18 Kreuzer gelborange (Töne)

Zahlreich sind auch bei dieser Ausgabe mit geänderten Farben die Tönungen.

1863, Wie vor, jedoch durchstochen 10

  • 1 Kreuzer gelblichgrün (Töne)
  • 3 Kreuzer rötlichkarmin (Töne)
  • 6 Kreuzer hell-bis dunkelblau (Töne)
  • 9 Kreuzer gelbbraun (Töne)
  • 18 Kreuzer gelborange (Töne)

Auch hier darf der Hinweis auf die reichlich vorhandenen Farbtönungen nicht fehlen.

1868, Wie vor, Ergänzungswert

  • 7 Kreuzer preußischblau

1869, Ziffern im Hochoval, Buch- und Prägedruck, Durchstochen 10

  • 1 Kreuzer gelb-bis olivgrün (Töne)
  • 2 Kreuzer orange (Töne)
  • 3 Kreuzer rotkarmin (Töne)
  • 7 Kreuzer hellblau (Töne)
  • 9 Kreuzer orangebraun (Töne)
  • 14 Kreuzer gelb bis orange (Töne)

Auch von den Marken in den neuen Zeichnungen entstanden viele Tönungen.

1873 trägt die gleiche Wappenzeichnung wie bei den vorherigen Ausgaben (vor dem Hochoval). Diese ist im Buchdruck und Prägedruck hergestellt und sie wurde geschnitten. In diesem Jahr gab es nur eine 70 Kreuzer Marke in violettbraun (Töne). Dabei handelt es sich um den bekannten Höchstwert mit einer Auflage von nur 24.000 Stück.

Im Jahr 1874 erschien nur ein Ergänzungswert zu 1 Kreuzer in gelblichgrün.

Ab 1875 erschienen Württembergs Briefmarken in Markwährung.

Die Briefmarken Württembergs: in welcher Erhaltung sind sie zu finden?

Die geschnittenen Marken der ersten Ausgabe sind in der Regel gut erhalten aber nicht immer vollrandig anzutreffen. Trotzdem werden Marken mit berührter Randlinie meist mit Abschlägen gehandelt. Lediglich bei der ersten Wappenausgabe von 1857 wird eine berührte Randlinie manchmal toleriert.

Ungebrauchte Marken mit vollem Originalgummi sind aber selten, wie alle frühen Württemberg-Marken. Echte (geprüfte) Württemberg-Marken aus der Kreuzer-Zeit in postfrischer Erhaltungen sind Raritäten.

Bei den gezähnten Ausgaben sind Marken ohne Zahnmängel die Norm. Leider gibt es auch viele Marken mit Zahnmängel am Markt. Diese werden aber mit Abschlägen bewertet. Gleiches gilt für die durchstochenen Marken.

Viele Typen bei der ersten Ausgabe

Bei den Württemberg-Briefmarken der ersten Ausgabe (Ziffernzeichnung) sind verschiedene Typen feststellbar. Aber was sind Typen? Als solche bezeichnet man Marken mit sich wiederholenden Druckmerkmalen, welche nicht als Plattenfehler zu klassifizieren sind. Ebenso sind hiermit keine Druckzufälligkeiten gemeint. Solche als Typen zu bezeichnenden Eigenheiten der Druckplatte sind an derselben schon vor dem Druck vorhanden. Es sind keine durch den Druckvorgang entstandenen Beschädigungen.

Von der sämischen 1-Kreuzer-Marke gibt es drei Typen:

Type IPunkt hinter “Postverein” über der zweiten Spitze der Zackenlinie
Type IIPunkt hinter “Postverein” zwischen der zweiten und dritten Spitze der Zackenlinie
Type IIIhäufigste Type, Punkt hinter “Postverein” zwischen der zweiten und dritten Spitze

Die größte Vielfalt an Typen weist die 3-Kreuzer-Marke auf, ganze acht verschiedene Typen lassen sich identifizieren:

Type IPunkt hinter “Postverein” über der zweiten Spitze der Zackenlinie
Type IIPunkt hinter “Postverein” über der dritten Spitze der Zackenlinie
Type IIIPunkt hinter “Postverein” zwischen der zweiten und dritten Spitze der Zackenlinie
Type IV
Haupttype
wie bei Type III, aber: äußere Zackenlinie über “s” und “ch” von “Deutsch” unterbrochen (linker Schriftkasten)
Type IVa „untere Waagerechte endet unter dem “W” im oberen Schriftkasten“
Type IVb „beide Waagerechten im oberen Schriftkasten berühren nicht die linke Seitenleiste“
Type IVc „untere Waagerechte im oberen Schriftkasten genau unter der Mitte des “W” gebrochen“
Type V „häufigste Type, Punkt hinter “Postverein” und zwischen der zweiten und dritten Spitze“

Bei der grünen 6-Kreuzer-Marke unterscheidet man drei Typen:

Type IPunkt hinter “Postverein” über der zweiten Spitze der Zackenlinie
Type IIPunkt hinter “Postverein” zwischen der zweiten und dritten Spitze der Zackenlinie
Type IIIhäufigste Type, Punkt hinter “Postverein” zwischen der zweiten und dritten Spitze

Nur zwei Typen unterscheidet man bei der 9 Kreuzer rosa:

Type IPunkt hinter “Postverein” über der zweiten Spitze der Zackenlinie
Type IIhäufigste Type, Punkt hinter “Postverein” zwischen der zweiten und dritten Spitze der Zackenlinie

Der Höchstwert, die 18-Kreuzer lila, kennt ebenfalls nur zwei Typen:

Type IPunkt hinter “6” im rechten Schriftkasten
Type IIPunkt hinter “6” im rechten Schriftkasten fehlt

Ein besonders reizvolles Betätigungsfeld bietet eine Typensammlung speziell von der 3-Kreuzer-Marke. Nicht nur wegen der zahlreichen Typen, sondern auch weil diese Marke sehr häufig zu finden und daher nicht teuer ist. Eine komplette Sammlung aller Typen der ersten Ausgabe kann dagegen schon eine größere Herausforderung sein.

Quadratisch und mit Wappen: die Ausgaben ab 1857 bis 1874

Geschnittene Wappenmarken

Die geschnittenen Ausgaben der Wappenmarken kommen oft etwas berührt vor, da die Randlinien benachbarter Marken teils nur einen Viertelmillimeter auseinander liegen. Aus diesem Grunde “dulden” Philatelisten schon einmal Marken mit berührter Randlinie bei den geschnittenen Wappenausgaben Württembergs. Besonders bei der ersten Wappenausgabe von 1857. Die darauffolgende Ausgabe mit dem Wappen Württembergs ist schon breitrandiger gedruckt. Vollrandige Marken der Ausgabe von 1859 sind daher der Normalfall.

Da die Druckstöcke der Marken eng aneinandergestellt waren, erscheinen die Ränder der Marken manchmal nicht einwandfrei im Druckbild. Sie sind mal dicker, mal dünner und verschwinden schon einmal ganz. Weiter kommt es auch vor, dass die Randlinien benachbarter Marken verbunden sind. Solche “Eigenheiten” stellen bei den Wappenmarken keine Qualitätsmängel dar.
Randstücke der zweiten und dritten Württemberg-Ausgaben sind (ebenso wie die der ersten Ausgabe in der Ziffernzeichnung) außerordentlich selten und sollten ausnahmslos aktuell geprüft erworben werden.
Die beiden geschnittenen Ausgaben in der Wappenzeichnung sind leicht voneinander zu unterscheiden: die Marken von 1857 haben einen orangefarbenen Seidenfaden, welcher unter der Lupe gut zu erkennen ist, die Marken der darauffolgenden Ausgabe haben keinen Seidenfaden.

Gezähnte Wappenmarken

Da sich die Einführung einer einwandfrei arbeitenden Perforiermaschine verzögerte, erschienen erst 1859 gezähnte Marken, parallel zu ungezähnten. Oftmals wird als Datum der ersten gezähnten Ausgaben das Jahr 1860 angegeben. Tatsächlich gab es die ersten gezähnten schon 1859. Allerdings stand zur Herstellung nur eine Perforiermaschine zur Verfügung. Deren Kapazität reichte nicht aus, um den gesamten Bedarf zu decken. So kam es zur Ausgabe von gezähnten und ungezähnten Marken im gleichen Zeitraum.

Viele Farbschattierungen

Sämtliche Wappenmarken gibt es in vielen verschiedenen Farbtönungen. Der Grund dafür ist einfach zu finden: Es wurden über größere Zeiträume immer wieder die gleichen Wertstufen gedruckt, dafür immer wieder neue Farbmischungen angesetzt, die selten genau die vorherige Farbtönung traf. So gibt es die Wappenmarken in einer Farben-(Tönungs) Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Und wie auch hier bietet die Tönungsvielfalt für den spezialisierten Philatelisten ein reiches und reizvolles Betätigungsfeld.

Die 70-Kreuzer-Marke: der legendäre Höchstwert

Die 70 Kreuzer ist wohl die bekannteste Briefmarke Alt-Württembergs. Verwendet wurde sie im Innendienst und wurde somit nicht ans Publikum abgegeben. Nur vier Postämter verwendeten die Marken zunächst ab dem 30. Dezember 1872:

  • Stuttgart I
  • Stuttgart II
  • Ulm
  • Heilbronn

Sollte eine Sendung mit einer “70er” versehen werden, kassierte zuerst der Postbeamte das Porto in bar. Anschließend wurde die Sendung mit einem entsprechenden Vermerk an eines der oben genannten Postämter weitergeleitet, wo sie dann Marke und Stempel erhielt. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde währen des gesamten Vorganges von allen beteiligten Stellen auf die Echtheit der aufgeklebten Marke geachtet. Zumindest war dies von der Postverwaltung so vorgegeben.

Ab dem 28. März 1873 wurde auch das Postamt Wildbad mit der 70-Kreuzer-Marke ausgestattet (während der Badesaison!), ab dem 20. Januar 1874 wurde die Marke in ganz Württemberg verwendet. Verwendet wurde sie für Briefsendungen, für Wertbriefe und Pakete.

Die 70-Kreuzer-Marke ist oft der Spitzenwert jeder vollständigen Württemberg-Sammlung. Ein geprüftes gebrauchtes Stück diese Marke schlägt mühelos mit einem vierstelligen Eurobetrag zu Buche. Ungebrauchte Exemplare sind preiswerter zu haben. Auf jeden Fall sollte man bei diesem seltenen Stück auf ein aktuelles Fotoattest bestehen.

Fälschungen, Nachdrucke, Neudrucke

Wie bei allen seltenen Marken gibt es auch von den teureren Württemberg-Briefmarken etliche Fälschungen und auch Phantasiedrucke. Speziell diese werden oft mit Neudrucken in einen Topf geworfen. Grundsätzlich gilt, wie für alle seltenen und teuren Briefmarken, diese auf jeden Fall mit einer aktuellen Prüfung zu erwerben. Besonders hochwertige Marken sollten mit einem Fotoattest ausgestattet sein.

Besonders von der gebraucht recht seltenen 70-Kreuzer-Marke gibt es reichlich Falschstempelungen und Gefälligkeitsentwertungen.

Nachdrucke, welche in der Zeichnung von den Originalen abweicht, gibt es von der Erstausgabe Württembergs. Diese können sowohl amtliche Nachdrucke sein als auch solche auf private Bestellung hergestellte. Ebenso existieren von dieser Ausgabe reichlich Phantasiedrucke, welche in Farbe und Zeichnung deutlich von den Originalen abweichen.

Neudrucke existieren von den Wappenmarken. Auch diese könne amtliche sein oder auf private Bestellung gefertigte. Unterscheidbar von den Originalen sind die Neudrucke deutlich im verwendeten Papier.

Die Württemberg-Ländersammlung

Wie bei vielen selten klassischen Briefmarkenausgaben ist der Aufbau einer kompletten Ländersammlung aus solchen Marken meist ein recht aufwendiges Unterfangen. Sowohl in Bezug auf die finanziellen Erfordernisse als auch auf die Zeit, geeignete Exemplare zu finden und zu erwerben. Da macht Alt-Württemberg keine Ausnahme, besonders wenn man sich die Höchstwerte zu 18 Kreuzer und die 70-Kreuzer-Marke betrachtet.

Der Württemberg-Liebhaber, welcher den Aufwand zum Aufbau einer kompletten Württemberg-Sammlung scheut, kann vielleicht auf die schon oben erwähnte Möglichkeit zu einer Typensammlung der 3-Kreuzer-Marke von 1851 zurückgreifen oder eine Stempelsammlung aufbauen. Wie auch immer, Altdeutschland-Württemberg ist, wie die anderen Altdeutschen Länder ein Sammelgebiet, welches seinen Reiz wohl niemals verlieren wird.

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